Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Video still aus "Chronicles", digitalisierter Super-8-Film, 2011 (work in progress).
+
Video still aus "Chronicles", digitalisierter Super-8-Film, 2011 (work in progress).

Schirn Frankfurt

Die Landschaft im Kopf

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
    schließen

Die gefilmten Stillleben der zypriotischen Künstlerin Haris Epaminonda in Frankfurts Schirn

Hört man von sieben parallel laufenden Filmcollagen in einer einzigen Rauminstallation, denkt man sofort an Reizüberflutung. Schnelle Schnitte, grelle Bilder – etwas, das man so ähnlich auch aus dem Alltag kennt. Bei Haris Epaminonda, die derzeit in der Schirn Kunsthalle Frankfurt ausstellt, ist es jedoch ganz anders. Man sieht etwa Baumwipfel, hinter denen schier endlos die Sonne unterzugehen scheint. Nicht, dass die Sonne hier etwa besonders langsam wäre. Aber vom Film ist man nun mal gewöhnt, dass er die Ereignisse ein wenig rafft. An anderer Stelle sieht man Berggipfel, immer mal wieder einen anderen. Obwohl sie gefilmt wurden, bewegen sich die Berge naturgemäß gar nicht. Man hat also fast den Eindruck, Dias zu sehen, wäre da nicht das sanfte Ruckeln einer von Hand gehaltenen Kamera.

Gefilmt mit Super-8-Kamera

Etwas schneller geht es am Bildschirm mit den griechischen Statuen zu. Da wechselt schon mal eine Rückenansicht mit einer Front, fliegen Vögel auf steinerne Köpfe. Wieder ein anderer Film zeigt asiatische Masken, Kirschblüten und fotografierte Japanerinnen im Wechsel.

Stets hat man den Eindruck, es mit alten Aufnahmen zu tun zu haben, was daran liegt, dass Epaminonda mit einer Super-8-Kamera gefilmt hat. Die Körnigkeit, die verzerrte Farbigkeit und das dezente Wackeln verleihen den Aufnahmen etwas Nostalgisches.

Bei „Chronicles“ – der Titel der Arbeit – handelt es sich um Aufzeichnungen, die keiner Chronologie folgen, weder Erzählstruktur noch konkreten Inhalt haben. Alles, was wir darin zu lesen meinen, entsteht letztlich im Kopf. Statuen und Architekturen, Vasen und Wasser ziehen sich als Leitmotive durch die Installation, die so aufgebaut ist, dass man allenfalls zwei der als Loop laufenden Filme gleichzeitig sehen kann. Fast zwangsläufig versucht das Gehirn eine Verbindung herzustellen. Setzt Statisches und Fließendes, Natur und Kunst zueinander in Bezug. Die Komplexität der Arbeit entsteht durch das Einbeziehen diverser Ebenen: abgefilmte Fotobände und Gegenstände kommen ebenso vor wie vor Ort gefilmte Landschaften. Als weiteres Element dient ein suggestiver Soundtrack, den ein Duo namens „Part Wild Horses Mane On Both Sides“ eingespielt hat.

Das Gezeigte dient auch als eine Art Speicher unterschiedlicher Zeitebenen. Die Vasen etwa stammen augenscheinlich aus den fünfziger Jahren, die Statuen aus der Antike, die Landschaften sind jene von heute. Über die Herkunft ihrer Vorlagen lässt die zyprische Künstlerin den Betrachter bewusst im Unklaren.

Schirn Kunsthalle Frankfurt, bis 31. Juli. www.schirn.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare