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documenta 15: Claudia Roth begrüßt Rücktritt von Sabine Schormann

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Von: Lisa Berins

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documenta fifteen in Kassel
Sabine Schormann, Generaldirektorin der documenta fifteen und des Museums Fridericianum, hat ihren Vertrag aufgelöst. (Archivfoto) © Swen Pförtner/dpa

In Kassel tritt die documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann nach dem Antisemitismus-Eklat zurück. Kulturstaatsministerin Roth begrüßt die Entscheidung.

Frankfurt/Kassel – Die Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat die Entscheidung des Aufsichtsrats, sich von Sabine Schormann als Generaldirektorin der documenta zu trennen, begrüßt. Gegenüber der Frankfurter Rundschau sagte sie am Samstag (16. Juli): „Es ist richtig und notwendig, dass nun die Aufarbeitung erfolgen kann, wie es zur Ausstellung antisemitischer Bildsprache kommen konnte, sowie die nötigen Konsequenzen für die Kunstaustellung zu ziehen.“

Sie bedanke sich insbesondere bei dem Aufsichtsratsvorsitzenden, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), und der stellvertretenden Vorsitzenden, Kunstministerin Angela Dorn (Grüne). Der Aufsichtsrat der documenta hatte am Freitagabend (15. Juli) bis spät in die Nacht beraten.

documenta in Kassel: Vertrag mit Schormann aufgelöst

Am Samstagnachmittag wurde mitgeteilt, dass der Aufsichtsrat, die Gesellschafter und Generaldirektorin Sabine Schormann sich einvernehmlich darauf verständigt hatten, Schormanns Geschäftsführerdienstvertrag kurzfristig aufzulösen. Zunächst werde eine Interimsnachfolge angestrebt, hieß es in einer Mitteilung des Aufsichtsrates.

Kulturstaatsministerin Roth (Grüne) begrüßte es außerdem, dass die beiden Gesellschafter – die Stadt Kassel und das Land Hessen – sich bei der Aufarbeitung des Antisemitismus-Skandals auf der documenta von einer fachwissenschaftlichen Begleitung beraten ließen, die Expertise und Bewertungen aus unterschiedlichen Perspektiven einbringen kann, und auch Strukturen und Verantwortlichkeiten bei der documenta überprüfen lassen wollen, wie sie der Frankfurter Rundschau sagte.

„Das sind erste wichtige Schritte in Richtung einer notwendigen Neuaufstellung dieses so wichtigen Fixpunktes für die zeitgenössische Kunst weltweit. Als Vorsitzende des Stiftungsrates der Kulturstiftung des Bundes und als Kulturstaatsministerin stehe ich bereit, diesen Prozess zu unterstützen.“

documenta in Kassel: Schormann versucht Anschuldigungen auszuräumen

Sabine Schormann war in den vergangenen Wochen immer stärker in die Kritik geraten. Ihr wurden Versäumnisse bei der Aufklärung des Antisemitismus-Skandals auf der Kasseler Kunstausstellung vorgeworfen. Kurz nach der Eröffnung war ein Banner mit antisemitischen Motiven auf der Documenta entdeckt worden, das zuerst verhangen und dann abgebaut wurde. Weitere Werke sollten daraufhin auf mögliche Hassmotive geprüft werden, was aber bisher scheiterte. Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, hatte als Berater der Documenta hingeworfen mit der Begründung, dass eine Aufarbeitung aufgrund der Untätigkeit der Documenta-Chefin nicht möglich sei. Daraufhin hatte die Künstlerin Hito Steyerl ihre Arbeit auf der Ausstellung abbauen lassen.

In ihrer Stellungnahme am Dienstag hatte Schormann versucht, die Anschuldigungen gegen sie auszuräumen, was ihr aber nicht gelang. Im Gegenteil: Die Erklärungen der Generaldirektorin riefen weitere Kritik hervor; unter anderem wurde die Richtigkeit ihrer Darstellungen in Frage gestellt.

docuementa in Kassel: Geschäftsführer des Zentralrats der Juden macht Schormann verantwortlich

Schon Monate vor der Eröffnung der documenta fifteen hatte der Zentralrat der Juden in Deutschland Befürchtungen geäußert, es könne ein Antisemitismus-Problem auf der Ausstellung geben. Eine kurzfristig von der Documenta-Leitung angekündigte Gesprächsreihe zu den Antisemitismus-Vorwürfen mit dem Titel „We need to talk“ wurde wieder abgesagt und weitere Gespräche auf unbestimmte Zeit verschoben. Bei der Podiumsdiskussion „Antisemitismus in der Kunst“, die von der Bildungsstätte Anne Frank in Kooperation mit der Documenta-Leitung Ende Juni in Kassel organisiert wurde, saß die Documenta-Chefin im Publikum, beteiligte sich aber nicht aktiv an der Diskussion. Zu einer Sitzung des Kulturausschusses des Bundestags Anfang Juli erschien Schormann nicht, sie ließ sich krankheitsbedingt entschuldigen.

In der Kulturausschuss-Sitzung hatte der Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, Daniel Botmann, die Documenta-Leitung - Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), und die Generaldirektorin Sabine Schormann - direkt für den Antisemitismus-Skandal auf der Ausstellung verantwortlich gemacht.

Nach dem Rückzug von Meron Mendel am 8. Juli waren die Rücktrittsforderungen an Sabine Schormann lauter geworden. Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, bezeichnete den Umgang der Documenta-Leitung mit den Antisemitismus-Vorwürfen am Dienstag als „verheerend“ und forderte die Documenta-Leitung auf, Konsequenzen zu ziehen.

Auch im Hessischen Landtag waren die Rücktrittsforderungen am Donnerstag Thema. Die FDP hatte einen Antrag zur Abberufung der Generaldirektorin gestellt. (Lisa Berins)

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