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Kathrin Thieles Bilderrätsel

Bis etwas passiert

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Kathrin Thieles gemalte Chroniken eines möglichen Unheils in der Galerie Leuenroth. Von Sylvia Staude

Eines der Bilder von Kathrin Thiele trägt den Titel "Denkmal". Darauf sieht man ein Pferd, das - müde, gelangweilt, trübsinnig? - den Kopf hängen lässt neben einem großen, aufrecht stehenden Körper, einer Art spitzem Hinkelstein. Wie viele kleine Gorgonenhäupter kringelt sich Gras, fast meint man, die Büschel könnten nach den Fesseln des Pferdes schnappen. Und alles ist so grau, als wäre ein Ascheregen niedergegangen. Wenn dies ein Denkmal ist, dann muss es für einen geheimnisvoll abwesenden Cowboy von der traurigen Gestalt sein.

Die Frankfurter Galerie Leuenroth, die vor allem junge Maler des Figurativen zeigt, hat diesmal eine Meisterschülerin von Neo Rauch eingeladen, die 1980 in Wolfen nahe Leipzig geborene Kathrin Thiele. 13 nagelneue, 2008 oder 2009 entstandene Gemälde sind zu sehen, Motto: "Wir hängen in der Luft, Watson". Und in der Tat hängt der Betrachter mit, es ist ein leicht beunruhigender Zustand, wenn man nicht so cool ist wie Sherlock Holmes.

Denn Kathrin Thieles gemaltes Universum ist ein überwiegend dunkles, nächtliches, braun- und graufarbenes - außer, sie legt einmal ein knallrotes Seil über einen schneebedeckten Berggipfel. Aber immer, gerade auch beim "Gipfel" , fragt man sich, was außerhalb der Bildgrenzen lauern mag: Denn etwas, das wie eine menschliche Fußspur aussieht (oder von einem Yeti?), verläuft neben dem roten Seil, verschwindet am Ende, als sei der Verursacher der Spuren unter das Seil gekrochen. Oder "Ruß": Es ist der Blick in einen angekokelten, blauschwarzen Scheunenraum, in der Mitte steht eine Antenne (?), davor hochkant eine Glühbirne. Irgendwer muss diese Dinge da hin getan haben, irgendwer könnte noch seitlich in den Schatten stehen.

So wie auf einem anderen Bild ein Boxring zu warten scheint auf einen Kampf, der möglicherweise nie stattfindet. Und auf wieder einem anderen Luftballons einen Menschen ins Blau tragen, ohne dass dem Betrachter verraten wird, wie weit diese Person vom Boden weg ist, was sich in ihrer Nähe befindet oder ähnliches.

Kathrin Thiele stellt Bilderrätsel. Rätsel, die oft etwas anzukündigen scheinen - ohne dass der Betrachter sich in der Lage fühlt zu entscheiden, was das sein könnte. Vielleicht ein Unheil, vielleicht aber auch eine Banalität. Ein Mädchen in schwarzem Kleidchen und weißen Kniestrümpfen steht an einer Mauer und spielt Ball, aber man sieht es nur von hinten. Auch um seine Füße hat Kathrin Thiele wieder Gras gemalt, das eine seltsame Lebendigkeit hat. Immerhin deuten in diesem Bild zwei Kondensstreifen an, dass das Mädchen nicht ganz allein ist auf der Welt.

Früher hat Kathrin Thiele offenbar vor allem Menschen in Bewegung gemalt, jetzt ist öfter der unheimliche, sich in Schwärze und Ungewissheiten verlierende Raum ihr Thema. "Warten" heißt eines ihrer Bilder von 2006: Ein Mensch, der seinen Jackenkragen hochgeschlagen hat, steht hinter einer trüben Scheibe und schaut nach draußen auf ein Haus. So ähnlich fühlt man sich vor Kathrin Thieles Bildern: Es fröstelt einen ein wenig, aber man hat das Gefühl, man müsse sie so lange betrachten, bis etwas passiert.

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