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Laura Bielau, ohne Titel, 2014-16 aus der Serie: ARBEIT.

Artfoyer der DZ Bank

Erhofftes Leben

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„f/12.2“: Die Kunstsammlung der DZ Bank Frankfurt zeigt die Fotoarbeiten ihrer Stipendiaten.

Wenn wir an „Arbeit“ denken, kommen uns Klopapier, Butterbrot oder ein Knopf wohl nicht sofort in den Sinn. Laura Bilaus Fotografien wirken zunächst gegensätzlich zu dem Titel. Zeigen sie doch weder das Studio, in dem die Küstlerin arbeiten könnte, noch Werkzeuge oder Menschen, die sich abrackern. Stattdessen Kaugummi, eine Zahnbürste, ein liniertes Blatt, den Bund einer Hose oder die Sohlen eines Schuhs, schwarz- weiß und in Großformat aufgenommen. In ihrer Serie setzt die 35-jährige Wahlberlinerin ihre eigenen Arbeitsprozesse ins Bild. Eine Art Dreiecksbeziehung, die Arbeit mit dem Objekt der Darstellung, die Arbeit am Bild und seiner Herstellung und die Arbeit am Porträt derjenigen Menschen, die für die Arbeit wichtig sind.

Alle Bilder haben die gleiche Höhe, die Breite variiert, so verschieben sich die Größenverhältnisse. Das bedeutet, dass etwa die Zahnbürste überdimensional groß erscheint im Gegensatz zu anderen Abbildungen. So wirken die Gegenstände mitunter aus dem Kontext genommen, als hätten sie nun eine neue Aufgabe.

Bilau ist eine der zwei Preisträger des Projektstipendiums, die die DZ Bank Kunstsammlung vergibt. Das Stipendium richtet sich an alle Künstler, die sich mit fotografischen Techniken und Materialien auseinandersetzen. Die Ausstellung „f/12.2“ präsentiert die Arbeiten von Bilau und Bruno Zhu bis zum 18. Februar im Art Foyer der DZ Bank Frankfurt. Fotografiekenner werden wissen, dass der Titel auf eine Blendenzahl des Kameraobjektivs anspielt, auch wenn diese Ziffer nicht existiert. Die Zahlen stehen für die Dauer des Stipendiums, zwölf Monate lang werden zwei Künstler alle zwei Jahre unterstützt.

Die Leiterin der Sammlung, Christina Leber, lobt die Arbeiten der Stipendiaten, vor allem die des 25-jährigen Bruno Zhu. Dabei sind sie auf den ersten Blick schwer zu fassen: Auf zwei Tischen stehen seine Objekte, etwa ein in Originalgröße ausgedruckter Tisch, aufgeklebt auf Hasendraht, zweidimensionale Bilder befördert er so in die dritte Dimension.

Zuhs Projekt beschäftigt sich mit Illusionen von Lifestyle, wie sie etwa in Modemagazinen oder Möbelkatalogen vermittelt werden. Der Konsument kauft meist nicht nur ein Möbelstück, sondern erhofft sich das Leben, das darin versprochen wird. In seiner Arbeit dekonstruiert der Portugiese mit chinesischen Wurzeln nun diese Idee.

Neben Zhu und Bilau zeigt die DZ Bank auch Arbeiten der Künstler der Stipendiaten-Shortlist. Jana Müller verwendet in ihrer Serie „Never Ending Story“ Schwarz-weiß-Aufnahmen von Gerichtsreportern aus den 1950er Jahren. Sie vergrößerte die Fotos von Verurteilten und Angeklagten fast lebensgroß. Diese versuchen ihre Gesichter durch Zeitung, Mäntel und ihre Arme vor den Fotografen zu verstecken. Ergänzt werden die Fotografien durch große Glasplatten, zwischen denen Kleidungsstücke zusammengedrückt liegen. Sie könnten aus der gleichen Zeit stammen, gehörten sie gar den vermeintlichen Verbrechern?

Sie ist widerwillig Modell

Die Porträts von Andrzej Steinbachs Serie „Figur I, Figur II“ lassen einen stutzen. Ist es ein Mann oder eine Frau? Wahrscheinlich letzteres, mit raspelkurzgeschorenen Haaren und Nasenring. Mal schaut sie in die Kamera, mal vorbei, mal sitzt sie mit Springerstiefeln, mal steht sie im Kapuzenpulli. Nur widerwillig scheint sie sich als Modell zur Verfügung zu stellen. Sie posiert zwar für die Kamera, doch nur gezwungen. Ihre Kleidung und Körpersprache verstärken ihre Abneigung.

Oriol Vilanova hat für seine Arbeit „Entre Guillemets“ Postkarten in ganz Europa gesammelt. In Paaren hängen die alten Motive an der Wand. Sie unterscheiden sich durch ihre Farbe, Helligkeit oder Gebrauchsspuren. Ein Esel vor weißgetünchten Wänden, Muscheln, eine antike Figur auf einem Sockel, ein Schloss. Die Rückseiten und somit Adressen und Absender bleiben für den Betrachter unsichtbar. Vilanova möchte zweifach das Klischee thematisieren, einerseits in den Motiven, andererseits spielen die doppelten Karten auf die Verwendung einer Druckplatte an, die im französischen „cliché“ heißt.

Artfoyer, DZ Bank Kunstsammlung, Frankfurt: bis 18. Februar.www.dzbank-kunstsammlung.de

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