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In der Bad Homburger Ausstellung: "Sonnenfinsternis" von Hans Aichinger.

"Kunst über den Wolken" in Bad Homburg

Die Erde, ein Fußball

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Planeten, Sonnen, Nussschalen: Im Bad Homburger Sinclair-Haus blicken Künstler im Kleinen und im Großen „Himmelwärts“.

Beginnt der Himmel bereits da, wo der Boden aufhört? Oder knapp über den Hausdächern? Auf den Bergspitzen? Wo die uns vertraute Atmosphäre ausdünnt? „Wo fängt der Himmel an?“ ist eine Arbeit Maximilian Prüfers betitelt, die mittels der von ihm entwickelten „Naturantypie“ die Abdrücke von Wassertropfen sichtbar macht, unrunde schwarze Monde in feinen Strahlenkränzen. Aus 5, 10, 20, 40, 80, 160 Zentimetern Höhe stürzten die Tropfen jeweils, die Wucht (Größe) der letzten beiden unterscheidet sich kaum noch. Dazu ein Regentropfen aus unbestimmter Höhe, aber offenbar deutlich sanfter fallend. Man denkt an die Rede vom „weichen“ Wasser. Aber wie kann denn das sein?

„Himmelwärts – Kunst über den Wolken“ nennt sich eine Ausstellung im Bad Homburger Sinclair-Haus, die unter vielem anderen das Firmament in eine Nussschale packt („Weltbild“ von Peter Sauerer), wiederverschließbar mittels eines Schnürchens. Die einen roten Mond leise schwanken lässt, so wie das Boot mit der Videokamera schwankte („Dark Cloud“ von Christoph Brech). Die in einen Raum mit planetaren Diskokugeln einlädt, wo einem dann Hunderte von Lichtblitzchen, Sternchen über die Haut huschen, so dass man sie fast zu spüren meint.

Es ist häufig die Sonne – und ihre rare, umso spektakulärere Verschattung im Rahmen einer Sonnenfinsternis –, die die beteiligten Künstler inspiriert hat. Ihr verschiedenfarbiges Leuchten um eine dunkle Mitte hat Douglas Gordon festgehalten. Die Farben freilich entstehen aus unserer Wahrnehmung und den Unzulänglichkeiten des Zeitungsdrucks, denn Gordon griff für „August, 12, 1999“ auf Zeitungsbilder der letzten mitteleuropäischen Sonnenfinsternis zurück.

Robert Longo umgibt auf seiner Kohlezeichnung „Untitled (Solar Eclipse)“ die schwarze Mitte mit im Kontrast geradezu loderndem, glühendem Weiß. Hiroyuki Masuyama hilft seiner Acrylfarben-„Sun“ mittels Leuchtkasten auf die Sprünge, so dass man meint, darin müsste ein veritables Lodern stecken.

Vor allem der Stadtbewohner ist der Größe des Himmels entfremdet wie noch nie, allzu viel (Streu-)Licht umgibt ihn des nachts. Die Bad Homburger Ausstellung holt ihm unter anderem die Milchstraße vor die Nase; und es ist unerheblich, ob Hiroyuki Masuyama sie mittels Leuchtkasten ein wenig feuriger gemacht hat, als sie ist – man weiß, welche unvorstellbare Weite man sieht, hier gleichsam geschrumpft.

Der städtische Mensch vergisst aber auch gern die wahren Größenverhältnisse, da er sich nicht mehr mit einem bloßen Blick nach oben seiner eigenen Winzigkeit vergewissern kann. Demut ist eine altmodische Haltung. Die audiovisuelle Rauminstallation „Home“ von Julia Willms lässt sich auch als ironischer Kommentar darauf lesen: Ein hohes Altbau-Zimmer, ein Fernseher, ein wehender Vorhang vor offenem Fenster – und dann schwebt draußen unsere Erde vorbei, nicht größer als der Fußball, der zuvor über den Parkettboden hüpfte.

Sinclair-Haus, Bad Homburg: bis 14. Februar. www.altana-kulturstiftung.de

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