Richard Leue, aus "Durchs wilde Kurdistan".
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Richard Leue, aus "Durchs wilde Kurdistan".

Museum für Moderne Kunst

Harte und weiche Linien

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Arbeiten von Lisa Pahlke und Richard Leue: Zwei gegensätzliche Ponto-Stipendiaten stellen im MMK 3 aus.

Es ist eine gute Tradition, dass das Frankfurter Museum für Moderne Kunst alljährlich in seinem Ableger MMK 3 die Stipendiaten der Jürgen-Ponto-Stiftung präsentiert. Umgestellt wurde nach zehn Jahren nun aber das Auswahlverfahren: Musste man sich als junger Künstler früher bewerben, so sieht sich die Jury heute an einer bestimmten Kunsthochschule um. Mit der HfBK Dresden wurde der Anfang gemacht, im nächsten Jahr ist München dran.

Unter den Dresdner Studenten wurden nun Lisa Pahlke, geboren 1987 und Meisterschülerin bei Christian Macktanz, und Richard Leue, geboren 1986 und Meisterschüler bei Carsten Nicolai, ausgesucht. Pahlke arbeitet mit Tusche oder Filzstift auf Papier, in ganz unterschiedlichen Formaten, legt auch mal eine Wellen werfende Papierbahn auf den Boden. Leue favorisiert den Comic als eine Art visuelles Tagebuch. Er hat sein Ponto-Stipendium dafür genutzt, an der Seite des Journalisten Sven Wegner einen Monat in den Nordirak zu reisen. Dieser machte Interviews, Leue zeichnete.

So sind einerseits 38 Blätter entstanden – man kann sie an der Wand lesen wie einen Comic –, hat Leue andererseits einzelne Motive herausgegriffen und sehr großformatig aufgebracht auf Ausstellungswände. Steigt man als Besucherin etwa die Treppe vom Vor- in den Hauptraum hoch, so geht man auf einen schwarz-weiß gemalten, steinernen Unterstand mit geducktem Turm zu, rechts und links rollt sich Stacheldraht. Es ist der Abschnitt einer Frontstellung, auf der anderen Seite, so erklärt Leue, befand sich IS-Gebiet. Ihm kommt es darauf an, dass er sich mit allem im Rahmen dessen bewegt, was er im Nordirak tatsächlich gesehen oder so erzählt bekommen hat. Seine Bilder sind ein Konzentrat, eine Verdichtung. Manchen Personen hat er in seinem Comic eine ganze Seite gegeben, er zoomt heran, er blickt auf die Details, und seien es auch die Hühner in den Straßen.

Lisa Pahlke arbeitet ausschließlich mit gebogenen, gewellten, manchmal geradezu wehenden Linien, die unbestimmte, eigentlich abstrakte Körper bilden. Man könnte aber meinen, die zweidimensionalen Bilder seien dreidimensional, man könnte meinen, in ihnen arbeite, atme und bewege sich was. Bisweilen denkt man an ein Tuch, unter dem aber ein Gegenstand verborgen sein muss, denn wölbt es sich nicht auf? Bisweilen denkt man an eine Landschaftsformation, in der Mitte scheint es einen Bergrutsch gegeben zu haben, fast sieht man es noch rieseln und fließen. Bisweilen fühlt man sich auch an die Maserung von Holz erinnert, an Jahresringe, die eine geheimnisvolle Kraft aber verschoben hat zu Kurven und Biegungen.

Beide jungen Künstler haben versucht, auf den Raum zu reagieren. Pahlke zum Beispiel, indem sie ein Wandende umbaut, von oben bis unten umklebt mit „Randbedingung“. Leue, indem er so großformatig auftrumpft, dass der Betrachter sich idealerweise in einer „Theatersituation“ wähnt. Trotzdem sind ihre Arbeiten so unterschiedlich, dass sie gleichsam auch Abstand zueinander halten.

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