Die soeben preisgekrönte Karikatur Thomas Plaßmanns.

Karikaturen

Aus einer anderen Perspektive

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
    schließen

FR-Karikaturist Plaßmann hat wieder einen Preis gewonnen.

Wir kennen Merkel und Trump. Aber wer weiß schon, wie der Klimawandel aussieht? Thomas Plaßmann hat sich und uns ein Bild von diesem Phänomen gemacht – und gleich noch deutlich gezeigt, wie sehr die Bedrohung das winzige Klimapaket der Bundesregierung überragt. Eine klare politische Botschaft und eine originelle künstlerische Idee, für die der FR-Karikaturist am Montagabend in Berlin geehrt wurde.

Bei der „Rückblende“, dem Karikaturenpreis der deutschen Zeitungen, erhielt der 59-jährige Zeichner aus Essen in diesem Jahr den zweiten Preis. Den ersten Platz belegte Rolf Henn, der unter dem Künstlernamen LUFF für die „Stuttgarter Zeitung“ und den „Münchner Merkur“ tätig ist. Auf Rang drei folgte Kostas Koufogiorgos („Freie Presse Chemnitz“). Plaßmann kam schon zum fünften Mal unter die ersten Drei, er gewann 2016 den ersten Preis in diesem Wettbewerb und strich im vergangenen Jahr den Publikumspreis ein – im wahrsten Sinn des Wortes. Doch der Zeichner weiß aus Erfahrung, dass manchmal ein zweiter oder dritter Platz mindestens so wertvoll sein kann.

Vor 25 Jahren, im Jahr 1995, hatte die Frankfurter Rundschau einen Karikaturenwettbewerb zum Thema „Europa 2000“ ausgelobt. Die Jury setzte Plaßmann, warum auch immer, nur auf Platz drei. Aber uns gefielen seine Arbeiten besonders gut, und so fragten wir ihn, ob er die FR nicht regelmäßig beliefern wolle. Zum Glück nahm der Zeichner das Angebot an. Die Technik – damals noch Fax, heute Computer – macht es möglich, dass er seine gezeichneten Ideen von seinem Atelier in Essen in die Frankfurter Redaktionsräume beamt.

Plaßmanns Vorgänger bei der FR, der 2013 verstorbene Felix Mussil, hatte häufig die Adenauers, Brandts und Kohls seiner Zeit in Karikaturen auftreten lassen. Plaßmann steht für einen anderen Blick auf Politik. Wenn es um Sparbeschlüsse gehe, könne man zwar den Finanzminister zeigen, „wie er auf seinem dicken Geldsack sitzt und ihn mit Schild und Schwert verteidigt“, sagte der Zeichner einst im Gespräch mit der FR. „Mir würde es aber eher liegen, mal nachzugucken, was das für Konsequenzen für die Betroffenen hat. Also würde bei mir vielleicht der Frühstückstisch einer Hartz-IV-Familie auftauchen. Das finde ich spannender.“ Diese Perspektive gefiel der FR von Anfang an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare