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Aus dem Band „Ich wünschte“. 

Frankfurt

Ingrid Godon im Museum Angewandte Kunst: Friede, Freude, Erlebnisse

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Die Ausstellung „Ingrid Godon. Ich wünschte“ im Frankfurter Museum Angewandte Kunst.

Irgendwann steht man vor diesem Bild, auf dem ein nicht allzu hübsches Baby gezeichnet ist, und hat das Gefühl, dass man es nicht mehr aushält. Ein penetranter Ton fräst sich direkt unter die Schädeldecke, und jeglicher Blick auf das Bild an der Wand ist kontaminiert. Fieses Baby! Ganz ähnlich war es einem davor schon mit anderen Bildern gegangen: Mutter und Kind liefen in einer Serie durch eine karge Landschaft hin zu einem bunt beleuchteten Platz – als ein Alarmgeräusch plötzlich für einen kräftigen Adrenalinschub sorgte. Nichts wie weg hier. An anderer Stelle hatte man schon nach dem Smartphone gegriffen, das Geräusch klang so ähnlich wie ein Anruf. Tatsächlich ist es nur schwer zu begreifen, dass der seltsame Sound und die zarten, oft ein wenig eigenwillig anmutenden Illustrationen zur selben Veranstaltung gehören.

„Ingrid Godon. Ich wünschte“ ist der Titel der Ausstellung, die jetzt für nur zweieinhalb Wochen im Frankfurter Museum Angewandte Kunst läuft. Wobei: Ausstellung trifft es nicht ganz. Es handelt sich vielmehr um ein Konglomerat einander überlappender Ereignisse: Konzerte, Workshops, Restaurantabende, Performances, Kinovorführungen. Und mittendrin das Werk der belgischen Kinderbuchillustratorin Godon, deren Bilder von ernsten Kindern, traurigen Männern und nachdenklichen Frauen als Ausgangspunkt für Reflexionen zum Thema Wünschen dienen sollen. Nur leider führt die eigens für das Ereignis von d.o.o.r. (Oona Kastner und Dirk Raulf) konzipierte Klanginstallation dazu, dass ein einziger Wunsch dominiert: Der Wunsch nach Stille.

Darüber hinaus darf man in den kommenden Wochen diverse Wünsche realisieren – sofern man gerne Tanzen lernt, ein exzellentes Acht-Gänge-Menü genießen möchte, gepflegt an der Bar sitzen will, Konzerte von teils hochkarätigen Musikern anhören oder ein eigenes T-Shirt bedrucken möchte. Das Museum hat bis 24 Uhr geöffnet. Wer ganz andere Wünsche hat, darf sich im Kreativraum austoben. Das heißt, er darf seine Wünsche zeichnen oder aufschreiben und die Zettel dann an ein Gestell heften. Diese Idee ist natürlich ein alter Hut und wurde von Yoko Ono bereits seit 1981 diverse Male in der Installationsserie „Wish Tree“ realisiert. Gewünscht wird ohnehin meist dasselbe: Friede, Freude, Eierkuchen und dass Opa Franz bald wieder auf die Beine kommt.

Auch Kochen, Workshops oder Konzerte im Ausstellungsraum sind natürlich keine neue Idee. Etwas Vergleichbares wurde von Rirkrit Tiravanija bereits vor knapp zwanzig Jahren im Frankfurter Portikus realisiert. Der Unterschied ist vielleicht der, dass es diesmal ein Motto gibt. Die Veränderung von Missständen fange mit dem Wünschen an, sagte sinngemäß MAK-Direktor Matthias Wagner K bei der Pressekonferenz und hob damit das Event auf ein höheres Level. Es geht demnach also nicht in erster Linie darum, Spaß zu haben, etwas zu erleben oder zu genießen. Man soll, so muss man das wohl verstehen, an diesem Ort Ideen entwickeln, die die Welt ein bisschen besser machen. Das ist auch für eine Kulturveranstaltung – selbst wenn sie wie diese 19 Tage dauert – ein hehrer Anspruch. Dabei wünschen sich die meisten der Besucher doch wohl vor allem eines: einen entspannten Tag, einen lustigen Abend, einen Moment, an dem sie die Sorgen der Welt für ein paar Stunden ignorieren können. Vielleicht sogar 48 Stunden am Stück. So lange dauert die Abschlussperformance mit zahlreichen experimentellen Musikern, die sich mit ihren Instrumenten durch die Räume bewegen und einander per Zufall begegnen. Was die Kinderbuchzeichnungen damit zu tun haben, bleibt allerdings ein Rätsel.

Museum Angewandte Kunst, Frankfurt: bis 15.März. Alle Termine und Preise im Netz unter www.museumangewandtekunst.de

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