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Neue Möglichkeiten: Alevtina Kakhidzes Installation "Ich kann ein Mädchen mit blauen Augen sein." (2005).
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Neue Möglichkeiten: Alevtina Kakhidzes Installation "Ich kann ein Mädchen mit blauen Augen sein." (2005).

Postsowjetische Bilder

Kopfstand vor Mauer

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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20 Jahre ohne Mauer, Transformationsprozesse. Zeit zum Vergleichen. "Bewegte Welt - erzählte Zeit" heißt eine Ausstellung in der Akademie der Künste, die postsowjetische Fotos und Videos zeigt. Von Harry Nutt

Transformation ist Aufbruch. In einem buchstäblichen Sinn zeigt das eine Serie des Fotokünstlers Shailo Djeskshenbaev, der die Bauarbeiten rund um das Lenindenkmal in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek dokumentierte. Die alte Asphaltdecke ist aufgebrochen, so dass sich die Passanten ihren Weg durch das unwirtlich aufgetürmte Geröll bahnen müssen. Am Fluchtpunkt des verwüsteten Platzes thront Lenin, aber man weiß nicht mehr, für was er hier noch steht.

Auf einem anderen Bild der Serie hebt eine Frau den Arm, als imitiere sie die heroische Denkmalsfigur. Sieht man genauer hin, stellt sich ihr Arm als Schutz gegen die tief stehende Sonne heraus.

Zeit zum Vergleichen

"Bewegte Welt erzählte Zeit", heißt eine Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg, in der zeitgenössische Fotografie und Videokunst aus Russland, der Ukraine, Weißrussland, Georgien, Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan und Deutschland vorgestellt werden. 20 Jahre ohne Mauer, Transformationsprozesse, Staatszerfall und Staatenbildung. Zeit zum Vergleichen. In der gemeinsam vom Goethe-Institut und der Akademie der Künste organisierten Ausstellung werden Bilder und Bildfolgen von Künstlern präsentiert, die den Epochenwandel in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion thematisieren.

Für die ukrainische Künstlerin Alevtina Kakhidze stellt sich der Systemwechsel als ein Wandel der identitären Optionen dar. "Ich kann ein Mädchen mit blauen Augen sein", heißt ihre Videoinstallation aus dem Jahre 2005, in der sie den Wechsel der Augenfarbe durch das Einsetzen von Kontaktlinsen zugleich als kosmetische Petitesse und als fundamentalen Zugriff auf neue kulturelle Möglichkeiten beschreibt. Ihr Gesicht bleibt ungerührt. Am Ende der Verwandlung schaut ein desillusioniertes Gesicht mit blauen Augen, die vorher braun waren, in die Kamera.

Von spröder Schönheit und hintersinniger Ironie ist die Serie des kirgisischen Künstlers Talgat Asyrankulov mit dem Titel "Ich verneige mich gen Osten". Sie zeigt einen Mann, der vor einer Hinterhofmauer auf einem kleinen Teppich steht. Er hat die Schuhe ausgezogen und trägt einen Bauhelm. Asyrankulov treibt ein Spiel mit religiöser Symbolik in der Umgebung postsozialistischer Tristesse. Der Untergang des sowjetischen Imperiums in der Konfrontation mit der Wiederkehr des Religiösen? Oder zeigt die Serie in vier Bildern bloß einen Mann, der einen Kopfstand vor einer Mauer aufführt?

Geblieben ist die Familie

Die Familien, die der Fotograf Christian Borchert zeigt, haben ihr ganzes Leben in die Waagschale geworfen. Borchert zeigt drei Familien im Abstand von zehn Jahren, in denen sich der Gesellschaftsentwurf radikal verändert hat. Nicht ganz unbeeindruckt dürften Hoffnungen und Ideale aus der Zeit hervorgegangen sein. Geblieben ist indes der familiäre Rückraum als Bindemittel und Ort der Regeneration. Die Ausstellung geht nach ihrer Station in Berlin durch zahlreiche Länder der ehemaligen Sowjetunion. Es wäre interessant zu erfahren, wie die kleine Schau von Ort zu Ort neu gelesen wird.

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