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Akinbode Akinbiyi. Aus der Serie „Sea never dry“, Victoria Islan, Lagos, 1999. Foto: Akinbode Akinbiyi.
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Akinbode Akinbiyi. Aus der Serie „Sea never dry“, Victoria Islan, Lagos, 1999.

RAY Triennale

Fotografie Forum Frankfurt: Von weißem Licht beschienen

  • Friederike Meier
    VonFriederike Meier
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Das Fotografie Forum Frankfurt zeigt allgegenwärtige und versteckte Ideologien aus vielen Blickwinkeln.

Kontaktlos Zahlen ist hygienisch“, steht auf dem Snack-Automaten am Frankfurter Hauptbahnhof. Ein Mensch mit Maske geht vorbei zum ICE. Ein Kondomautomat mit der Aufschrift „Fuck Cops“, ein Eintracht-Adler auf einer eingeschlagenen Glasscheibe... Das ist die Stadt Frankfurt, wie sie Akinbode Akinbiyi sieht. Akinbiyi wurde 1946 als Kind nigerianischer Eltern in Großbritannien geboren und lebt seit Jahrzehnten in Deutschland. Die Serie „Frankfurt/Main“ hat er für die Foto-Triennale RAY angefertigt, die in diesem Jahr das Thema „Ideologien“ hat. Im Fotografie Forum Frankfurt ist die Serie zusammen mit den Ergebnissen seiner „Foto-Wanderungen“ in anderen Städten zu sehen. Er zeigt, dass Ideologien den öffentlichen Raum prägen.

Im Afrikanischen Viertel in Berlin posieren weiße Kinder vor einer Afrika-Karte, Kiefernzapfen liegen auf einem verlassenen Minigolfplatz und das Straßenschild der Petersallee ist in Erinnerung an Hendrik Witbooi, einen Anführer im Nama-Aufstand, mit „Witbooi-Allee“ überklebt. Die Serie „Sea Never Dry“ zeigt Menschen am nigerianischen Strand. Weiße Menschen auf Stühlen, ein schwarzer Junge auf einem Pferd. In „Lagos. All roads“ sehen wir das Schild „Urgent Photo here“, Menschen auf der Straße, eine Kirche, Stromleitungen. Akinbode Akinbiyi sammelt auf Schwarz-Weiß-Bildern im 60x60-Format scheinbar unwichtige Details, aus denen sich neue Bilder der Städte ergeben, die er durchwandert. Immer ist auch wichtig, wer sieht und sammelt. Denn unter den abgeblätterten Schichten einer Plakatwand in Frankfurt entdeckt Akinbiyi das Wort „bronzen“ - und denkt dabei an die Benin-Bronzen und koloniale Raubkunst.

Die ebenfalls schwarze Künstlerin Qiana Mestrich, geboren 1977 in den USA, beschäftigt sich in ihrer Serie „Thrall“ nach eigenen Worten mit „weißer Vorherrschaft und Schwarzem Bewusstsein“. Sie fotografierte dafür ihre Kinder mit Natur- und Alltagsmaterialien wie Packpapier, Tierfell oder einer Schnecke. Eine Fotografie zeigt Hühnerknochen, eine Hand, den Schatten von Haaren, eine andere einen Kinderkopf umgeben von Tierfell.

Eine Pandorastatue aus weißem Marmor wird von weißem Licht beschienen, das Foto ist fast vollständig weiß und bezeichnet „Weiß-Sein als einen umfassenden, fast unsichtbaren Druck.“ Mestrich zeigt auch einen Busch, der mit den Haaren einer schwarzen Person behangen ist. Der Titel „Strange Bush“ spielt auf das Lied „Strange Fruit“ an, das durch Billie Holiday bekannt wurde und von Lynchmorden an Schwarzen in den US-Südstaaten erzählt. Die „seltsamen Früchte“ sind in dem Lied die Körper von getöteten Schwarzen.

In „Namesake“ sehen wir verschwommene Farbflecken, schemenhaft sind Köpfe zu erkennen,, beschriftet etwa mit „Qiana M., Geschwindigkeitsüberschreitung“, oder „Qiana A., Mord 2. Grades.“ Mestrich hat dafür die Fahndungsfotos von überwiegend schwarzen und lateinamerikanischen Frauen mit dem Namen Qiana abfotografiert, die sie durch eine Google-Bildersuche entdeckte. „Qiana“ ist ursprünglich eine Wortschöpfung des Chemiekonzerns DuPont, die eigentlich ein Nylon-Polymer bezeichnet, und wurde zu einem beliebten Namen für afroamerikanische Mädchen.

In Johanna Diehls „Eurotopians“ und „das imaginäre Studio“ blicken sich einäugige Architekturmodelle und vieläugige Lautsprecher an. „Eurotopians“ zeigt architektonische Modelle der Utopiker aus den 1960er Jahren - viele im Wald. Im „Imaginären Studio“ stehen Synthesizer, Mischpulte und Rauschgeneratoren in den Elektronischen Studios der Nachkriegszeit. Mit „Cults of Performance“ widmet sich Diehl den Spuren von Ideologien aus der Vergangenheit, denen sie in Litauen begegnete. Ehemals übermalte, wieder freigekratzte Kirchenmalerei, herumstehende Lenin-Büsten, Gebäude aus der Sowjetzeit, die heute als Verkaufsräume genutzt werden.

„Ein ruhiger Tag“ zeigt Rot, Braun, Grau, Weiß, Grün, und Blau, umrahmt von Gold. Es sind die Farben von sechs der insgesamt 73 Kladden, in denen Diehls Großmutter zwischen 1936 und 2009 lückenlos Tagebuch führte. Diehl fand darin aber keine Emotionen, keine Kommentare zum Weltgeschehen, sondern nur Alltägliches. Auch das Weglassen von Ideologie ist Ideologie.

Fotografietriennale Ray in Frankfurt: Fotografie Forum Frankfurt, bis 3. September, Anmeldung unter contact@fffrankfurt.org. Alle Orte und Termine unter Ray2021.de

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