Das Guggenheim Museum in Bilbao.
+
Das Guggenheim Museum in Bilbao.

Guggenheim

Europäisches Solo für Bilbao

  • vonIngeborg Ruthe
    schließen

Vor 20 Jahren zog in die spanische Industriestadt ein spektakuläres Guggenheim-Museum ein.

Weltergreifend, nachgerade imperial ist das Sendungs-und Wirkungsbewusstsein des 1939 gegründeten New Yorker Solomon-R.-Guggenheim-Museums, das Frank Lloyd Wright bis 1959 als legendären Spiralbau errichtete und das sich vor Jahren schon in Las Vegas disneymäßig verdoppelte. Ganz amerikanisch eben.

Anders in Europa: Nur in Venedig – seit 1951 in einem alten Palais am Canal Grande mit dem erlesenen Nachlass von Peggy Guggenheim – und mitten im baskischen Bilbao vermochte die ehrgeizige Instanz hier bisher imageträchtig und profitabel zu agieren. In Bilbao wird jetzt Jubiläum gefeiert. Vor genau 20 Jahren erlebte die bis dahin von Arbeitslosigkeit gezeichnete und vom ETA-Terror gebeutelte einstige Industriestadt ihre Wiedergeburt dank der Kunst. Das von Stadt und Region teuer finanzierte, aber rasch rentable futuristische Guggenheim-Museum des Architekten Frank Gehry, sein Bau aus Glas, Titan und Kalkstein und die darin gezeigte Weltkunst wirken als Magnet. 20 Millionen Besucher dürften es bis Herbst sein, der wirtschaftliche Aufschwung ist enorm. Seither machte der „Guggenheim-Effekt“ weltweit die Runde wie ein Zauberspruch.

Doch der Zauber wirkt nicht überall. Es gab ja auch in Berlin eine Guggenheim-Filiale – von 1997 bis 2012. Seither betreibt die Deutsche Bank in ihren Räumen Unter den Linden den Ausstellungsbetrieb lieber selber. Zu teuer, auch zu untertänigst war für die Deutschen diese Kooperation.

Unlängst fielen auch die hochfliegenden Pläne für einen Guggenheim-Ableger im Hafen von Helsinki endgültig durch. Der Stadtrat erteilte dem – für Finnland – zu teuren Prestigeprojekt, um das es jahrelang heftigen politischen Streit gab, die Absage. Auch Wien, London und St. Petersburg hörten rasch auf, von einer Guggenheim-Tochter zu träumen. Vielleicht gibt es ja bei den Stadtvätern von Hongkong und Rio noch gewisse Traumfetzen, aus denen bislang kein einziger Baustein wurde. Anders in arabischen Gefilden. Dohar/Katar und Abu Dhabi wollen sich Guggenheim-Dependancen und vorsortierte Kunst leisten. Trotz mehrfacher Baustopps. Koste es, was es wolle.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare