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Glühende Frauenbildnisse von Miriam Cahn.
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Glühende Frauenbildnisse von Miriam Cahn.

Museum für Moderne Kunst

Geschenkte Kunst: Was sie sich ausgesucht haben

  • VonSandra Danicke
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Miriam Cahn, Joseph Beuys, Jeff Wall: Das Frankfurter Museum für Moderne Kunst stellt eine herrliche Schenkung der Crespo-Foundation vor.

Wer das Zollamt MMK in Frankfurt betritt, dürfte zunächst ein wenig irritiert sein: Da stehen großformatige Eisbergfotos im Raum. Fotos von Eisbergen sind natürlich per se faszinierend: Riesige Gletscher sieht man da, düstere Höhlen, pudriges Gebirge, glatte und poröse Strukturen. Manchmal herrscht dichter Nebel, mal glitzert die Sonne im Meer. Die Fotos sind wie Skulpturen dreidimensional in den Raum gestellt. Auch das, was darauf zu sehen ist, wirkt skulptural. Es sind Bilder aus Grönland, wie der Titel verrät: „Ulli Crespo Grönland Eiskalt“. Unmittelbar denkt man an faszinierende Landschaften und den Klimawandel. Das ist interessant, schön und relevant, keine Frage. Nur um Kunst scheint es sich dabei nicht zu handeln. Eher um Reisefotografie, was bisweilen ja nur schwer zu unterscheiden ist.

Die Fotografien stammen von Ulrike Crespo, einer Frau, die der Kunst leidenschaftlich zugetan war. Sie entstanden innerhalb weniger Tage bei einer Reise im Jahr 2015. Die Fotografin, die vor zwei Jahren starb, hatte stets eine enge Verbindung zum Frankfurter Museum für Moderne Kunst. Sie war als Förderin aktiv und unterstützte großzügig diverse Neuerwerbungen. Zugleich sammelte sie selbst, ausgiebig, kenntnisreich –, und oft gab es Verbindungen zu den Künstlern des Museums, dem sie nach ihrem Tod eine Reihe von Arbeiten geschenkt hat.

Das Besondere an der Schenkung: Die Verantwortlichen des Museums durften sich die Werke selbst aussuchen. Welche das sind, ist nun in einem kleinen Raum ebenfalls im Zollamt zu sehen. Ein herrliches Konvolut von Joseph-Beuys-Zeichnungen ist darunter, die nun das plastische Werk des Künstlers im Museum hervorragend ergänzen.

Bemerkenswert sind auch drei Gemälde von Miriam Cahn, deren Arbeiten der frühere MMK-Direktor Jean-Christophe Ammann schon früh fürs Museum gesammelt hat – zu einem Zeitpunkt, als die Schweizer Malerin noch kaum bekannt war. Es sind glühende Frauenbildnisse, die den kleinen Ausstellungsraum auf geradezu magische Weise dominieren.

Ein Treppenhaus fürs MMK

Auch das kleine Foto, das der kanadische Künstler Jeff Wall von einem Treppenhaus gemacht hat, fügt sich wunderbar in die MMK-Kollektion. Es handelt sich um ein Recherchefoto für das Werk „Odradek, Taboritska 8, Prag“ von 1994, das ebenfalls ein Treppenhaus zeigt und seinerzeit eigens für das Frankfurter Museum geschaffen wurde.

Bisher nicht in der Sammlung vertreten waren die großartigen Gemälde, die Peter Dreher unter dem Titel „Tag um Tag ist ein guter Tag“ seit 1972 bis zu seinem Tod 2020 zu Tausenden anfertigte und die alle ein leeres Wasserglas auf weißem Tisch vor weißem Hintergrund zeigen. Auf den sechs Bildern, die nun dem MMK gehören, kann man sehen, dass diese hochkonzentriert gemalten Bilder durch die unterschiedlichen Lichtverhältnisse im Detail sehr verschieden sind.

Erstaunlich poetisch muten auch die zwei Blätter an, die die mexikanische Künstlerin Teresa Margolles mit Wasser aus einem Leichenschauhaus tränkte, nachdem damit Leichen nach der Autopsie gewaschen worden sind. Jene, die 2004 die große Ausstellung der Künstlerin im MMK gesehen haben, erinnern sich vermutlich noch daran, mit welcher Intensität die Werke der Künstlerin den Tod umkreisen und dass sie dabei zugleich sanft und brutal erscheinen können.

Als vorläufige Solitäre in der Museumssammlung gelten zwei weitere kleine Bilder des 2014 gestorbenen Ivorers Frédéric Bruly Bouabré und des bereits im Jahr 1972 gestorbenen Serben Illja Bosilj Bašicevic. Beide Künstler zählen zu den so genannten Outsider-Artists und haben auf ihre je eigene Weise berührende Werke geschaffen, die die Sammlung des Museums für Moderne Kunst in eine neue Richtung öffnen.

Zollamt MMK , Frankfurt: Bis 11. April. www.crespo-foundation.de

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