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Aequilibrium IV, 2019.
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Aequilibrium IV, 2019.

Ausstellung

Fukushima: Der Berg und die Katastrophe

  • Steffen Herrmann
    VonSteffen Herrmann
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Die Frankfurter Galerie Peter Sillem zeigt die Suche des Fotografen Robert Voit nach dem Gleichgewicht Japans.

Das Schöne und das Hässliche und die Fähigkeit, die Nähe zwischen beidem auszuhalten. In Japan, diesem Strich im Pazifik, liegt alles nah beieinander: moderne Technologien, jahrtausende alte Traditionen, Kunst und Kitsch, das Leben und die Vernichtung. Als vor zehn Jahren erst ein Erdbeben, dann ein Tsunami und mehrere Kernschmelzen im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi die japanische Bevölkerung schwer trafen, war das Land bereits ein wichtiger Bezugspunkt im Schaffen des Münchener Fotografen Robert Voit.

Eine enge Beziehung, die sich seither vertieft hat. Denn Voit zog es nach der Dreifachkatastrophe jährlich in das Land, um die Folgen von Fukushima künstlerisch zu dokumentieren. Entstanden sind mehr als 4500 Fotografien, von denen ein kleiner Teil nun in der Frankfurter Galerie Peter Sillem zu sehen ist. Sie machen aber nur die Hälfte der Ausstellung aus. Denn der Fotograf merkte schnell: Etwas war in Schieflage geraten. Um die Balance wiederzuerlangen, stellte er den Bildern aus Fukushima Aufnahmen des Vulkans Fujiyama gegenüber. Dementsprechend lautet der Titel der Ausstellung „Aequilibrium“, Gleichgewicht.

Mit seinen Fuji-Bildern umkreist Robert Voit den höchsten Berg Japans, der sich divenhaft immer wieder in den Wolken verbirgt - ein Spiel aus Verbergen und Enthüllen. Menschen, oder besser: ihre Spuren, liegen im Schatten des alles überragenden Berges.

Spuren von Fukushima

Ganz anders die Fukushima-Aufnahmen. Menschen und Menschliches dominieren die Bilder, selbst wenn sie frei von Menschen sind: Spielzeugeisenbahnen an den Überresten eines Kindergrabes, Säcke voller kontaminierter Erde, leere Parkplätze.

Ausstellung

Galerie Peter Sillem, Frankfurt: bis 8. Mai. Besuch derzeit nur nach Voranmeldung, galerie-peter-sillem.com

Dort also der Berg, scheinbar ruhig, scheinbar zeitlos, hier die Unruhe, die sich in den Spuren einer Katastrophe verbirgt.

Auch die Galerie nimmt das Wechselspiel auf: Während die großformatige Aufnahmen des Vulkans viel Platz einnehmen und jede Fotografie für sich wirken darf, drängen sich die viel kleineren Fukushima-Aufnahmen dicht an dicht auf engem Raum - unterlegt vom nervösen Klicken eines Geigerzählers.

Untitled, 2013.

In der Vergangenheit beschäftigte sich Voit - ein Meisterschüler von Thomas Ruff - häufig mit künstlichen Welten. So dokumentierte er „New Trees“ – Mobilfunkmasten, die als Kiefern, Zypressen oder Kakteen verkleidet sind. Dieser subtile Humor scheint auch in Aequilibrium immer wieder auf.

Vor allem aber bleiben die Gegensätze ambivalent: Ist der Vulkan Fujiyama nicht ein Symbol der ständigen Gefährdung, unter der die Bevölkerung Japans lebt? Zeugt Fukushima nicht auch von der Kraft, neu anzufangen? Manches, so scheint es, liegt eben doch näher als gedacht.

Galerie Peter Sillem, Frankfurt: bis 8. Mai. Besuch derzeit nur nach Voranmeldung, galerie-peter-sillem.com

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