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Eddo Hartmann, Trolley Bus, Somun Street, Pyongyang, 2015.
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Eddo Hartmann, Trolley Bus, Somun Street, Pyongyang, 2015.

Ausstellung

Fotografie-Triennale RAY in Eschborn: Wir haben Waffen

  • Friederike Meier
    VonFriederike Meier
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In der Ausstellung „Us and them“ der Deutsche Börse Photography Foundation in Eschborn gibt es kein „wir“ ohne „die“

Ein Chalet, ein typisches Schweizer Holzhaus, im Hintergrund eine Bergwand. Soweit passt das zum Schweiz-Klischee. Doch das Gras am Hang sieht nicht so grün aus, wie wir es von einem Tourismusprospekt erwarten würden und unter der kleinen Hütte ist der Eingang zu einem Militärbunker zu sehen.

Angeregt durch die Volksinitiative „Gegen Masseneinwanderung“ im Jahr 2014 begann der in Italien geborene Fotograf Salvatore Vitale mit fotografischen Mitteln zu untersuchen, wie die Schweiz „innere Sicherheit“ herstellen will. Teile seiner Serie „How to Secure a Country“ sind im Rahmen der Triennale RAY bei der Deutsche Börse Photography Foundation in Eschborn zu sehen. Die Triennale hat „Ideologien“ zum Thema - die Ausstellung in Eschborn im Gebäude The Cube zeigt unter dem Titel „Us and them“ Gemeinschaften und wie sie sich von anderen abgrenzen.

Gemeinsames Motiv aller vier hier vertretenen Künstler und Künstlerinnen sind Waffen. So sehen wir bei Salvatore Vitale nicht nur versteckte Bunker, sondern auch die Nahaufnahme eines Sturmgewehrs und eine Infografik zum Thema „Schweizer Waffen“, darunter auch ein Taschenmesser und eine Armbrust. Mehrere Bilder beschäftigen sich mit dem Schweizer Réduit, dem Verteidigungssystem in den Schweizer Alpen. Ein Foto zeigt aber auch einen Beamten, der gerade die Fingerabdrücke eines Geflüchteten aufnimmt. Hände in blauen Gummihandschuhen, die einen Finger auf ein Lesegerät drücken.

Der ungarische Fotograf Máté Bartha zeigt in seiner Serie „Kontakt“ aus dem Jahr 2018 Kinder und Jugendliche, die an militärischen Sommercamps teilnehmen. Solche Camps werden von einer NGO organisiert, die übersetzt „Schule für Heimatverteidigung“ heißt. Die Kinder zelten, machen Feuer, wandern, singen – und üben Schießen mit Softair-Waffen. „Kontakt“ hat dabei eine doppelte Bedeutung, denn die Jugendlichen lernen sich untereinander kennen, verlieben sich vielleicht zum ersten Mal, üben aber auch für den Kontakt mit dem Feind.

Ein junges Mädchen mit Gewehr, das uns entschlossen anschaut, eine Gruppe von Jugendlichen in Militärkleidung, die nichts sehen, aber sich gegenseitig festhalten, Mädchen, die die Namen auf einem Kriegerdenkmal mit Filzstiften nachfahren. Der Gedanke, dass dort Kinder mit Waffen üben, sei für ihn sehr unangenehm gewesen, schreibt der Fotograf auf seiner Webseite. Für die Jugendlichen seien die Camps aber auch die „stärkste identitätsstiftende Kraft, etwas, auf das sie wirklich stolz sein können.“

Warum Nordkorea zum Thema Abgrenzung passt, muss nicht erklärt werden. Der niederländische Fotograf Eddo Hartmann konnte zwischen 2014 und 2017 viermal in das vom Rest der Welt abgeschottete Land reisen. Seine Fotografien zeigen überdimensionierte Plätze mit Statuen und Plakaten, Symbolen der Diktatur. Die wenigen Menschen, die auf den Bildern überhaupt zu sehen sind, gehen unter, fallen erst auf den zweiten Blick auf. Menschen stehen nur auf drei Ganzkörperporträts im Mittelpunkt: Eine „Hausfrau“ mit moderner Kleidung, eine lächelnde „Wache“ und eine „Armee-Ausbilderin“ mit Waffe, die herausfordernd in die Kamera blickt. Trotzdem wirken die drei Personen unnahbar, der menschliche Ausdruck geht in der Inszenierung unter.

Paula Markerts Serie „Eine Reise durch Deutschland. Die Mordserie des NSU“ zeigt die Spuren des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ und den gesellschaftlichen Umgang damit. Ein Foto von der Mutter des NSU-Opfers Süleyman Tasköprü, der Tatort in Kassel, der Gerichtssaal während des Prozesses gegen Beate Zschäpe. Es sind die Garagen in Jena zu sehen, in denen 1998 Bomben gefunden wurden. Die Blautöne der Garagen, dahinter Bäume und es ziehen, fast zu passend, dunkle Wolken am Himmel auf. Wir sehen auch den hellen Abdruck auf dem Rasen eines Campingplatzes auf Fehmarn, wo der Wohnwagen des NSU lange gestanden hatte. Waffen sind nicht zu sehen, aber der Rassismus des NSU ist allgegenwärtig.

Fotografie-Triennale RAY in Frankfurt: Deutsche Börse Photography Foundation, The Cube/Eschborn, bis 19. September. Besuch nur mit Führung oder an „Open Saturdays“. Termine: deutscheboersephotographyfoundation.org. Alle Orte und Termine: Ray2021.de

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