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Gurlitt und die Folgen

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"Le Mur Rose" von Henri Matisse.
"Le Mur Rose" von Henri Matisse. © Jüdisches Museum

Die Podiumsdiskussion "Gurlitt und die Folgen" des Jüdischen Museums in Frankfurt trifft offensichtlich einen Nerv: Die Veranstaltung am Mittwoch stößt auf riesiges Interesse.

Die Podiumsdiskussion "Gurlitt und die Folgen" des Jüdischen Museums in Frankfurt trifft offensichtlich einen Nerv: Die Veranstaltung am Mittwoch stößt auf riesiges Interesse.

Das Jüdische Museum wurde von dem Interesse regelrecht überrollt. Als die Verantwortlichen eine Diskussion über die Auswirkungen des Falls Gurlitt planten, hofften sie darauf, ihren eigenen Veranstaltungssaal mit maximal 120 Plätzen irgendwie gefüllt zu kriegen.

„Es ist wirklich verblüffend, die Anmeldungen gingen hier im Minutentakt ein“, verrät Museumssprecherin Christine Wern. Mehr als 360 Anmeldungen gibt es für die Podiumsdiskussion am Mittwoch, die deswegen ins Casino der Stadtwerke verlegt wurde. Unter den Anmeldern sind viele Anwälte, Kunstauktionäre und Galeristen. „Offensichtlich erwarten sie sich von der Veranstaltung eine Lösung der Thematik“, glaubt Wern.

Der Kunstfund in der Schwabinger Wohnung von Cornelius Gurlitt hat die Gemüter in der Kunstszene nachhaltig erregt. Wie war es einem Kunsthändler möglich, seine Ware aus der Nazizeit jahrzehntelang aufzubewahren und seinem Sohn zu vererben, ohne dass dies entdeckt wurde? Was sagt das über den Umgang der Bundesrepublik mit NS-Raubkunst in den Jahren nach dem Krieg und welche Schlussfolgerungen sollten daraus gezogen werden? All diese Fragen sollen am Mittwoch erörtert werden.

Das Jüdische Museum besitzt unter den Frankfurter Kunstmuseen eine Sonderstellung. Erst 1988 eröffnet, ist es relativ unverdächtig, NS-Raubkunst in seinem Bestand zu haben. Die Kunsthistorikerin des Museums, Eva Atlan, hat sich trotzdem mit der Problematik befasst. „Die meisten unserer Werke stammen aus Schenkungen, und wir haben damit keine dubiosen Quellen.“

Gleichwohl liegt dem Museum die Provenienzforschung, also das Forschen nach der Herkunft eines Werks, besonders am Herzen. „Wir versuchen immer wieder mit Wechselausstellungen auf die Problematik hinzuweisen“, betont Atlan.

2008 rüttelte das Museum mit der Ausstellung „Raub und Restitution“ auf, aktuell läuft im Museum am Untermainkai die kleine Schau „1938“ über das Jahr, das hinsichtlich der Verfolgung jüdischer Künstler und der Beschlagnahmung ihrer Kunstwerke am einschneidendsten war.

Die Ausstellung skizziert die Schicksale jüdischer Künstler und Kunsthändler und stellt ihnen jeweils einen Profiteur des NS-Regimes gegenüber. Es zeigt aber auch Werke, die erfolgreich restituiert wurden wie „Le Mur Rose“ von Henri Matisse, das dem Frankfurter Unternehmer Harry Fuld gehörte, und das dessen Sohn bei seiner Flucht aus Deutschland zurücklassen musste.

Am vergangenen Samstag hatte sich die neue Kulturstaatsministerin Monika Grütters die Ausstellung angesehen. „Das Jüdische Museum ist ein wichtiger Akteur und Gesprächspartner für uns bei der Herausforderung, Antworten zu finden auf Fragen der Aufarbeitung unserer gemeinsamen Geschichte“, verkündete die Staatsministerin. Einen solchen Beitrag soll auch die viel beachtete Podiumsdiskussion am Mittwoch leisten. (ote)

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