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 Günther Förg, ohne Titel.
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Günther Förg, ohne Titel.

Galerieausstellung

Ein Blinzeln in die dritte Dimension

  • vonSandra Danicke
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Arbeiten des Malers Günther Förg in der Frankfurter Galerie Grässlin.

Im ersten Moment denkt man vielleicht, dass das alles ganz flott auf die Leinwand gepinselt wurde: Flecken, Kürzel, Kritzeleien, die sich rhythmisch über die Bildflächen ziehen. Mal sind es schwarze Zickzacklinien wie man sie vielleicht beim Telefonieren auf einen Notizblock krickelt, mal sind es Gitter oder Flecken mit herablaufenden Schlieren dran oder kurze, knapp gesetzte Pinselstriche, die in einem undefinierbaren Raum schweben.

Je länger man die Bilder betrachtet, die Günther Förg 2008 gemalt hat und die derzeit in der Galerie von Bärbel Grässlin in Frankfurt zu sehen sind, desto mehr scheint in ihnen auf. Schwingungen, Launen liest man heraus, Gleichklang und Dissonanzen zwischen den Elementen. Einmal verweist ein angedeuteter Hintergrund auf eine Steinmauer, man denkt an Graffiti, ein anderes Mal sind mathematische Zeichen zu sehen, man imaginiert eine Schultafel. Auf einem weiteren Bild sind schwarze Striche so angeordnet, dass man an eine Gefängniswand denkt, auf der ein Inhaftierter seine abgesessenen Tage markiert. Doch das sind Ausnahmen.

Vertraut, dann verhuscht

Meist sind die Bilder, die häufig ziemlich klein sind, frei von Verweisen auf Gegenständliches. Ihr Inhalt sind die Möglichkeiten der Malerei: Vielschichtigkeit und Tiefe, Melancholie und Beschwingtheit, Chaos und Ordnung. An Vertrautheit denkt man, wenn man auf einem Bild eine Vielzahl kurzer, breiter Pinselstriche sieht, die in Zweier- oder Dreiergruppen angeordnet sind. Und schon verflüchtigt sich dieser Eindruck wieder, denn es ist doch nur Farbe auf Leinwand. Bisweilen verschwimmen die Acrylfarben auf eine Weise, die geradezu verhuscht anmutet. Dann wieder trumpfen sie auf, als wollten sie sich ins Gehirn brennen.

Interessant ist, dass die Gemälde auf zugeschnittenen Leinwandvierecken gemalt und anschließend auf größere Leinwände geklebt wurden, wodurch ein Rand entstand, der zum Bild gehört und auch wieder nicht, der das Bild in die dritte Dimension hebt und nach einem Augenblinzeln zurück in die Tiefe kippen lässt.

Bereits zu Beginn seiner künstlerischen Karriere hatte Günther Förg, der 1952 in Füssen geboren wurde und 2013 in Freiburg im Breisgau starb, ein besonderes Augenmerk auf die Materialität der Bildträger gelegt, die auch mal aus Blei oder Aluminium bestehen konnten. Statt Farbe verwendete der Künstler zuweilen simple Textilien aus dem Kaufhaus. Fahnenstoffe oder graues Tuch, das normalerweise zur Abdeckung von Särgen dient, wurden bei Förg zu monochromen Flächen, die sich an Galeriewänden zu komplexen Verweisen auf die Kunst der Moderne verwandelten.

Auch in der Ausstellung bei Grässlin, die ganz knapp „Ohne Titel, 2008“ heißt, gibt es Verweise auf die Kunstgeschichte, auf die Quadratbilder von Josef Albers zum Beispiel oder auf die expressiven Gemälde von Cy Twombly. Ohne Scheu erinnert Günther Förg mit diesen Bildern daran, dass seine Kunst nicht im leeren Raum entstanden ist, sondern auf einer stetigen Auseinandersetzung beruht. Bisweilen scheint es, als habe er mit dieser Serie das Vokabular der freien gestischen Malerei auf seine ganz eigene Weise durchexerzieren wollen. So entstanden Gemälde, die in mehrfacher Hinsicht vollkommen frei sind.

Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt: bis 19. Dezember. www.galerie-graesslin.de

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