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John Baldessari, 1931 in Kalifornien geboren, sagte sich 1970 rigoros von traditioneller Malerei los. 

Nachruf Baldessari

John Baldessari: Die Kunst der Lücke

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Zum Tod des Malers der Entschleunigung John Baldessari.

Er stand vor seinen Arbeiten wie einst Sokrates – wegen der Ähnlichkeit mit historischen Porträts – vor seinen Schülern. Damals, im Jahr 2000, fremdelte das Dresdner Kunstpublikum noch ein wenig mit dieser Art von Kunst. Der gebürtige Kalifornier John Baldessari, im internationalen Kunstranking der Maler-, Foto- und Videoarbeiten regelmäßig ganz oben auf der Liste, gab ein Gastspiel im Albertinum, das sich gerade der westlichen Moderne öffnete.

Tatsächlich stellte hier ein Mann aus, der sich schon 1970 radikal verabschiedet hatte von einer traditionellen Malerei, die gerade in Dresden verwurzelt ist. Baldessari warf damals seine alten Bilder ins Feuer. Das war sein Widerspruch gegen den übermächtigen Abstrakten Expressionismus. Was da mit dem physischen Automatismus des „Action painting“ verhandelt wurde, hatte für Baldessari nichts zu tun mit dem 70er-Jahre-Alltag, den er erlebte.

Am Tag nach der Bilderverbrennung konvertierte der Maler zur Fotografie. Aber auch hier arbeitete er gegen die Tradition: Jener unwiederholbare Moment, den Fotoamateure oft verbissen festzuhalten versuchen, war für ihn genauso uninteressant wie der ästhetische oder dokumentarische Anspruch der Profis: Er schoss aus dem fahrenden Auto heraus alltägliche Aufnahmen, fotografierte wie beiläufig Telefonmasten, Tankstellen, Autosalons, Bars, öde Vorstadthäuser. Die Fotos zog er auf Leinwände auf, die er mit Emulsionen lichtempfindlich gemacht hatte und ließ einen Schildermaler Texte über die Motive auftragen. Später kombinierte er triviale Motive aus Illustrierten mit Filmszenen, ergänzte die Aufnahmen mit Farbpunkten auf Gesichtern und Körperteilen: Ironische, kulturkritische Collagen waren das Ergebnis. Und er ließ Lücken in den Bildern, um zu entschleunigen, er fragte: Wie verändert sich ein Bild, wenn Teile entfernt oder überdeckt werden? Er stellte die Funktionsweise künstlerischer Medien in Frage und kommentierte die Gesellschaft dabei ironisch.

Damit prägte er die Konzeptkunst, inspirierte viele Künstler. Nun ist John Baldessari 88-jährig gestorben, hoch geehrt mit dem Goldenen Löwen auf der Biennale Venedig 2009 und 2012 mit dem Goslarer Kaiserring.

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