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Als Ganzes betrachtet.  

Schirn Kunsthalle Frankfurt

Karla Black in der Schirn-Rotunde: Was dazwischen zu liegen scheint

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Karla Black, Meisterin des Zarten, hat für die Frankfurter Schirn-Rotunde diesmal etwas Lastendes geschaffen.

Es ist nicht ganz leicht, das Gebilde, das derzeit die Rotunde vor der Schirn Kunsthalle Frankfurt versperrt, als das zu identifizieren, was es ist: eine Skulptur. Man sieht zunächst vor allem einen die Rotunde komplett ausfüllenden Zellophanbeutel, der mit Klebestreifen in Höhe der ersten Etage befestigt wurde. Der Großteil des Zellophans bildet eine Fläche auf dem Kopfsteinpflaster, die mit Vaseline beschmiert wurde. Darin befinden sich farbige Pudersegmente, bunte Klumpen irgendeiner weichen Masse, Blattgoldfragmente und Glasscherben. Wer das Werk der Künstlerin Karla Black kennt, den wundert das nicht. Sie ist berühmt für diese Materialien; bei den farbigen Elementen handelt es sich oft um Kosmetikprodukte, manchmal auch um Gips, das mit Pigmenten vermischt wurde oder Sprühfarbe.

Leichtigkeit und Poesie

In der Regel bezaubern die Arbeiten der schottischen Künstlerin (Jahrgang 1972) durch ihre Anmut, ihre hauchzarten pudrigen Oberflächen, die gleichwohl intensiv leuchten und Räume zum Glühen bringen können. Die Skulpturen erobern Terrains, indem sie oftmals in große Höhen emporwachsen und überwältigen mit duftigen Farben und knisterleichtem Material. Diesmal ist es ein wenig anders.

Ein Eindruck der Flüchtigkeit.  

Der erste Gedanke, den man unweigerlich hat, ist, dass das Ganze unmöglich drei Monate lang unbeschadet halten kann. Nicht nur, weil die Skulptur so fragil wirkt, sondern auch, weil sie zum Anfassen reizt und sich nicht im geschützten Innenraum befindet. Vielleicht auch deshalb, weil das Objekt zunächst nicht besonders wertvoll erscheint. Und obwohl die nach oben gebogenen Ränder der Zellophanfolie sich überlagern, das Licht brechen, sich im Wind bewegen, ist der Eindruck von Eleganz, den man von Blacks sonstigen Skulpturen kennt, einer, den man sich hier erst erarbeiten muss; er stellt sich nicht von selbst ein. Auch Schönheit und Überwältigung sind Begriffe, die sich in dieser Arbeit – anders als sonst – nicht unmittelbar aufdrängen. Man kann beides darin finden, muss aber erst danach suchen. Aber womöglich ist das genau so gewollt.

Wegweisende Figuren der zeitgenössischen Kunst

Im Interview, das Kuratorin Katharina Dohm mit Black für den Katalog geführt hat, macht sie deutlich, dass sie es als Beleidigung empfindet, wenn ihre Werke als feminin bezeichnet werden, „nur weil man sie als leicht, ephemer, zerbrechlich, zart wahrnimmt“. Tatsächlich haben die meisten dieser Skulpturen „ein sehr großes Format, bestehen aus Tonnen schwerer Materialien, erfordern in ihrer Anfertigung körperliche Kraft und Ausdauer.“ Vielleicht waren es gerade diese Aspekte, die Karla Black hier verdeutlichen wollte, denn der Eindruck des Lastenden, Schweren überwiegt diesmal den der Flüchtigkeit und Transparenz. Was trotz allem schade ist. Vielleicht ging es auch einfach nicht anders, schließlich soll die Arbeit – wie erwähnt – ein Vierteljahr halten.

Lesen Sie hier Über die Arbeiten von Lee Krasner in der Schirn

Nur in einer Reihe kleinerer Arbeiten im Obergeschoss der Rotunde findet sich jene Leichtigkeit und Poesie, die Black zu einer der wegweisenden Figuren der zeitgenössischen Kunst gemacht haben. Steht man dort vor einem mit Abstand an die Wand gepinnten Tüllstoff, auf dem die Künstlerin unterschiedliche cremeartige Substanzen aufgetragen hat, kann sich der Blick schon mal verlieren in Vordergrund, Schattenwurf und dem, was dazwischen zu liegen scheint. Ganze Welten tun sich da auf. Die Vaselinefläche draußen, die Black mit den Händen verschmiert hat, wirkt da vergleichsweise stumpf, der Blick gleitet daran ab, von einem Fleck zum nächsten auf der Suche nach Tiefe, bleibt jedoch meist an der Oberfläche.

Schirn Kunsthalle, Frankfurt: bis 19. Januar 2020. www.schirn.de

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