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"Blaues Pferd" von Johannes Brus.

Johannes Brus

Die Essenz eines Pferdes

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Im Artfoyer der DZ Bank in Frankfurt entfalten Johannes Brus’ stark bearbeitete Fotografien eine mächtige Präsenz.

Eine dunkle, drohende Präsenz ist das „Grüne Nashorn“, nächtliche Schatten scheinen über den Tierkörper zu huschen. Auch der „Tote Elefant“ ist grün, die Oberseite seines Körpers aber leuchtet, als würde sie leicht fluoreszieren, die Unterseite aber verschmilzt schon mit der schwarzen Erde. Dagegen ist das „Blaue Pferd“ von Licht umgeben wie ein Fabelwesen. Es liegt nahe, an Franz Marc zu denken, doch im Vergleich zu seinen freundlich-stolzen Tieren ist Johannes Brus’ gedrungenes Pony eine massive, geradezu mythische Präsenz.

Im Frankfurter Artfoyer der DZ Bank sind überwiegend Themenausstellungen mit Werken unterschiedlicher Künstler aus der schönen Sammlung der Bank zu sehen, diesmal aber ist die Schau dem 1942 geborenen, an der Düsseldorfer Kunstakademie ausgebildeten Johannes Brus gewidmet. Gleich gegenüber vom Eingang läuft ein Video, Brus scheut sich nicht, seine Techniken und seine verschlungenen Wege zu diesen mächtigen Bildern zu erklären – die als Fotografie beginnen und am Ende malerisch wirken.

Auch im Begleitheft beschreibt Brus sein Vorgehen ausführlich: „Fotos scharf oder unscharf abziehen; Flecken entstehen lassen durch unsauberes Arbeiten; Staub drauf fallen lassen und fixieren; (...) lieber schlechten Entwickler benutzen als guten; solarisieren, manipulieren, interpretieren, zweimal belichten und Fotopapier dazwischen verrutschen lassen“. Und am Ende: „Dem Profi stehen die Haare zu Berge; keine gute Reklame für die Brillanz fototechnischer Errungenschaften!“

Sogar von einem Sandwichverfahren und „Wurst oder Käse“ zwischen den Negativen ist die Rede; es handelt sich also um sehr handgreiflich bildnerische Vorgänge – Brus hat Bildhauerei studiert –, die mit der normalen Arbeit eines Fotografen nicht mehr viel zu tun haben. Doch die Tiere – sie sind ein immer wiederkehrendes Motiv in Brus’ Werk – und auch die Menschenporträts sind damit dem Individuellen sowie der Zeit gleichsam entrückt.

Weinrot getönt und vermutlich zwischendurch im Negativ-Verfahren abgezogen, wird der Maharadscha Rahubir Singh Bahadur zur Märchenfigur mit hellen Augen, die statt auf einem Kissen zu sitzen auf einer Wolke schwebt. Hinter dem blauen Maharadscha Tukoji Rao of Indore steht ein weißer Diener, beide scheinen Halbmasken zu tragen, aber das wird ebenfalls an der Foto-Bearbeitung liegen. Auf einem anderen Maharadscha-Bild wird die prächtige Stickerei der Kleidung zur wie von hinten angestrahlten Blumenranke.

Alle diese Bilder bewahren in sich einen Rätsel-Rest, die Frage, warum das Ursprungsbild in welche Richtung verändert wurde, um zuletzt eine bestimmte, stets starke Präsenz zu erreichen. Man ist von diesen Gemälden schier überwältigt, wenn man dicht davor steht.

Von ganz anderer Art ist in der Ausstellung die neunteilige schwarz-weiße Bilderfolge „Die Gurkenparty“ (1972/1999): Salatgurken tanzen auf einem Tisch, dann in der Luft, die Bilder werden blasser, der Tisch kippt und hoppelt nach hinten weg. Die „Gurkenparty“ ist ein gar nicht so ferner Cousin von manchen hinterlistig lustigen Arbeiten des Österreichers Erwin Wurm. Brus wiederum verschweigt nicht, dass Anfang der 70er Jahre, als er studierte, an Düsseldorfs Kunstakademie Interesse an spiritistischer Fotografie geherrscht habe – besonders, wenn die Bilder als Fälschung eindeutig zu erkennen waren. Ein Spaß, eine Spielerei mit der realen Welt vielleicht.

Auch Johannes Brus könnte man als Fälscher bezeichnen, dem die Fotografie als Abbild der Wirklichkeit schnuppe ist. Er nimmt den Ursprungfotografien etwas – meist vor allem die Details und „natürlichen“ Farben –, mehr fügt er ihnen aber hinzu, fügt ihnen Schicht um Schicht hinzu, bis nur noch eine Vorstellung und Essenz von dem Abgebildeten bleiben.

Artfoyer der DZ Bank, Frankfurt: bis 17. Juni. www.dzbank-kunstsammlung.de

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