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George W. Bush, Michelle und Barack Obama vor dem Museum.
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George W. Bush, Michelle und Barack Obama vor dem Museum.

Afro-amerikanische Geschichte

George Washingtons Wohlstand

  • Damir Fras
    VonDamir Fras
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Endlich gibt es ein Museum in den USA für afro-amerikanische Geschichte. In der US-Hauptstadt Washington eröffnet Präsident Obama das „National Museum of African American History and Culture“.

Es war 1961, als der afro-amerikanische Schriftsteller James Baldwin in einem Interview seufzte, wer in diesem Land ein Schwarzer sei und einigermaßen bei Sinnen, der sei fast die ganze Zeit wütend. 55 Jahre später haben die Afro-Amerikaner in den USA immer noch genügend Grund, sich dieses Zitats zu erinnern. Polizeiübergriffe gegen Schwarze sind an der Tagesordnung, der Wahlkampf um die Nachfolge von Präsident Barack Obama ist gespickt mit rassistischen Ausfällen. Da ist es mehr als ein Symbol, dass in diese Zeit die Eröffnung des ersten nationalen Museums für afro-amerikanische Geschichte und Kultur fällt.

Glücklicherweise war es der erste schwarze Präsident der USA, der am Wochenende nun das Museum in der Hauptstadt Washington eröffnete. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn sich der Bau des „National Museum of African American History and Culture“ verzögert hätte.

Am Ende wäre es noch Donald Trump gewesen, der die 130 Jahre alte Glocke, nach Washington geschafft aus einer der ältesten schwarzen Kirchen des Landes, zur Eröffnung des Museums geläutet hätte. Doch der Zeitplan hielt. Der Populist, für den das Spiel mit dem Rassismus ein Mittel zum Zweck ist, stand einmal nicht im Mittelpunkt.

100 Jahre sind vergangen, seit eine Gruppe schwarzer Veteranen des US-Bürgerkriegs die Idee hatte, dass der größten Minderheit im weißen Amerika ein museales Denkmal gesetzt werden sollte. Mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar hat der Bau gekostet, der auf der Museumsmeile National Mall in unmittelbarer Nähe zum Washington-Obelisken steht. Nicht weit davon entfernt wird Abraham Lincoln in einem tempelartigen Gebäude geehrt. Die Nähe zu den Denkmälern für den ersten Präsidenten der USA und für den Sklavenbefreier Lincoln signalisiert damit erst recht: Ohne Afro-Amerikaner ist die Geschichte der USA nicht komplett, so sehr sich das manche Anhänger Trumps wünschen mögen.

Der Anteil der Afro-Amerikaner an der Erfolgsgeschichte USA wurde viel zu lange geleugnet. Sklaven wurden beim Bau des Weißen Hauses eingesetzt. Der erste Präsident der USA, George Washington, kam nur deswegen als Farmer zu Wohlstand, weil er wie selbstverständlich Sklaven hielt. Millionen schwarzer Männer und Frauen bauten das Land nach der Katastrophe des Bürgerkrieges wieder auf. Sie kämpften und starben in allen Kriegen des Landes. Ohne Afro-Amerikaner kein Jazz und kein Blues.

Das Rassismus-Problem wurde zu lange geleugnet

Die Geschichte der Schwarzen in den USA ist eine Geschichte der Verleugnung durch die weiße Mehrheitsbevölkerung, aber auch manche Schwarze. „Wir versuchen, fast 400 Jahre unserer Geschichte vor uns selbst zu verstecken, so als würde sie irgendwie verschwinden, wenn wir sie nicht erwähnen“, schreibt der schwarze Kongressabgeordnete John Lewis, der die harte Hand des weißen Gesetzes während der Bürgerrechts-Unruhen in den 60er Jahren schmerzvoll am eigenen Leib gespürt hat. Dabei breche die Geschichte an allen Ecken und Enden des Landes auch heute noch hervor.

Die Probleme zwischen Weißen und Schwarzen wurden viel zu lange geleugnet. Es ist das Museum mit seiner enzyklopädischen Menge an Fotografien, Filmen, Exponaten aus mehr als 400 Jahren afro-amerikanischer Historie, das eindrucksvoll belegt: Die Geschichte zu verleugnen ist keine Lösung, es ist eine Flucht vor der Wahrheit.

Wie der Afro-Amerikaner John Lewis erkennen das inzwischen auch mehr und mehr Weiße. Ein schwarzer Pfarrer hat etwa im kalifornischen Sunnyvale eine Selbsthilfegruppe für „Anonyme Rassisten“ gegründet. Dort versammeln sich Woche um Woche Menschen, die sagen: „Hallo, ich heiße Ron/John/Mike, ich bin ein Rassist.“ So wie sie es bei den Anonymen Alkoholikern machen würden. Pastor Ron Buford, dessen Idee inzwischen in mehreren Dutzend US-Städten kopiert wird, sagt: „Die Anonymen Alkoholiker glauben, man sei für immer ein Alkoholiker. Ich glaube, das trifft auch auf Rassisten zu.“ Bufords Hoffnung ist aber, dass Menschen, die sich des eigenen Hangs zum Rassismus bewusst werden, diesen wenigstens nicht auf ihre Kinder übertragen. So könnte in einigen Generationen das Problem vielleicht verschwinden.

Einstweilen sind die USA aber weit davon entfernt, eine post-rassistische Gesellschaft zu sein. Daran hat auch die offizielle Abschaffung der Rassentrennungsgesetze vor mehr als 50 Jahren nichts geändert. Die Tatsache, dass die Amerikaner im Jahr 2008 einen Schwarzen zum Präsidenten gewählt und 2012 wiedergewählt haben, wird von vielen Weißen aus der Unterschicht als eine Art Betriebsunfall angesehen. Zugleich hat Barack Obamas Wahl ein über Jahrhunderte gepflegtes Überlegenheitsgefühl vieler Weißer erstmals in Frage gestellt. In wenigen Jahrzehnten, so Wissenschaftler, werden Weiße nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung in den USA stellen. Das macht Angst und führt zu Panikreaktionen, wie sich an der Zustimmung für Trump ablesen lässt.

Doch auch viele Schwarze beschweren sich, dass es Obama nicht gelungen ist, ihre Lebenssituation zu verbessern. Die Arbeitslosenquote ist unter Schwarzen zum Beispiel noch immer doppelt so hoch wie unter Weißen. Doch Obama wollte erklärtermaßen Präsident aller Amerikaner sein, nicht nur der Afro-Amerikaner. Außerdem hatte es kein Präsident vor Obama mit einer so brutalen Obstruktionspolitik des republikanisch beherrschten US-Kongresses zu tun. Mehrere Dutzend Mal versuchten die Republikaner zum Beispiel, die Krankenversicherungspläne Obamas zum Scheitern zu bringen.

Hinzu kommt, dass immer mehr Übergriffe weißer Polizisten auf Schwarze öffentlich werden. Mit „Black Lives Matter“ ist eine neue Form der Bürgerrechtsbewegung entstanden, die ebenfalls Eingang in das Museum gefunden hat. Die US-Regierung hat festgestellt, dass der Rassismus in den Polizeitruppen vieler Städte des Landes geradezu institutionalisiert ist. Die Ermordung von Polizisten durch schwarze Täter wie in Dallas oder Baton Rouge hat die Stimmung noch angeheizt, die Populisten wie Donald Trump aufnehmen und für ihre Zwecke nutzen. Trump und gibt seinen vorwiegend weißen Anhängern das Gefühl, er stehe wie kein anderer Kandidat für Recht und Ordnung. Das Recht der Weißen, die Ordnung der Weißen, versteht sich.

Das nationale Museum für afro-amerikanische Geschichte und Kultur kommt spät, aber vielleicht nicht zu spät. Zwar wird sein Einfluss auf die Präsidentschaftswahl am 8. November äußerst gering sein. Denn die Zeit reicht nicht aus, Rassisten nach Washington zu schaffen und ihnen Gelegenheit zu geben, sich zu informieren. Aber die nächste Wahl kommt bestimmt.

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