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Toronto war bisher am glücklichsten.
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Toronto war bisher am glücklichsten.

Museum Angewandte Kunst

Das Glück ist gelb

Stefan Sagmeisters schicke, schöne Ausstellung „The Happy Show“ erreicht Frankfurt und stellt das Publikum im Museum Angewandte Kunst vor nicht gerade unangenehme Aufgaben.

Auch dem Glück nützt es, gut auszusehen. Ein Zuckerwürfel-Bau aus einer ungeheuren Zahl von Zuckerwürfeln, ergibt zum Beispiel die Aufforderung „Step up to it“, der in grau-weiß waberndem Licht daliegt. Davor befindet sich ein Rahmen. Wer es nun schafft, beim Durchschauen zu lächeln – nicht zu minimalistisch –, bringt mithilfe eines „Lachdetektors“ die Zuckerwürfel zu glimmender Farbenpracht. Leider sind die Journalisten beim Presserundgang noch nicht recht in Stimmung. Jetzt leuchtet es kurz, jetzt schon nicht mehr. Glück hat nicht direkt mit Fleiß zu tun, aber von nichts kommt nichts. Nebenan kann man auf einem Designer-Rad bei entsprechender Beinarbeit motivierende Sätze an der Wand lesen.

„The Happy Show“ heißt eine Ausstellung des österreichischen Designers Stefan Sagmeister, der in New York eine Agentur betreibt und sich wie fast alle Menschen sehr für das Glück interessiert. Da er alle sieben Jahre ein Jahr reist/nachdenkt/forscht und namentlich seine Glücks-Untersuchungen als Arbeitsprojekt deklarieren konnte – vielleicht, weil er Glück hat, vielleicht aber eher, weil er sein Leben offenbar im Griff hat –, war dieses Interesse bei ihm eindeutig ertragreicher als bei unsereinem. „The Happy Show“ ist nach Stationen in New York, Toronto, Paris und Wien von morgen an im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt (als einziger Deutschland-Station) zu sehen. Auch zieht Sagmeister einen Kaugummi aus dem Automaten Nr. 9, ein gutes Zeichen (s. unten).

„The Happy Show“ ist eine Mitmach-Ausstellung aus dem Geist der unverdrossenen Neugier und des vorbildlichen Designs. Alles drei, das Mitmachen, das Neugierig- und das Vorbildlich-schick/lesbar/ansprechend-Sein, ist dabei so offensiv und ungemein gelb vertreten, dass man ganz entwaffnet ist. Nein, Kunst sei das nicht, sagt der Designer. Auch würde er die Schau lieber außerhalb eines Museums zeigen, „zum Beispiel in einem Arbeitsamt“. Das wäre ein Hammer.

Also drückt man sogleich auf den Knopf am Eingang. Ein gelbes Kärtchen rutscht aus dem Schlitz wie geschmiert und enthält eine kleine, freundliche Anweisung. Ein Stückchen durch die Ausstellung hüpfen. Oder: Eine SMS mit einem Witz an die und die Telefonnummer senden. Das führt zum Handy Sagmeisters, der – weil es 50 unterschiedliche Anweisungen gibt – auf diese Weise in der Fremde mitzählen kann, wie viele Besucher einlaufen (er ist wirklich gut sortiert). Aus Wien, erzählt er, kamen zwanzig Witze, die sich dann immer wiederholten. Wird Frankfurt vielfältiger sein?

Der „Happy Show“-Rundgang bietet Erkenntnisse, die begreiflicherweise nicht direkt über das hinausgehen, was schon auf dem heimischen Sofa diskutiert wurde. Voraussichtlich wird man dennoch ganz Auge und Ohr sein. Dass ab einem Gehalt von 6000 Euro im Monat die Glückskurve nicht mehr nennenswert steigt, ist doch interessant. Man sieht im Film einen alten runden Körper, der natürlich trotzdem schön ist.

Man erfährt, dass Sagmeister gängige Glücksbringer auch selbst probiert hat, Meditation, Sex, Stimmungsaufheller. In kleinen Filmen ist viel los, unter teils reizenden Vorwänden fliegen etwa Gegenstände und Flüssigkeiten aller Art. Es gibt Fotos, die man sich sofort zu Hause aufhängen will. Gewissermaßen ist die „Happy Show“ der Blick in die Arbeitsmappe eines Menschen, dem alles, was er erwägt, zur Gestaltung in Wort und Bild wird. Handschriftliches von Sagmeister ergänzt das Design durch Hinweise und Kommentare, das Analoge ist Prinzip. Auch wer mit Infografiken zu tun hat, kann von hier Mut und Arbeitsfreude zurück ins Büro bringen. Dass man auf einmal solche Wörter verwendet (Mut, Arbeitsfreude), ist ja eigenartig.

Am Ende gilt es, auf einer Skala von 1 bis 10 den eigenen Glückszustand einzuschätzen und aus der Kaugummisäule mit der entsprechenden Nummer eine gelbe Kugel zu ziehen. Und wieso ist alles so gelb hier? Weil Sagmeister die Farbe mag. Gute Begründung, die beste. Seine Lieblingsbonbons liegen zum Mitnehmen aus. „Sina Ginger Candy“. Jetzt befindet das kleine Stück unausgepackt auf dem Schreibtisch. Glück ist ohne eine Spur von Wagemut kaum zu haben.

Museum Angewandte Kunst, Frankfurt: 23. April bis 25. September. www.museumangewandtekunst.de

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