Immer wieder die Versuche, Frauen weiße Kleider zu verkaufen, hier 1946 in New York.
+
Immer wieder die Versuche, Frauen weiße Kleider zu verkaufen, hier 1946 in New York.

Sommermode

Die Farbe Weiß: Bin ich ein Quadrat von Malewitsch?

  • vonIngeborg Ruthe
    schließen

Es gibt gute Gründe, weiß zu tragen: Es ist adrett, künstlerisch hochwertig und hygienisch überzeugend.

Egal wie dieser Sommer noch werden wird und wie viel Lust die Sonne hat zu scheinen – die Modebranche hat für Frauen erneut Weiß als Sommerfarbe ausgemacht: feminin fließende Kleider in Weiß, natürlich rein ökologische Baumwolle, gern mit Rüschen und Spitzen versehen, die Rocklänge züchtig, geheimnisvoll, maxi. Dazu Kombinationen mit kräftigen Farben der Schuhe und Tücher, vielleicht eines knallroten oder leuchtend grünen Bandes am Strohhut. Auf jeden Fall Romantik pur.

Die französischen Impressionisten kultivierten auf ihren Gemälden diesen Stil – Renoir, Sisley, Caillebotte. Manets Frauen saßen in einem entsprechenden Outfit mit Sonnenschirmen in Booten und ließen sich von ihren Kavalieren über die Seine rudern. Ähnliches bei dem schwedischen Impressionisten Anders Zorn. Und in Romanen über Somerset, den schönsten Teil Südenglands, ließ sich Schwermut vergessen, wenn eine junge Frau im weißen Kleid und mit im Wind flatternden bunten Bändern aus dem Cottage hinauslief auf eine Sommerwiese.

Die Farbe Weiß steht in der abendländischen Kultur für Licht, Unschuld, Erleuchtung, Weisheit, auch für das Symbol des Friedens: Die Friedenstaube Picassos ist weiß. Brautkleider meistens auch. Und bei Kapitulationen werden weiße Tücher getragen. Weiß sind die Bettlaken im Krankenhaus, die Kittel der Ärzte und Schwestern stehen für Reinheit und Hygiene.

In etlichen Farbenlehren gilt Weiß als Nichtfarbe. Fantasievoller ist die Bezeichnung von Weiß und Schwarz als „unbunte“ Farben. Konstruktivistische Künstler der Avantgarde wie Malewitsch wollten die „Abwesenheit“ von Farbe. Seine schwarzen und weißen Quadrate (1919) sind heute Ikonen der Moderne.

Ich für meinen Teil bewundere das skandinavische Flair: In schwedischen Filmen und bei Mittsommerfesten sehen Frauen jedes Alters unnachahmlich anmutig aus in ihren weißen Leinenkleidern. Mal sehen, ob sich auch in deutschen Großstädten bald mehr Weiß zeigt. Noch tragen die Frauen aller Figuren eher einfallsloses und universales Schwarz. Ich glaube, das liegt daran, dass Weiß einfach dicker macht.

Kommentare