Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Andreas Achenbach: Twilight, 1859.
+
Andreas Achenbach: Twilight, 1859.

Katharina Grosse und Andreas Achenbach

Kunstsommer in Baden-Baden

Tief darunter ein wenig Hoffnung: Katharina Grosse im Museum Frieder Burda und Andreas Achenbach im Museum LA8.

Von Peter Iden

Was in dem Saal im Erdgeschoss des Burda-Museums, das derzeit Katharina Grosse eine umfängliche Ausstellung einräumt, unvermeidlich zuerst auffällt, sind die enormen Formate der Leinwände von in der Breite bis zu neun, in der Höhe bis zu fast vier Metern. Wenn solche Ausmaße nicht bloß per se imponieren sollen, wollen Flächen dieses Zuschnitts malerisch schlüssig bewältigt werden. Das gelingt im Fall von einigen der Gemälde Grosses aus den ersten Jahren dieses Jahrhunderts überraschend gut.

Im Vordergrund eines nur mit dem Entstehungsjahr 2005 betitelten Werks verlaufen drei keineswegs schmale Farbbahnen in einem stumpfen Rosa diagonal über die Bildfläche und kreuzen dabei auf der darunterliegenden Ebene gegenläufige Diagonalen in einem hellen Grün. Unter den beiden Kreuzungen sind auf noch einer weiteren Ebene kleine weiße Felder zu sehen, einmal besetzt von konturlosen Tupfen. In erster Linie entsteht also durch das dichte Ineinander von Farben ein Bildraum von einiger Tiefe. Das mächtige Gemälde feiert das Eigenleben der Farben, wäre aber auch deutbar als Annäherung an ein metaphorisches Lebensbild, die lastenden Diagonalen im Vorder-und Mittelgrund als existentiell bestimmende Elemente und tief darunter ein wenig Hoffnung.

Weit weniger erbringt ein sich in den gleichen Saal vorwölbender, aufwändig installierter, plastischer Farbträger – die in den Gemälden erreichte räumliche Tiefe ist weit überzeugender als die konkrete Räumlichkeit der skulpturalen Anstrengung. Aber sehr schwankend in der Qualität der Lösungen ist das Oeuvre Katharina Grosses generell. Man kann das vorteilhaft bewerten als Ausdruck für eine Offenheit, die alle Ergebnisse als Momente eines Prozesses versteht, der nicht abgeschlossen ist. Wobei der wesentliche Antrieb immer das Bemühen um die Wirkungsintensität von Farben ist. Darin gibt sich die 1961 in Freiburg geborene, an der Düsseldorfer Akademie lehrende Malerin als eine Schülerin Gotthard Graubners zu erkennen.

Zu Beginn der neunziger Jahre entwickelt sich bei Grosse eine Phase ihres Werks, in der sie der Kunst Graubners, des „bedeutendsten Koloristen der deutschen Nachkriegsmalerei“ (so der Kunsthistoriker Siegfried Gohr), besonders nahe ist – jedoch den Meister nicht imitierend, vielmehr Eigenständigkeit behauptend, der Energie, der intensiven Ausstrahlung und der Schönheit einzelner Farbtöne und ihrem Zusammenklang nachfragend auf sehr eigene Art. In nebeneinander, vertikal verlaufenden Bahnen werden etwa ein Blau, ein Braun, ein Grün in jeweils ihnen zugewiesenen Segmenten eines Bildes entfaltet – gesondert, wie immer nur ein Farbwert in den monochromen Bildern Graubners, aber zugleich auch mit dem Interesse daran, was das Nebeneinander an Wirkung erzeugt. Sehr ruhige, konzentriert gespannte Bilder sind das. Sie tun gut.

Aber Katharina Grosse kann auch anders. Es ist, als sei sie um 2008 in den Zustand einer wilden Wut geraten: Schluss nun mit Ruhe und Konzentration, Farben werden hemmungslos auf die Leinwände geschleudert, ein wüstes Treiben, sie verströmen beliebig, Pollocks Methode des Dripping wird hier bloß verramscht. Dynamik ist spürbar, das sicher, aber die Kontrolle wird dem spontanen, jähen Gestus leichtfertig geopfert. In Bilder von vor sechs Jahren erscheinen vor brüchig gerasterten Flächen, hingefetzt, gespenstisch zerrissene Gebilde, wie hässliche Horrorvögel. Die neuesten Arbeiten aus dem vorigen und diesem Jahr sind noch zu undeutlich in Absicht und Ausführung, als dass sie schon angemessen zu beurteilen wären. Krise im Atelier? Diese Malerin wird sich zu helfen wissen.

Nur drei Häuser weiter, Museum Lichtentaler Allee 8 (LA8), zuständig für Kunst und Technik des 19.Jahrhunderts, ein Abenteuer noch ganz anderer Art: Zu sehen ist eine Retrospektive auf das Werk von Andreas Achenbach, der 1815 in Kassel geboren wurde und als ein Maler von europäischem Ruhm 1910 in Düsseldorf starb. Die frühe Sonderstellung der Düsseldorfer Kunstakademie, später nur wieder erreicht durch das Wirken von Joseph Beuys, hatte wesentlich zu tun mit Achenbach, der dort als Lehrer mit großem Einfluss tätig war. Sein Lebenswerk als Künstler ist der deutschen Romantik zugehörig, technisch außerordentlich versiert, ist er nicht nur als Maler, sondern auch als Zeichner und nicht zuletzt als politischer Karikaturist sehr produktiv gewesen.

Mitte und Höhepunkt des Oeuvres und der Ausstellung in Baden-Baden aber bilden die maritimen Gemälde. Achenbach brilliert im Genre der Meeres-Malerei vor allem als Katastrophiker. Meistens Sturm auf See und an den Küsten steigende Wasser – da stranden und zerbrechen die großen und kleineren Segelschiffe und Kähne, bezwungen von den Naturgewalten, die Achenbach mit Bravour furios in Szene setzt. Stranden unter Himmeln, die der Maler erfasst hat mit hoher Empfindlichkeit für die wechselnden Stimmungen des Lichts.

Im Katalog sieht Matthias Winzen die Seestücke von Achenbach zurecht in einem Kontext mit Theodore Géricaults „Floß der Medusa“(1818) und Caspar David Friedrichs „Das Eismeer“(1823). Weniger als diese Bilder weisen Achenbachs maritime Desaster über das unmittelbar dargestellte, hochdramatische Geschehen hinaus. Seine Schiffe sind aber so untergegangen wie längst das Genre, das heute tot ist. Nur Daniel Richter hatte sich 2002 dem Thema von Katastrophen auf See noch einmal zugewendet, als er ein kieloben in einem nachtschwarzen Meer treibendes rotes Boot schilderte, an das Menschen sich verzweifelt klammern. Inzwischen allerdings haben andere Medien uns von der elenden Realität Eindrücke vermittelt, die keine gegenständliche Malerei zu erfassen imstande ist.

Museum Frieder Burda, Baden-Baden: Katharina Grosse, bis 9. Oktober.
Museum LA8, Baden-Baden: Andreas Achenbach bis 4. September.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare