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Aus dem Video Back 4 (Detail) von Sandra Kranich im DZ Bank Art Foyer in Frankfurt. Die Ausstellung "Bag Bang" ist bis zum 28. Mai 2016 zu sehen.

DZ Bank Art Foyer

Funken, die Assoziationen schlagen

Knallig, aber doch ganz still: Die staatlich geprüfte Pyrotechnikerin Sandra Kranich zeigt ihre Kunst in Frankfurt im DZ Bank Art Foyer.

Von Martín Steinhagen

Eigentlich müsste es krachen, knallen und nach Pulverdampf riechen. Überall im Art Foyer der DZ Bank in Frankfurt sind schließlich Explosionen zu sehen. Sie sind aber meist auf Fotografien gebannt und damit stillgestellt. Gezündet hat sie die Frankfurter Künstlerin Sandra Kranich.

Zum Beispiel „Bag Bang“: Das Werk, das der Ausstellung den Namen leiht, hängt in einer Serie von fünf Fotografien gleich am Eingang zum Foyer. Die Aufnahmen zeigen aus gleichbleibender Perspektive Szenen einer Explosion: Aus einer Handtasche pufft ein heller Feuerball, dann sprühen Funken, die nach und nach auf einen gepflegten Parkettboden regnen – und am Schluss ist es fast dunkel.

Die großformatigen Abzüge hängen vor einer mit schwarz-weißen Seiten aus einem Katalog von Kranich plakatierten Wand und rufen gleich zu Beginn eines Rundgangs ganz verschiedene Assoziationen hervor: Glitter und Glamour, Disco, Party und Silvester. Fragen von Geschlecht, Gender, Gewalt. Vielleicht sogar Fragen nach dem Werden und Vergehen der Sterne (Stichwort: Big Bang), wie es in der Broschüre zur Ausstellung heißt. Und sicherlich kommen einem auch weniger schöne Bilder in den Kopf: Bomben in Gepäckstücken oder vergessene und dann notgesprengte Koffer (Stichwort: Do not leave your luggage unattended).

Feuerfeste Damentasche

Der Original-Bang-Bag, ein feuerfester Damenhandtaschenabguss, ist in einiger Entfernung von den Fotografien, im erster Stock, auch in der Ausstellung zu sehen. Ringsherum liegen bunte Schnipsel. Die Künstlerin hat sie zur Vernissage unter Applaus aus der Tasche ploppen lassen, wie ein Tischfeuerwerk, was weniger sinistren Deutungen wohl einen Vorteil verschafft.

Die anderen auf Fotografien festgehaltenen Feuerwerksversuchsanordnungen enthalten aber auch beides: Die typische Ästhetik der Überwältigung von Pyrotechnik-Shows (Stichwort: Aaaaah! Ooooh!) oder die Möglichkeit, sie als seltsame wissenschaftliche Experimente oder gar Nachahmung obskurer Rituale zu sehen (Stichwort: Ku Klux Klan). Die Arbeiten spielen vor allem mit Geometrie, wie auch die vier Videos von kleinen Sprengungen, die rückwärts gezeigt werden und die einzige Geräuschkulisse in der Galerie sind.

Die Fotografien, die nicht von der Künstlerin selbst aufgenommen werden, frieren jeweils einzelne Phasen des Feuerwerks ein. Die großen Aufbauten, die darauf zu sehen sind – mal Metallkonstruktionen in Kreis-, Quadrat- oder Dreiecksformen oder ein Haufen silberner Konservendosen – scheinen jeweils die Form zu verändern, wenn große Rauchwolken aufsteigen oder das Licht von hier oder dort blitzt.

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