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Galerie Netuschil

Das Kartell der Zeichner

Matthias Beckmann hat für die Galerie Netuschil im Landesmuseum Darmstadt gezeichnet. Von Judith von Sternburg

Dass Zeichnungen flugs festhalten, was gleich fort ist - es ist fort oder man ist fort -, demonstriert jetzt ausgerechnet ein Zyklus zum so naheliegenden und vertrauten Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Dies aber ist in der Tat seit gut zwei Jahren geschlossen, und vor dem Sommer 2011 wird der Großumbau nicht beendet sein.

Die Galerie Netuschil, gleich neben dem Museum gelegen, hatte den reizenden Einfall, kurz vor der Schließung noch den Berliner Künstler Matthias Beckmann durch das Haus zu schicken. Mit seinen Zeichnungen hielt er flugs fest, was zwar seit Jahrzehnten stand, wo es stand, nun aber gleich fort war.

Zarte, aber feste und sichere Bleistiftumrisse umrahmen (als wäre das Innere bereits verschwunden) und halten fest: hier die Überwachungskamera, dort den Leu, hier den Beuys-Stuhl mit Fett, dort den Tierschädel, hier die antike Schöne, dort die eingelegten Reptilien, hier ein Blick in die Graphische Sammlung und dort der ausgestopfte Zoo.

Mitarbeiter und Gekreuzigter

Beckmann hält mit einem Blick für das Kuriose auch den wahrlich flüchtigen Moment des Ausräumens fest. Kabelsalat, die Holzkistengebirge für die Gemälde, ein Museumsmitarbeiter macht sich an einem bereits abgehängten Gekreuzigten zu schaffen. So breitet sich die Darmstädter Wunderkammer, befremdlich und erkennbar, vor dem Betrachter aus.

Nach Hause kann man sie in einem Buch nehmen, das selbst eine Wunderkammer ist und neben Beckmanns Zeichnungen unter anderem eine schöne Erzählung von Christoph Peters enthält. Peters schreibt über einen Mann, der in einem Museum Zeichnungen anfertigen soll. Erdmenger heißt er, und sein Auftraggeber ist eine ominöse Bundeszentralstelle für Dokumentation, "deren Platz im verästelten Gefüge der kommunalen, regionalen und nationalen Kulturträger sich nicht genau bestimmen ließ". Zum leicht Kafkaesken kommt die fabelhafte Vorstellung, die Bundeszentralstelle für Dokumentation gäbe es nicht nur, sondern sie würde auch Künstler beauftragen, in Museen ausführlich zu zeichnen. Wie die Dinge stehen, braucht es dazu aber ambitionierte Galeristen. Bei Netuschil kann man sich nicht nur die Zeichnungen, sondern auch Museumsobjekte anschauen.

Erdmenger bekommt allerdings bei der Erfüllung seines Auftrags Probleme. Wo ist nur das Schreiben von Kulturdezernent Eggenschwiler, die ihm den freien Zugang erlaubt? Später kommt es zu einem dramatischen Zwischenfall mit einem wütenden Fotografen, der technische und nervliche Probleme mit dem "Kartell der Zeichner" hat. Der Sieg des von Amts wegen tätigen Zeichners aber ist total.

Eine skurrile Utopie, von der wir jetzt Anthrazitfarben auf Weiß etwas haben.

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