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Herbert Beck, hier als Geschaeftsführer des Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main.
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Herbert Beck, hier als Geschaeftsführer des Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main.

Herbert Beck zum 80.

Ein Gentleman der Kultur

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Herbert Beck, langjähriger Direktor von Städelmuseum und Liebieghaus, wird heute 80.

Männer wie er sind in der Kulturlandschaft durchaus selten geworden. Herbert Beck zeichnet Contenance aus, feine Ironie und dezentes Auftreten. Der studierte Kulturwissenschaftler, Archäologe und Germanist wirkt stets wie der letzte Gentleman seiner Gattung. Über Jahrzehnte stand er an der Spitze von Liebieghaus und Städelmuseum und trug so dazu bei, dass Frankfurt eine Kulturstadt von Weltrang wurde. Am 30. April feiert der gebürtige Hanauer seinen 80. Geburtstag.

Seine große Liebe gehörte früh den Skulpturen des Mittelalters. Er hatte darüber nachgedacht, Pfarrer zu werden. Doch schon im Alter von 28 Jahren erfüllte sich für ihn ein Lebenstraum: Er wurde als Leiter der Skulpturensammlung des Liebieghauses berufen. Bis 2006 blieb er für diesen kulturellen Schatz verantwortlich, eine Wegstrecke von 37 Jahren, wie sie kaum einem Kulturmanager vergönnt ist. Beck veröffentlichte etliche wissenschaftliche Arbeiten zu Skulpturen. Er erweiterte die Sammlung des Liebieghauses um bedeutende Werke, das wichtigste war vielleicht das Alabasterrelief der Dreifaltigkeitsgruppe des Bildhauers Hans Multscher, um 1420 entstanden. Doch Beck verstand sich nie nur als Kulturwissenschaftler. „Ich diene zwei Herren“, so hieß sein Credo, „der Kunst und der Öffentlichkeit.“

Stets war es sein Bestreben, die Häuser, die er führte, für ein breiteres Publikum zu öffnen, sie zu modernisieren, den Menschen die Schwellenangst vor der Kunst zu nehmen. So war es auch, als der Kurator am 1. Oktober 1994 zusätzlich zum Direktor des Städelmuseums ernannt wurde. Auch die Sammlung dieses traditionsreichen Hauses baute er aus, gewann private Sponsoren und Mäzene.

Er warb mit neuen Mitteln

Er mühte sich um neue Formen der Werbung für das Museum, hob Reihen wie „Art after Work“ oder „Art Talk For Families“ aus der Taufe. Prompt eckte er bei einem konservativen Bildungsbürgertum an, das die Nase rümpfte. Der Verein Deutsche Sprache verlieh dem Direktor im Jahre 2005 gar den wenig schmeichelhaften Titel „Sprachpantscher des Jahres“.

Beck focht das nicht an. Er ging unbeirrt seinen Weg. Er machte sich keine Illusionen. Bei unseren Begegnungen im Laufe der Jahrzehnte ließ er oft Distanz zum Politikbetrieb erkennen. Einmal sagte er über den Frankfurter Römer: „Die Prozesse sind bisweilen umständlich, kleinkariert, einfallslos und menschelnd.“ Nach seinem Ausscheiden bei Städelmuseum und Liebieghaus übernahm er im Jahre 2008 eine heikle und schwierige Position: Er wurde Gründungs-Geschäftsführer des neuen Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main. Das heißt, er versuchte, die politischen Egoismen der Städte und Kreise der Region zu einem gemeinsamen Erfolg zu bändigen.

Ein mühsamer, anstrengender Prozess. Doch Beck verfügt jenseits seines verbindlichen Auftretens über einen eisernen Willen. Und so gelang es ihm, die Region unter kulturellen Themen zu vereinen. Große Erfolge wurden etwa „Phänomen Expressionismus“ (2009/2010) mit Kirchner-Ausstellungen und einer Aufführung der restaurierten Fassung des Stummfilm-Klassikers „Metropolis“ in der Alten Oper oder „Impuls Romantik“ in den Jahren 2012 bis 2014.

Herbert Beck kämpfte auch für eine Bewerbung von Frankfurt und Rhein-Main um den Titel der europäischen Kulturhauptstadt und musste enttäuscht erleben, wie dieses Ziel im politischen Klein-Klein zerrieben wurde. Er kann dennoch stolz sein auf seine Lebensleistung im Dienste der Kultur. Doch Stolz ist keine Kategorie für den belesenen Bürger, der die Romane von Thomas Mann liebt.

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