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Hase. 2000. 

Frankfurt Galerie Peter Sillem

Hasenaugenblicke

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Die großartigen Tierfotografien von Walter Schels sind in der Frankfurter Galerie Peter Sillem.

Der Fotograf Walter Schels ist „mit Hunden, Katzen und Schweinen großgeworden“, wie er schreibt. „Zu Tieren hatte ich damals eine innige Beziehung, anders als zu den Menschen um mich herum. Das kam erst viel später.“ Diese erste innige Beziehung aber ist geblieben, das sieht man beim Betrachten jeder einzelnen seiner bemerkenswerten Tieraufnahmen: Sie sind so still und aufmerksam, die in schwarz-weiß Porträtierten, sie wirken gelassen, aber nicht in sich gekehrt. Es scheint, als kommunizierten sie mit uns, egal, ob es sich um einen Hasen, ein Schaf, einen Elefanten oder Löwen handelt. Sogar Gans und Huhn werfen ein waches, manchmal möchte man auch meinen ironisches Auge auf den menschlichen Betrachter.

Kaum weiß man in der Galerie Peter Sillem, mitten unter den Fotografien von Walter Schels, ob einen das ausgesprochen klug wirkende Schaf am intensivsten anblickt, oder das einmal gar nicht verniedlichte Kaninchen. Das Schwein, im Profil, scheint zu lächeln. Der Dobermann die Arme hinterm Rücken verschränkt zu haben wie ein gestrenger Polizist.

Die Galerie Peter Sillem, in Frankfurt im Stadtteil Sachsenhausen gelegen, gibt es noch nicht lange. Jahrzehnte war Sillem im S. Fischer Verlag angestellt, zuletzt als Lektor und Programmgeschäftsführer. Zu seinem 50. Geburtstag schenkte er sich selbst, wie er sagt, eine Galerie ausschließlich für Fotografie. In einer Stadt, in der es die große fotografische Sammlung der DZ Bank und der Deutschen Börse gibt, in der Städel und Museum für Moderne Kunst immer wieder prächtige Fotoausstellungen zeigen, in der das Fotografie Forum Schwerpunkte setzt, ist das Interesse an einer reinen Galerie für Fotografie offenbar groß. Sillem jedenfalls ist zufrieden mit der Resonanz, er fährt auf die Messen und streut sein Ausstellungsprogramm weit, was die fotografischen Stile betrifft. Von einem Altmeister wie Walter Schels bis zu jungen Städel-Absolventen.

Schels ist ein gutes Beispiel dafür, wie große Kunst aus einer gewissen Besessenheit heraus entsteht. Die Tierbilder, scharf bis zum letzten Härchen, entstehen in seinem Studio. Und erst einmal nimmt er sich Zeit für seinen jeweiligen Gast. Einmal legte sich Schels eine Stunde lang neben einem Schwein auf den Boden, erzählt Peter Sillem, freundete sich gleichsam mit ihm an. Auch anderen Tieren versucht er mit endloser Geduld die Nervosität zu nehmen. Jede Form von Dressur lehnt er ab. Das Tier soll es selbst sein; das ist dann auch schon der ganze Trick hinter diesen wunderbaren Fotografien.

Auch spezielle Hundebilder Schels’ sind ausgestellt. Sie entstanden im Englischen Garten in München, durch Zufallsbegegnungen und Zufallsbeobachtungen. Und sie entstanden mit einer lächerlich einfachen Lochkamera, die 1976 der Kinder-Zeitschrift „YPS“ beilag und erst zusammengebastelt werden musste. An einem Wintertag, es lag eine dünne Schicht Schnee, steht ein Dalmatiner wie in Tarnfarben im schwarz-weißen Wald, ist ein schwarzer Hund ganz unscharf im Sprung, scheint ein ebenfalls unscharfer Dackel den Fotografen dennoch aufmerksam anzusehen.

Die Serie heißt „YPS“. Eine andere, auf Straßen und Wegen fotografierte, nennt Walter Schels einfach „Hund“. Dabei hat er ein Herz für alle Arten von Hunden, auch für kleine Pinscher, für gern verachtete Pudel. Im Katalog „Hundstage“ erzählt er von einem Mischlingshund aus der Nachbarschaft, ein früherer Straßenhund. Und dass es „ein Vertrauensbeweis“ des Hundes gewesen sei, ihm eine Fotosession zu gewähren.

Vertrauen ist auch ein gutes Wort für das, was die porträtierten Tiere ausstrahlen. Zwar kann man viel hineinlegen in einen Schimpansen- oder Eulenblick. Aber diese Tiere sind sichtlich zur Ruhe gekommen. Sie scheinen einverstanden, dass der Mensch sich ein Bild macht von ihnen.

Galerie Peter Sillem,Frankfurt: bis 23. Februar. galerie-peter-sillem.com

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