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Selbstporträt in Uniform, 1915/17.

Ausstellung

In der Farbe leben: Walter Ophey in Düsseldorf

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Der Kunstpalast Düsseldorf macht sich verdient um die erneute Wiederentdeckung des Malers Walter Ophey.

In der Erzählung seines Lebens kommt er früh schon auf Licht und Schatten zu sprechen. Im August 1913, auf 2400 Meter Höhe, folgt er in Saas-Fee in den Schweizer Alpen seinem „Augeneindruck“, nicht ohne von „seligen Stunden“ zu sprechen, seinen Gefühlen also. Malerei als Stimmungsausdruck. Früh schon heißt, dass der Maler 31 ist. Auch stirbt Walter Ophey mit nicht einmal 48, plötzlich, am 11. Januar 1930 an Herzversagen. Der Rheinländer ist zu der Zeit in der deutschen Kunstszene ein Begriff.

In der Selbsterzählung seines Lebens, denn dieser Walter Ophey verfasste gelegentlich autobiographische Skizzen oder Notate, bekannte er sich zur Farbe: „Ich fühle mich in der Farbe am wohlsten.“ In der Farbe leben, nicht nur mit ihr. Das macht jetzt auch eine Ausstellung in Düsseldorf anschaulich, nicht von ungefähr unter dem so naheliegenden wie plakativen Titel „Farbe bekennen“.

Man darf es wiederholen, ja, vielleicht muss man es wiederholen, dass Walter Ophey stark in Vergessenheit geraten ist. Es gibt Kunstfreunde, die sich an ihn erinnern, Kunsthistoriker, Historiker, es gibt Rheinländer, die sich für sein Werk einsetzen, Nachfahren.

Es gibt jetzt den Düsseldorfer Kunstpalast, der Ophey erstmals seit 1991 eine Überblicksausstellung widmet; aus den eigenen Beständen, 170 Gemälden und über 3000 Arbeiten auf Papier, hat Gunda Luyken 120 Exponate ausgewählt, Gemälde, Druckgrafik, dazu einige Skulpturen.

Auch Walter Ophey ging den Weg der um 1880 geborenen Maler, vom Impressionismus über den Pointilismus zum Expressionismus und Kubismus. Ausbildung an der Düsseldorfer Kunstakademie, erste Erfolge, Anerkennungen, versehen mit einem Preisgeld, nicht spektakulär, aber immerhin. Anders als der eine oder andere Malerkollege, der Aufmerksamkeit erzielt, und Aufmerksamkeit ist in der Malerei eine harte Währung, scheint es Ophey nicht so sehr darauf anzulegen. Er malt, schaut sich 1911 um in Paris (Degas!), sieht 1912 in der berühmten Kölner Sonderbundausstellung die 125 präsentierten van Goghs, findet so zu einem Ausdruck, seinem Ausdruck.

Ein Maler der leuchtenden Farben, in der Szene aber, obwohl ein Vermarktungskonzept der Moderne, ist er offenbar nicht grell unterwegs. Publikumsbilder kommen für ihn nicht in Frage, wer es hören will, dem sagt er es auch direkt ins Gesicht. „Ipsination“ war sein Credo, wer es wissen will, dem erklärt er es mit dem lateinischen ipse – „selbst“. Ein selbstdenkender Künstler, ein eigenwilliger Moderner, das war er gewiss.

Die Haare wie greifbar, die Stola pastos aufgetragen, so zeichnet sich vor einem hellen Hintergrund das Porträt der Bernhardine Bornemann im Kostüm ab, seine spätere Frau im Profil. Das Bild, das 1906/1907 entsteht, bildet den Auftakt der Schau, gegenüber einer Reihe von Selbstporträts, wovon eines übertreibt. Es zeigt den Künstler grimmig, mit gefährlichen hervorstehenden Zähnen, einen Menschen zum Gruseln. Nicht unmittelbar neben dem skurrilen Selbstbild, aber an derselben Wand ein Nachtbild.

Solche Darstellungen haben Ophey in einem besonderen Maße fasziniert, der Helldunkel-Effekte wegen. Das eh schon geheimnisvoll unter einem hellen Nachthimmel leuchtende Haus, das robust und nicht etwa vage gegen einen mit blitzenden Einsprengseln versehenen Nachthimmel abstehende Gebäude wird dadurch noch mysteriöser, dass es sich im Teich spiegelt, ungewöhnlich – unwirklich. Dass er seiner Phantasie einen Titel gab, der auf Musik („An Schubert“) anspielte, machte diese umso mirakulöser.           

Ophey hatte mal eine Phase (der Rezeption), da wurde er in die Reihe der rheinischen Expressionisten gestellt, Macke, Nauen, Campendonk. Die Ausstellung stellt die Bedeutung Opheys zur Diskussion, und zu einer solchen Erörterung gehören auch schwache, dekorative Arbeiten.

In seiner „Herbstphantasie“ lodern 1912 schwefelgelbe Flammen gegen einen blauen Himmel auf, in dem sich Wolkenungetüme türmen wie bizarre Wesen. Ungestüm verstreicht er leuchtende Farbflächen, über einen farbigen Teppich erreicht der Besucher ein Kabinett, in dem die Sandbruchlandschaften um Düsseldorf in feinsten Abstufungen von gebrochenem Weiß bis fettem Gelb leuchten lässt. Wie Wanderdünen scheinen die Sandgebirge in Bewegung, die Farben quellen hervor wie Lavaströme, sie sind ein Naturereignis, die Farben.

Sein „Rotes Haus in Monschau“, ist unter kubistischen Aspekten sehr interessant, hochinteressant auch, weil er die kleinstädtische Szenerie durch die berühmte frühbarocke Entdeckung der „scena per angelo“ aufbaute, durch eine Übereckstellung, wie bei einem Bühnenbild. Die Farben sind ein artifizielles Ereignis. Haben sie doch ihren ganz eigenen Wert. Gesichter, die Ophey malt, sind grün, grün wie Galle. Wenn sich Ophey in einer weiteren Phase seines Schaffens technischem Gerät zuwendet, dann Baggern oder Strommasten. Sie stehen schief und krumm in der Welt, weil die expressionistische Welt keine ist, die noch im Lot gewesen wäre, sondern nur noch labil (hier und da, bei Ophey, aber auch ein bisschen lustig). In den Studien, einer Draufsicht aus der Vogelperspektive auf ein Hausgewürfel an der Steilküste von Posetano, zeigt sich weniger eine verblüffend-abstürzende Perspektive als eine Unsicherheit der Hand, ganz erstaunlich.

Die Stillleben, eine Auswahl von wenigen Beispielen, bilden die letzte Station – für den Maler waren sie eine weitere Etappe. Anstelle des farbigen Ungestüms abgetönte Naturfarben, anstelle der Vehemenz des Pinselstrichs eine zarte Lasurtechnik, anstelle der kurz ausgeführten Farbflecken länger geführte Linien. Die Früchte verschmelzen mit ihrem Untergrund. Naturobjekt und Dingwelt scheinen verwachsen. Und die Banane wie geschöpft aus einer hohlen Hand.

Ohne dass diese Bilder religiöse Bildnisse wären, so war Ophey doch ein enorm religiös motivierter Maler. Der brennende Dornbusch steht wie eine lodernd gezackte Blüte, eine beinah blendende Erscheinung. Ein blind machendes Zeichen?

Die Ausstellung macht mit der Japanleidenschaft Opheys vertraut ebenso wie mit dem, was als so deklarierte „Negerkunst“ in Ateliers, Ausstellungen und Aufsätzen künstlerisch en vogue war. Ophey bezog seine Einflüsse aus den unterschiedlichsten Quellen. Am Rande eines Karussells hocken Chagall-Gestalten, seine „Reise aus Ägypten“, na, ja, naive Kunst.

Der Künstler musste nicht mehr mitansehen (und erleben), wie die Nazis ihn als „entartet“ diffamierten. In Düsseldorf haben sie dem Verdrängten einen Schmerzensraum eingerichtet. Nennen wir das Kabinett so, weil es die Darstellung des Gekreuzigten zeigt, einen grellgrün Gemarterten (den Oberkörper wie geröntgt). Gegenüber von diesem Ecce homo ein Selbstporträt, gerahmt von weiteren Arbeiten aus dem Ersten Weltkrieg, Kreidezeichnungen aus einem Lazarett. Der Malende, leicht zurückgelehnt, lehnte sich offensichtlich an ein Selbstbild von van Gogh an. Ebenso offensichtlich, dass dieser Mensch sich selbst als Skeptiker sah.

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