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Christoph Graf Douglas

Kunstvermittler Christoph Douglas ist tot

Wie sich ein Liebhaber gegenüber den Schreihälsen auf dem Markt der Kunst behaupten konnte: Zum Tod des großen Kunstvermittlers Christoph Graf Douglas, der im Alter von 68 Jahren gestorben ist.

Von Peter Iden

Christoph Douglas bittet höflichst um Rückruf“ – wenn er den am Telefon gewünschten Gesprächspartner nicht erreichen konnte, war das die Nachricht, die er hinterließ. Es wird nun keinen solchen Anruf mehr geben: Im Alter von nur achtundsechzig Jahren ist der Kunstvermittler Graf Douglas am vergangenen Freitag verstorben.

Er lebte die Qualität höflich-freundlicher Entschiedenheit. Sie war das gewinnende Merkmal seiner Einlassung auf andere Menschen, ein bestimmter Stil der aufmerksamen Hinwendung, manchmal auch irritierend durch eine erstaunliche Direktheit, mit der er Fragen stellte, um sich das Bild des Gegenübers zu schärfen – doch niemals verließ ihn dabei sein Sinn für Maß und Takt.

Ein Aristokrat, dessen Familiengeschichte, der er sich wie seine Frau Bergit, eine Oetker-Erbin, verpflichtet wusste, zurückreicht bis in ins frühe 14. Jahrhundert, war Graf Douglas frei von jeder Erstarrung in abgelebten Formen – kennzeichnend für ihn vielmehr seine Elastizität, die Neugier, die sein Interesse motivierte am Vergangenen wie nicht weniger am Heutigen. Bis zur Mitte der neunziger Jahre war er der für Deutschland zuständige Chef des Kunst-Auktionshauses Sotheby’s – die Position gab er auf mit der Begründung, er habe zu oft erleben müssen, dass zu viel Geld für schwache Werke aufgebracht werde.

Höfliche Entschiedenheit

Mit dem Wechsel in den sodann selbstständig betriebenen Kunsthandel behauptete sich der Liebhaber gegenüber den Schreihälsen auf dem Markt der Kunst. Als Vermittler gelangen Christoph Douglas einige Bravourstücke: Zwar konnte er die Darmstädter „Schutzmantelmadonna“, das berühmteste damals zum Verkauf stehende Bild Holbeins, nicht für das Frankfurter Städel gewinnen, fand aber doch, nach langwierigen Verhandlungen, mit dem Erwerb durch die Sammlung Würth in Schwäbisch Hall einen (nicht gar so entlegenen) Ort, an dem das Werk öffentlich zugänglich ist. Ebenso konnte er die Humboldt-Tagebücher und die Erinnerungen Casanovas an Institute vermitteln, die sie für das breite Publikum präsent halten.

Sein jüngstes, nun durch seinen Tod von ihm nicht mehr zu vollendendes Vorhaben war die aufwändige Restaurierung einer Schlossanlage in der Landschaft am Bodensee, der er sich seit längerem mit aller Energie verschrieben hatte – durch äußerste Genauigkeit der Rekonstruktion bis ins Detail sollte der Bau Atmosphäre und Geist vergangener Epochen erlebbar machen und Raum für Kongresse und Seminare bieten. Bezeichnend für die Beweglichkeit des Schlossherren, dass er Anselm Kiefer dazu anstiften konnte, eine großes Fresko beizusteuern.

Wie er gerade eben noch davon sprach, war er voller Begeisterung. Unter all seinen Talenten war das seine schönste Begabung. In Erinnerung bleibt etwa, wie sich ihm einmal in einer Kirche im italienischen Piacenza vor einem Blumenbild der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts ein improvisierter Exkurs in Geschichte und Bedeutung des Motivs verwandelte in eine überschwängliche Bekundung tief empfundener Lebensfreude. Unvorstellbar damals wie jetzt, dass dieser Mensch nicht mehr ist.

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