Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Chunqing Huang: Gerhard Richter, 2016.
+
Chunqing Huang: Gerhard Richter, 2016.

Malerei

Gemälde von Chunqing Huang in Wiesbaden: Im Olymp ist noch viel Platz

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
    schließen

In Wiesbaden zeigt die Malerin Chunqing Huang abstrakte Porträts berühmter Kolleginnen und Kollegen von Ikemura bis Turner.

Schauen, nicht lesen: Lassen Sie den Zettel mit den Bildtiteln erst einmal liegen, wenn Sie durch die von Ulf Erdmann Ziegler klug kuratierte Ausstellung „Painter’s Portrait“ der Malerin Chunqing Huang im Kunsthaus Wiesbaden schlendern. Kurator Ziegler hat auf Nummern und Schildchen an den jeweils gleich großen, aber trotz der Abstraktion völlig unterschiedlichen Ölbildern verzichtet, und das ist eine gute Idee.

In dem großen, hohen Saal hängt so ein wunderbares intellektuelles Ratespiel, wenn man denn die gesondert gelisteten Bildtitel ignoriert (was dem routinierten Museumsgänger zugegebenermaßen schwer fällt, was man aber unbedingt tun sollte).

47 abstrakte Porträts sind hier zu sehen, die die Künstlerin seit 2016 von berühmten Kollegen wie Caspar David Friedrich, August Macke, Henri Rousseau oder Neo Rauch und einigen wenigen Kolleginnen wie Maria Lassnig, Leiko Ikemura oder Marianne von Werefkin gemalt hat. Fünf weitere Porträts sind zeitgleich als „Intervention“ in der bedeutenden Sammlung der Klassischen Moderne des Museums Wiesbaden ausgestellt, eine Viertelstunde zu Fuß von der städtischen Kunsthalle entfernt.

Als erste Chinesin studierte Chunqing Huang - nach einem abgeschlossenen Kunststudium in China - an der Frankfurter Städelschule, als Meisterschülerin von Hermann Nitsch. Seit 2000 lebt sie in Frankfurt, arbeitet in gegenständlicher oder abstrakter Malerei, oft in Zyklen wie der großen Serie schwimmender Menschen, mit der sie vor 20 Jahren bekannt wurde. Besonders subtil in allen Werken ist dabei die Verwendung intensiv leuchtender Farben.

Künstlerische Auseinandersetzungen mit berühmten Bildern sind so alt wie die Kunst(-Geschichte), und die Zahl von Kopien, Variationen und auch Fälschungen berühmter Vorbilder ist Legion. Es läge dabei durchaus eine Gefahr in der Idee einer Reihe wie „Painter’s Portrait“, zu dicht, zu nachahmend am bewunderten Vorbild zu bleiben, es zu imitieren. Chunqin Huang meistert das hingegen souverän - deshalb auch die Empfehlung, erst einmal auf das Studium der Bildtitel zu verzichten.

Was ist unverwechselbar?

Wer könnte porträtiert sein? Was ist das jeweilige Charakteristikum, der Stil, der dem jeweiligen Maler, der jeweiligen Malerin unverwechselbar eigen ist? Die Künstlerin hat es geschafft, sich nicht anzubiedern an die großen (Vor-)Bilder, hat ganz eigene, oft erst auf den zweiten Blick deutliche Zugänge gefunden zu deren Malerei und was deren wesentliche Qualität ausmacht. Interessant ist übrigens, wer in dem künstlerischen Olymp vertreten ist und wer (bisher noch) fehlt, Picasso zum Beispiel, Max Beckmann oder Paula Modersohn-Becker.

Läuft man ein zweites Mal durch die Ausstellung, diesmal dank der ausliegenden Zettel mit den Titeln, bleibt man an vielen Bildern hängen, kommt ins Nachdenken über die Porträtierten, erinnert sich vielleicht an expressionistische Badende, blaue Pferde oder impressionistische Seerosen, an abstrakte Farbkompositionen oder dunstige Meeresküsten. Und das ist eine große Freude.

Auch das Wiesbadener Museum hat der Versuchung widerstanden, Chunqing Huangs Porträts direkt neben die „Vorbilder“ zu hängen - der direkte Vergleich wäre wohl nicht passend, es geht ja ums Werk, nicht um einzelne Werke. So haben die fünf „Interventionen“ eine Wand für sich, sie zeigen sozusagen Hausheilige der Sammlung, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Ernst Wilhelm Nay, Gabriele Münter und natürlich Alexej von Jawlensky, dem das Museum im Herbst eine große Sonderschau widmen wird.

An der Wand gegenüber hängt eines der in Deutschland so raren Werke der Russin Natalija Gontscharowa - von ihr gibt es noch kein Porträt Chunqin Huangs. Aber die Reihe ließe sich ja fast endlos verlängern. Man darf also gespannt sein auf weitere „Painter’s Portraits“.

Kunsthaus Wiesbaden: bis 15. August. Führung mit der Künstlerin: Donnerstag, 8. Juli, 18 Uhr.

Museum Wiesbaden: bis 15. August. museum-wiesbaden.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare