Aus Zeiten ohne Mindestabstand: Art Basel Hongkong 2019.
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Aus Zeiten ohne Mindestabstand: Art Basel Hongkong 2019.

Internet

Kunstmarkt: Art im Netz

  • vonIngeborg Ruthe
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Die Coronakrise kann den internationalen Kunstbetrieb nicht lahmlegen, kleinere und mittlere Galerien aber sorgen sich.

Das Internet als Kunstschaufenster: Kreativität, gepaart mit Trotz, das ist der derzeitige Impfstoff, mit dem sich weltweit Galeristen, Messe-und Biennale-Macher, Künstler und ihre Sammlerschaft gegen das Corona-Virus wappnen. Aber kleine und mittlere Galerien und zahllose Künstlerinnen und Künstler bangen um ihre Existenz.

Erstmals fand vor wenigen Tagen eine abgesagte Kunstweltmesse, die Art Basel Hongkong, doch noch statt, nämlich im Internet. Mit 235 Ausstellern. Da wurde flugs das Bild „Die andere Seite vom Ölfleck“ von Georg Baselitz verkauft, ebenso „Splendor in the Grass“ von Mary Weatherford. Der Salzburger Händler Thaddaeus Ropac verkaufte eine Arbeit von Jules de Balincourt 140 000 Dollar. Und schon in den ersten Stunden ging im Viewing Room des amerikanischen Global Player Gagosian von insgesamt zehn Werken sieben weg.

2000 Werke im Wert von 270 Millionen Dollar (250 Millionen Euro) waren im Aufgebot dieser ersten großen Online-Messe der zunächst von der dramatischen Situation frustrierten Branche. Ein hoffnungsvolles Experiment, um zumindest einen Teil der Verluste für die Händler abzumildern. Rund 90 Prozent der angemeldeten Aussteller hatten sich für die kostenlose Online-Teilnahme entschieden. Jede Galerie stellte zehn Werke in ihren identischen virtuellen Messestände aus. Auf der Wand erschienen durch Klicken nach einem Präsentationstext nacheinander die Arbeiten, daneben die Preise.

Das Internet als Kunstschaufenster, das ist ein ganz neuer Weg, der die Kunstwelt in Verbindung hält. Ersetzen aber kann er weder die direkte, sinnliche Anschauung von Kunst, noch den persönlich Kontakt der gesamten Szene.

Auch Auktionshäuser versteigern online, und bestehende Ausstellungen in Galerien und Kunsthäusern sind virtuell erlebbar. Der deutsch-amerikanische Galerist David Zwirner, geboren in Köln und aktiv in London, Paris und New York, gehört zu den Pionieren des online-Verkaufs. Schon 2017 startete er seine Viewing Rooms, mit wachsendem Erfolg. Auf der virtuellen Art Basel Hongkong verkaufte er unter anderem für 2,6 Millionen Euro ein Gemälde der Südafrikanerin Marlene Dumas. 40 Prozent der Verkaufsanfragen kamen von neuen Kunden. Dennoch sehen der Händler und sein Team die virtuellen Angebote nur als Alternative für Sammler, die etwa aus Aspekten des Klimaschutzes nicht mehr von Messe zu Biennale durch die Welt fliegen wollen.

Das Auktionshaus Ketterer in München indes hält viel vom Online-Versteigern. Bereits 90 Prozent seiner Auktionen passiere im Netz, so der Auktionator, das laufe besser als anlog im Saal. Und am besten bei Kunstwerken zwischen 10 000 und 40 000 Euro. Seit sein Haus aufgrund der Corona-Pandemie die Säle schließen musste, konnten deutlich mehr Interessenten für Online-Auktionen gewonnen werden.

Die Kleineren aber bangen

In Krisen, das ist wohlbekannt, gibt es Gewinner und Verlierer. Überall bangen gerade kleine und mittlere Galerien, die keine finanzielle Puffer haben, um ihre Existenz. Sie hoffen inständig auf einen staatlichen Schutzschirm. Laut einer aktuellen Umfrage des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) sind die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf ihre Existenz verheerend. Mehr als die Hälfte der Befragten verlieren demnach mehr als 75 Prozent ihres monatlichen Einkommens. „Über 90 Prozent bekommen bei anhaltenden Infektionsschutzmaßnahmen in Kürze finanzielle Probleme“, heißt es in der Pressemitteilung zur Umfrage.

Fast 90 Prozent der laufenden oder geplanten Ausstellungen, Residenzen und so weiter wurden abgesagt. Jedoch sind Künstlerinnen und Künstler bei über der Hälfte dieser Projekte bereits in finanzielle Vorleistung gegangen. Mehr als die Hälfte aller geplanten Vorhaben wurden nicht verschoben, sondern ersatzlos gestrichen. Soforthilfe, wie es sie in Bayern bereits gibt, könnte mildern.

Kreativität, gepaart mit Trotz, das ist der derzeitige Impfstoff, mit dem sich weltweit Galeristen, Messe-und Biennale-Macher, Künstler und ihre Sammlerschaft gegen das Virus wappnen. Aber kleine und mittlere Galerien und zahllose Kunstschaffende bangen um ihre Existenz. Der Berliner und Leipziger Galerist Judy Lybke von Eigen+Art, der von der Absage der Kunstmesse Art Basel Honkong ebenfalls betroffen ist, hatte seine Koje originalgetreu in den Räumen in der Auguststraße nachgestaltet. Dann schloss er als einer der ersten seine Galerien, um Mitarbeiter und Publikum vor Corona zu schützen.

Obwohl er Malerstars wie Neo Rauch vertritt, zählt er sich nicht zum Teil des Spitzenkunstmarktes und hält die Existenzsorgen vieler Kollegen und Künstler für sehr berechtigt. Den internationalen Kunstmarkt, wie er zuletzt vor der Corona-Krise war, nennt er eine „überreizte Branche“, die die Chance auf einen Neuanfang nötig hat.

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