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Das Namensschild von Cornelius Gurlitt an der Tür zu seinem Haus in Salzburg.
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Das Namensschild von Cornelius Gurlitt an der Tür zu seinem Haus in Salzburg.

Cornelius Gurlitt Raubkunst

Gurlitt offenbar gesprächsbereit

„Freiwillig gebe ich nichts zurück“. Das Zitat von Cornelius Gurlitt stand wie in Stein gemeißelt im Raum. Er wolle alle Bilder aus seiner Sammlung behalten. Jetzt aber scheint der alte Mann etwas einzulenken. Vom Tisch ist der Streit damit aber noch lange nicht.

Der Münchner Kunstsammler Cornelius Gurlitt (81) will nach Angaben seines Anwalts eine „faire und gerechte Lösung“ im Umgang mit möglicher Raubkunst aus seiner spektakulären Sammlung. Was noch einigermaßen unkonkret klingt, ist dennoch ein großer Schritt. Schließlich hatte der alte Mann bislang nur verlauten lassen, er wolle alle seine Bilder behalten. „Freiwillig gebe ich nichts zurück, nein, nein“, sagte er dem „Spiegel“ im vergangenen Jahr. Aber er scheint seine Meinung von damals inzwischen geändert zu haben. „Er ist gewillt, sich die Raubkunst-Klagen genau anzuschauen“, sagt sein Anwalt Hannes Hartung. Die Taskforce betont – wie immer – sie wolle sich zu laufenden Gesprächen nicht äußern.

458 Objekte hat die Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ in Berlin, die von der Bundesregierung und Bayern eingesetzt wurde, um die zuständige Staatsanwaltschaft Augsburg bei der Recherche nach der Herkunft der Kunstwerke aus Gurlitts Wohnung zu unterstützen, inzwischen nach einer ersten Sichtung als mögliche NS-Raubkunst identifiziert und in die Online-Datenbank www.lostart.de eingestellt. Die Herkunft der Werke soll mit Hilfe der Öffentlichkeit geklärt werden.

Doch mit der Gesprächsbereitschaft von Gurlitt allein ist der Streit um seine Bilder noch nicht vom Tisch. Für viele Bilder gebe es keinerlei Anfragen möglicher Erben oder gar konkrete Rückgabeforderungen, betont Gurlitts Anwalt Hartung. Die Bilder seien „pauschal unter Raubkunst-Verdacht gestellt“ worden. „In vielen dieser Werke haben wir keinerlei Hinweise, warum das Raubkunst sein soll.“

Er habe nur wenige Forderungen auf dem Tisch, sagt der Münchner Anwalt. „Es sind lediglich zwei Ordner – und einer davon ist sehr dünn.“ Eine Anfrage betreffe beispielsweise „Die sitzende Frau“ von Henri Matisse, auf die die Erben des Pariser Kunstsammlers Paul Rosenberg Anspruch erheben, gleich mehrere betreffen Max Liebermanns „Reiter am Strand“. „Nur wenige Anfragen beinhalten echte Raubkunst“, sagt Hartung. „Viele beantragen Akteneinsicht, nur wenige verlangen konkrete Restitutionen“.

Und so ist seiner Ansicht nach auch die Zahl der Bilder, die sein Mandant, der im vergangenen Jahr unter Betreuung gestellt und aus gesundheitlichen Gründen in eine Klinik gebracht wurde, zurück erhalten soll, mit rund 300 deutlich zu gering. „Aus unserer Sicht müssen das noch viel mehr Bilder sein.“

Mehr als 1000 Werke

Ermittler hatten die verschollen geglaubte Sammlung von Gurlitts Vater Hildebrand Gurlitt beschlagnahmt, der einer von Adolf Hitlers Kunsthändlern war. Darunter sind Werke von Picasso, Chagall, Matisse, Beckmann und Nolde. Erst im vergangenen Herbst war der spektakuläre Fund mit weit mehr als 1000 Werken publik geworden.

Mehrfach hatten die Behörden nach eigenen Angaben versucht, Gurlitt die Bilder zurückzugeben, die ihm zweifelsfrei gehören. Das sind Bilder, die nach 1945 entstanden sind oder von Mitgliedern der Familie Gurlitt gemalt wurden.

Dass er diese Bilder zurück bekommen soll, ist klar. Nur das Wie macht Probleme. „Die Übergabe regeln wir derzeit“, sagt Hartung. „Man muss die Bilder schließlich an einen zugänglichen und zugleich sicheren Ort bringen, man kann ihm die Sammlung nicht einfach vor die Tür stellen.“

Wie auch immer der Fall weitergeht – ein Gutes hat er schon jetzt: Der Umgang mit Nazi-Raubkunst in Deutschland hat einen festen Platz auf der politischen Agenda bekommen. Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) brachte ein Bundesratsinitiative für eine „Lex Gurlitt“ mit neuen Verjährungsfristen ins Spiel – und die neue Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will die Mittel für die Suche nach NS-Raubkunst verdoppeln.

Der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte sie: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, unsere Aktivitäten zu konzentrieren und neu aufzustellen.“ Deutschland tue schon viel, betonte sie. Die Provenienzforschung sei aber bislang „zu zersplittert“ und damit „öffentlich kaum wahrnehmbar“. (dpa)

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