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Skulptur-Projekte-Gründer Klaus Bußmann ist tot.

Klaus Bußmann

Metropolitaner Geist: Zum Tode  des Museumsmannes Klaus Bußmann

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Klaus Bußmann gründete die Skulpturen Projekte Münster, lotste die Avangarde in die Stadt. Mit 77 Jahren ist der frühere Direktor des LWL-Museums für Kunst und Kultur gestorben.

Klaus Bußmann ist tot. Wenn sein Nachfolger am LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, Hermann Arnhold, betont, Klaus Bußmann habe „das Museum und die gesamte Stadt aufgeweckt“, ist das eine so wenig übertrieben wie das andere.

Klaus Bußmann, 1941 in Aachen geboren, wuchs im zerstörten Münster auf, studierte in der Stadt ebenso wie in Paris. Das Westfälische und das Weltoffene – dieses Spektrum wusste Bußmann spielend zu verkörpern, gerne auch überkreuz. 

Bußmann, der über den Barockarchitekten Wilhelm Ferdinand Lipper promoviert hatte, war von 1968 an Kurator am Westfälischen Landesmuseum, zunächst zuständig für die Mittelalterkunst, von 1974 bis 1977 für die Kunst der Moderne. Das Jahr 1977 wurde für Münster zu einer Zäsur, rief er doch die „Skulptur Projekte“ ins Leben. Gegen selbstgerechte Beharrungskräfte und aggressive Empörung lotste er die Avantgarde nach Münster, Claes Oldenburg, George Rickey, Donald Judd, Per Kirkeby, Jenny Holzer, Ludger Gerdes, Ulrich Rückriem – Münster stieg auf zu einer Metropole der Freiplastik. Die Großtat wiederholte Bußmann, unterstützt durch den Ausstellungsmacher Kasper König, im Zehnjahresrhythmus. Zwischenzeitlich auch, trotz erneut übelster Anfeindungen, durch sein Engagement für eine Plastik des Basken Eduardo Chillida im Rathausinnenhof.

Klaus Bußmann war ein politischer Kopf, seine Fertigkeiten in der Kontroverse waren enorm, seine lässige Eleganz im ästhetischen Diskurs nicht minder. Bußmann war verantwortlich für die große Ausstellung des Europarats über den Westfälischen Frieden von 1648. Er lockte zehntausende Besucher in die Stadt, vor Münsters Landesmuseum stellten sich Schlagen an, neugierig auf die Kunst eines August Macke, Johann Conrad Schlaun oder Chillida. Dass er die Kunstwelt nicht nur von Münster aus beeinflusste, zeigte sich, als er den Deutschen Pavillon auf der Kunstbiennale von Venedig kuratierte und in beiden Fällen den Goldenen Löwen gewann: 1990 mit Hilla und Bernd Becher, 1993 mit Nam June Paik und Hans Haacke. Seinem anspornenden Geist verdanken viele vieles. Klaus Bußmann starb am vergangenen Samstag im Alter von 77 Jahren in Münster.

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