Wolfgang Flatz’ Arbeit „Der Adolf war’s!“, hier 2016 im Verkehrsmuseum in Dresden.
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Wolfgang Flatz’ Arbeit „Der Adolf war’s!“, hier 2016 im Verkehrsmuseum in Dresden.

Hakenkreuz-Haube

Hakenkreuz auf einer Wertarbeit

  • vonIngeborg Ruthe
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Der österreichische Aktionist Wolfgang Flatz und der Zorn der IG-Metaller: Die umstrittene Arbeit „Der Adolf war’s!“, eben erst aus einer Ausstellung im Gewerkschaftshaus von Wolfsburg entfernt, ist jetzt im Kunstmuseum der Stadt zu sehen.

Der Reflex ist so sicher wie das Amen in der Kirche; dieser Stachel sticht noch immer tief ins deutsche Fleisch: Auf der Motorhaube eines alten VW Käfer prangt, überm Schwarz-Rot- Gold, ein Hakenkreuz. „Der Adolf war’s!“, nennt der österreichische Aktionist Wolfgang Flatz sein Reiz-Objekt, mit dem er derart zugespitzt auf die NS-Geschichte des Konzerns anspielt. Dies in Flatz-typischer vereinfachender Stilistik, mit Hang zum Radikal-Trivialen, ganz in der banal-pathetischen Tradition der Wiener Aktionisten oder des Hakenkreuz- und Froschkreuzigungs-Skandalmalers Martin Kippenberger.

Genannte freilich gehören in eine Zeit, in der Kunst noch wirklich wehtat, Künstler sich von der Umschwärmung durch Staat, Establishment und der sich feiern lassenden Mäzene noch nicht so wohlig betäuben ließen. In der Beziehung gibt auch Flatz sich als Anarcho. Vor Tagen hat man seine Nestbeschmutzung aus der stolzen Schau „Deutschland unter der Haube“ im Wolfsburger Gewerkschaftshaus entfernt. Für viele IG-Metaller ist die Installation eine Herabwürdigung der Wertarbeit Abertausender Volkswagen-Werker. Der Künstler hingegen sieht die Ablehnung als Zensur – wider die Freiheit der Kunst. Immerhin hat Flatz sich diese bislang immer genommen. Auch bekommen, egal, wie viel Streit es gab: Zur Erinnerung: 2001 warf er, im Namen des Tierschutzes, eine tote Kuh aus dem Himmel über Berlin, Prenzlauer Berg, ab. Der martialische, theatralische Akt teilte die Gaffer damals hitzig in Fan und Feind.

Es scheint, diese Gemengelage wiederholt sich gerade. Der Wolfsburger Stein des Anstoßes ist ins von der VW-Stiftung getragene Kunstmuseum der Auto-Stadt gerollt. Das renommierte Haus will das Missverständnis um – kritische – Kunst klären helfen, stellt sich auch dem dunklen Punkt der VW-Geschichte. Am Mittwoch lud das Museum zur Pressekonferenz, stellte, zwei Tage vor dem Holocaust-Gedenktag, die unliebsame VW-Haube mit dem Zeichen des – sichtlich unbewältigten – Bösen aus. Und zur Diskussion. Respekt! Es ist wieder Öffentlichkeit hergestellt. Für Kunst, die man sich nicht übers Sofa hängt, die die Geister scheidet, den offenen Umgang mit historischer Wahrheit anstachelt. Flatz sollte von VW einen Auftrag für ein Werk zum Abgas-Skandal bekommen.

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