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Zügelpinguine auf einem Eisberg zwischen Zavodovski und Visokoi. Südliche Sandwich Inseln 2009.

Sebastião Salgado in Berlin

Geheiligt werde die Schöpfung

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Erstmals in Deutschland zu sehen: Der Meisterfotograf Sebastião Salgado offenbart seine Genesis im C/O Berlin. Eine Foto-Ode an die verletzliche Schönheit unseres Planeten.

Nun also ist er unter die Evangelisten gegangen. Sebastião Salgado, 71, Welt-Meister unter den sozial engagierten Fotografen unserer Zeit, verkündet mit seinen atemberaubenden Schwarz-Weiß-Motiven von den letzten Natur-Paradiesen unserer Erde, eine Heilslehre im Namen der Genesis des 1. Buchs Mose. Die sieben Tage der Schöpfung sind auf den Fotos: Tag und Nacht, das Himmelsgewölbe, das Wasser und Land trennt, Pflanzen und Tiere entstehen und die Himmelskörper. Und zuletzt: die Menschen. Und am siebten Tag Ruhe.

All das formuliert Salgado mit seiner Kamera als eine so wortgewaltige wie poetische Predigt. Aufnahme für Aufnahme gleicht sie einem inbrünstigen Gebet an und für die Zivilisation, unseren blauen Planeten zu retten.

Die Berliner Fotogalerie C/O ist der erste Ort in Deutschland, der diese 245 Fotos zeigt: Scharf die Hell-dunkel-Kontraste, ruhig die Komposition, klar die in Makro- wie Mikro-Sicht erfassten Strukturen, all die unglaublichen Formen der Natur, von den Vulkanen, Wüsten, den als grandiose „Architekturen“ aufragenden Eisbergen am Nordpol, über die majestätischen, wie von einem bildhauernden Riesen flachgemeißelten Tafelberg-Massive des Grand Canyon bis zu den Menschen und Tieren im Dschungel, am Eismeer, dem Leben in Savannen und Regenwäldern. Und die Pinguin-Kolonien der Antarktis.

Gerade sahen wir in den Kinos „Das Salz der Erde“ – Wim Wenders’ Hommage an den Menschen-Fotografen Salgado. Und wie wir da so bequem in unseren Kinosesseln saßen, traf uns schon dieser empathische, verstörende, berührende Augenzeugenbericht vom Leben und Sterben auf der Welt mitten ins Herz. 40 Jahre lang suchte, las und fotografierte Salgado die Spuren unserer Geschichte auf allen Kontinenten, wurde Zeuge von Konflikten, Krieg, Hunger, Leid. Dabei wurde er immer dünnhäutiger, die eigene Hilflosigkeit angesichts all des Elends machte ihn seelisch krank.

Acht Jahre lang, 32 Fernreisen

„Genesis“ wurde seine Selbst-Therapie, als er 1994 mit seiner Frau Lélia Wanick – sie kuratiert nun auch die Ausstellung – die Agentur Amazonas Images gründete. Dann fotografierte er acht Jahre lang, auf 32 Fernreisen, in klimatischen Extremen, die „letzten Paradiese“. Er machte seine Expeditionen in kleinen Propellerflugzeugen, mit dem Schiff, im Faltkanu, im Fesselballon, zu Fuß.

Die Initialzündung zum Projekt, mit dem er unberührte Orte – 46 Prozent der Landmasse sind noch so wie in der Zeit ihrer Entstehung – aufspürte, war für ihn ein Amazonas-Wiederaufforstungsvorhaben in seiner alten Heimat Brasilien. Und so kehrte er, der in Paris lebt, an den Ursprung zurück. Ein Bild zeigt eine Büffelherde in Afrika auf der großen Wanderung. Über den Tieren reißt der Wolkenhimmel auf, ein Strahlenzelt entsteht, wie auf einem Gemälde der Romantiker.

Seine Foto-Ode an die verletzliche Schönheit unseres Planeten versetzt er mit Glaube, Liebe und der Hoffnung, dieser zerzausten, Flickenkleider tragenden kleinen Tochter der Angst, die sich gegen Gleichgültigkeit wehrt.

C/O Berlin im Amerikahaus : bis 16.August. Katalog (Taschen), 49,99 Euro.

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