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Yves Sambu: Vanitas project, 2010-2017. Foto: Yves Sambu
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Yves Sambu: Vanitas project, 2010-2017.

Fotografie

Fotografie-Triennale Ray in Frankfurt: Klischee und Freiheit

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
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Ausstellungen im Museum Angewandte Kunst und im Zollamt MMK zum Auftakt der Frankfurter Foto-Triennale Ray.

Nina Simone, die in Montreux einen denkwürdig emotionalen Auftritt hinlegt. Eine schwarze Frau, die in Claude Monets berühmten Gärten im französischen Giverny auf der japanischen Brücke steht. Straßeninterviews mit Schwarzen in Harlem, Josephine Baker, die in einem Vogelkäfig auf der Schaukel sitzt, militärische Drohnenaufnahmen. Flackernde Blätter und Flecken, Schreie, verzerrte Musik. Die Dreikanalprojektion, die Ja’tovia Gary derzeit unter dem Titel „The Giverny Suite“ im Zollamt MMK zeigt, ist eine permanente Überforderung. Experimental-, Spiel- und Dokumentarfilm – alles überlagert sich, passiert mehr oder weniger gleichzeitig, und es dauert, bis man merkt, dass hier tatsächlich alles mit allem zusammenhängt.

Zentrales Thema ist die schwarze Frau – Gary selbst, die immer wieder in den Filmschnipseln auftaucht, Schauspielerinnen, Passantinnen, Sängerinnen. Es geht um ihr Selbstverständnis, um ihren Zusammenhalt, ihren Ort in der Welt und ihr Sicherheitsgefühl, das immer wieder erschüttert wird. Und es geht um unerhörte Tatsachen, wie jene, dass Monets Garten eine Hervorbringung des Exotismus seiner Zeit ist und es gleichzeitig eigenartig ist, darin eine schwarze Frau posieren zu sehen. All diese Aspekte sind gleichzeitig da und nicht da, es kommt nur darauf an, worauf wir den Fokus der Aufmerksamkeit legen.

Gary, die das Filmmaterial manuell bearbeitet hat, hat die Segmente auf eine Weise zusammengesetzt, die harte Brüche, schnelle Schnitte und Flacker-Effekte erzeugt und auf diese Art die Stabilität der Betrachterin und des Betrachters erschüttert. So entsteht ein irritierender Sog, in dem Themen wie Machtmissbrauch, Ausgrenzung und Rassismus anklingen.

Vor allem geht es um Respekt

Die Ausstellung der US-amerikanischen Künstlerin, die 1984 in Dallas geboren wurde, ist ein Bestandteil von Ray, der vierten Foto-Triennale, die das Thema „Ideologien“ hat und derzeit an elf Ausstellungsorten in Frankfurt zu sehen ist. Etwa im Museum Angewandte Kunst, wo es ebenfalls um schwarze Menschen und ihr Selbstverständnis geht. In der Serie „Vanitas Project“ des kongolesischen Künstlers Yves Sambu (geboren 1980) posieren Männer auf einem Friedhof.

Sie tragen luxuriöse Designermarken, die sie zu gewagten, grellbunten Looks kombinieren: Rosenanzug mit elegantem Gehstock, Schottenrock mit chinesischem Papierschirm, Napoleonkostüm mit Print-T-Shirt. Einer trägt eine Goldkrone zum Bademantel. Es handelt sich um Dandys der „La Sape“-Bewegung, Menschen, die ihre Gucci-Logos und Paul-Smith-Etiketten stolz zur Schau tragen und damit dem Klischeebild vom armen Afrikaner auf lustvolle und höchst kreative Weise massiv widersprechen. „Sapeurs“ lieben Mode nicht allein um ihrer selbst willen, ihnen geht es in erster Linie um Respekt vor sich selbst. Sambu will mit seinen Bildern „eine Form des Widerstands gegen jede Unterdrückung“ dokumentieren. „Kurz gesagt, ich prangere in gewisser Weise soziale Ungerechtigkeiten an.“

Ja’Tovia Gary: The Giverny Suite.

Auch die Fotografien der Nigerianerin Yagazie Emezi (geboren 1989) zeigen aufregend gekleidete Menschen, die für die Kamera posieren. Die Serie „The Beauties of West Point“ entstand in einem Township in Liberia, wo die Frauen ihre eigenen Schönheitsstandards ausleben: Sie tragen eine Farbe oder ein Material, weil es ihnen gefällt. Punkt. Wer Rosa gut findet, trägt Rosa, wer blauen Lidschatten mag, benutzt ihn. Es ist ein einfaches, aber radikales Konzept: zu tragen, was man mag, ohne zu überlegen, ob andere Menschen es ästhetisch ansprechend finden – ein demonstrativer Protest gegen global durchgesetzte Schönheitsnormen.

Die Schönheit des schwarzen Körpers spielt auch in den Arbeiten des Südafrikaners Mohau Modisakeng (geboren 1986) eine wichtige Rolle. In dem Film-Loop „Ga bose gangwe“ ist eine Gruppe von schwarzen Männern in weißen Röcken in einer Wiederholungsschleife gefangen. Sie stehen auf, legen sich hin. Doch kurz bevor sie aufrecht stehen, läuft der Film wieder rückwärts. Es geht dabei um das große Versprechen auf Freiheit nach dem Ende der Apartheid, das bis heute nicht vollständig eingelöst wurde.

Mohau Modisakeng: Ga bose gangwe, 2014.

Die Fotoserie „Lefa La Ntate“, die den Künstler selbst inmitten von Kohlehaufen zeigt, setzt sich mit den anhaltenden wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen von Südafrikas Vergangenheit auf die schwarze Bevölkerung auseinander. Insbesondere mit den Folgen der schnellen Industrialisierung und der unerbittlichen Jagd nach Bodenschätzen.

Fotografietriennale Ray in Frankfurt: Zollamt MMK, Laufzeit noch offen. www.mmk-frankfurt.de – Museum Angewandte Kunst, bis 12. September. www.museumangewandtekunst.de Alle Orte und Termine unter Ray2021.de

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