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Petra Gerschner: "History is a work in process", 2009. 13-Kanal-Diainstallation.
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Petra Gerschner: "History is a work in process", 2009. 13-Kanal-Diainstallation.

Venturas erste Ausstellung

Glück auf, Kunstverein

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
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"Gemeinsam in die Zukunft" heißt die erste Schau des neuen Leiters des Frankfurter Kunstvereins Holger Kube Ventura. Der Titel klingt freilich ein wenig lahm, ist aber eher ironisch zu verstehen. Von Sandra Danicke

Den Asiaten würde Herr Löschner schon gerne mal die Meinung sagen. Grundsätzlich hat der Direktor des Nussknackermuseums in Neuhausen nichts gegen die Globalisierung. Die Kubaner zum Beispiel. Wenn die Kubaner Nussknacker herstellten, ließen sie dabei wenigstens eine eigene Handschrift erkennen. Die Asiaten hingegen "kopieren unsere Erzeugnisse".

Herr Löschner hat dazu eine dezidierte Meinung: "Das lehne ich ab, und das verwerfe ich auch." In dem Video "Glück auf, Europa" (1998) schildern diverse Befragte aus den neuen Bundesländern ihre Sorge vor dem Verlust traditioneller Werte. Auch Herr Hartmann Junior vom Freiberger Café Hartmann gesteht freimütig: "Wir wollen keine europäischen Sachen." Nürnberger Lebkuchen beispielsweise sollen in Nürnberg verkauft und genossen werden. Hier, in Freiberg, gebe es Stollen, "das gehört bei uns zur Gemütlichkeit".

Die Videoarbeit der Künstlergruppe Reinigungsgesellschaft ist Bestandteil der Ausstellung "Gemeinsam in die Zukunft", der ersten Schau des neuen Leiters des Frankfurter Kunstvereins Holger Kube Ventura. Der Titel klingt freilich ein wenig lahm, ist aber eher ironisch zu verstehen. "Gemeinsam in die Zukunft" sei eine Floskel aus der Zeit der Wiedervereinigung Deutschlands, erläutert der Kurator, der das "Superwahljahr" und die dadurch anstehende Flut vereinnahmender Parolen zum Thema seiner Antrittsausstellung gemacht hat.

Nur drei Monate Zeit

Knapp drei Monate blieben dem Ausstellungsmacher, der zuvor diverse Jahre in Halle gearbeitet hat, um Idee, Geld und Kunstwerke zusammen zu tragen. Da liegt es nahe, dass Kube Ventura Künstler gewählt hat, mit denen er bereits zuvor gearbeitet hat, wie das Künstlerduo Martin Conrath und Marion Kreißler, die sich mit der Rhetorik politischer Parteien auseinandersetzen. In Frankfurt zeigen sie nun kleine Ausdrucke historischer Wahlplakate und isolierte Slogans, in denen es immer irgendwie um Zukunft, Sicherheit oder Kompetenz geht. Ob man nun "Zukunft wagen" oder "gestalten" möchte, scheint ja konnotativ einen Unterschied zu machen. Unsinn ist aber beides. Bloß: Wussten wir das nicht längst? Und was soll in diesem Zusammenhang das gigantische Banner, auf dem unter anderem das Frank-Schirrmacher-Zitat "Ihre Freiheit ist unsere Niederlage" steht, das man ohne Kenntnis des Zusammenhangs (es geht um das Martin-Walser-Buch "Tod eines Kritikers") gar nicht versteht? Womöglich soll es demonstrieren, inwieweit sich politische Parolensprache schon in anderen Bereichen des Lebens breit gemacht hat, etwa in der Kultur.

Minnelli, Jackson, Thatcher

Nicht nur Politiker verweisen in Dankesreden ja gerne auf ihre Unterstützer (die Partei, die Wähler, die Ehefrau), auch Hollywoodstars nehmen Auszeichnungen nie entgegen, ohne Eltern, Ehepartnern, Fans etc. ausgiebig zu danken. Ob Liza Minnelli oder Barack Obama, Margret Thatcher oder Michael Jackson, die Unterschiede sind marginal. In ihrer Internetplattform "YouPrompt" fordern Caterine und Olaf Val Menschen dazu auf, Reden Prominenter als Karaoke nachzuspielen und so Gefühle wie Macht oder Aufregung selbst zu erfahren. Im Kunstverein erlaubt eine interaktive Installation mit Telepromptern dem Besucher etwa in die Rolle Claudia Roths zu schlüpfen sofern er das entsprechende Selbstbewusstsein aufbringt.

Andernfalls flüchtet er eben in den benachbarten Videoraum und erlebt sein blaues Wunder. Hier wird man von einer Künstlerin namens Effie Wu auf derart unangenehme Weise angelächelt, dass man sich fast die Politiker zurück wünscht. Wu bewegt sich in ihrem Film "Super Smile" durch eine Wohnung, verrichtet alltägliche Dinge, starrt aber gleichzeitig so gespenstisch lächelnd in die Kamera, dass man sich regelrecht belästigt fühlt. Ein Gefühl, das sich auch auf Deutschlands Straßen zum Wahlkampf schon bald wieder einstellen dürfte.

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