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Maske aus Guatemala, 200-600 Jahre v. Chr., aus der Al-Thani-Sammlung.
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Maske aus Guatemala, 200-600 Jahre v. Chr., aus der Al-Thani-Sammlung.

Frankreich

Die Al-Thani-Sammlung: Eine neue Sehenswürdigkeit für Paris

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
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Die französische Hauptstadt erhält eine neue Sehenswürdigkeit: Das restaurierte Hôtel de la Marine präsentiert eine Sammlung des katarischen Scheichs Hamad.

Das Stadtpalais liegt in bester Lage, es bietet eine atemberaubende Sicht – doch selbst der Bevölkerung von Paris war das „Hôtel de la Marine“ bisher weitgehend unbekannt. Der Bau aus dem 18. Jahrhundert begrenzt die Place de la Concorde, wo früher die Könige guillotiniert wurden und heute der Autoverkehr vorbeibrandet. Symmetrisch angeordnet, von außen identisch anzusehen, steht links von der Rue Royale das bekannte „Hôtel de Crillon“. Die Gäste dieses Luxushotels haben vom Balkon der Bel Etage aus eine wunderschöne Aussicht über den Platz, die Seine und den Eiffelturm.

Rechts der Rue Royale fristete das „Hôtel de la Marine“ dagegen bisher ein sehr stiefmütterliches Dasein. Der Monarchie diente es als Möbelspeicher (Garde-Meuble de la Couronne), nach der Revolution von 1789 der französischen Marine als Zentrale – daher sein Name. Im Zweiten Weltkrieg besetzte die deutsche Kriegsmarine den geschichtsträchtigen Bau vier Jahre lang. Die Öffentlichkeit hatte nie Zutritt, wer vorüberging konnte nicht ahnen, dass sich im Innereien ein paar der schönsten Räume des Ancien Regime und des Second Empire verbergen.

Das ändert sich nun – und zwar auf spektakuläre Weise. Seit dem Auszug der Marine-Generalstabs 2015 ist das Gebäude von Grund auf und für Gesamtkosten von 132 Millionen Euro restauriert worden. Die Kulturerbe-Architekten haben den Stil der fürstlichen Salons und Gemächer mit Sorgfalt bewahrt oder wiederhergestellt; sogar ein Geheimzimmer, von dem aus man die Besprechungen im pompösen Salon diplomatique verfolgen konnte, lässt sich heute besuchen. Ebenso der große Balkon mit seiner königlichen Perspektive. Er ist Teil der Führungen, die seit der Eröffnung durch Präsident Emmanuel Macron im Juni organisiert werden.

Ein Großteil des Stadtpalastes dient weiteren Zwecken: Im dritten Stockwerk werden Luxusbüros – unter anderem an den internationalen Fußballverband Fifa – vermietet. Im Parterre hat sich ein Ein-Sterne-Restaurant eingerichtet, flankiert vom Café Lapérouse, das sich zu einem neuen Treffpunkt der Pariser Jet- und Trendsetter mausert.

Ein großer Teil des Hôtels aber ist seit dieser Woche für die Al-Thani-Sammlung reserviert. Sie beruht auf 6000 Kunstobjekten, die Hamad Bin Abdullah al Thani, Cousin des Emirs von Katar, in gut einem Jahrzehnt zusammengetragen hat. Der erst 40-jährige Kunstsammler, „einer der besten seiner Epoche“, wie ihn die Zeitung Le Figaro qualifiziert, zeigt im Hôtel de la Marine etwa hundert seiner wertvollsten Stücke und nach Ausstellungen in New York und London erstmals dauerhaft, das heißt für mindestens 20 Jahre.

Wer die Galerie betritt, wähnt sich in der Zaubergrotte des Ali Baba, ein Eindruck, den der japanische Stararchitekt Tsuyoshi Tane mit einem schwarzen Himmelmeer aus funkelnden Goldsternen zweifellos gesucht hat. Es folgen drei thematisch gegliederte Galerien, von denen die erste sicherlich die eindrücklichste ist, obwohl sie nur sieben Häupter umfasst: Gesichtsskulpturen aus dem antiken Mesopotamien und Ägypten, eine Hadrian-Büste aus der Werkstatt Friedrichs des Großen, dazu Masken und Köpfe aus Indien, Guatemala und Gabun. Allein diese Auswahl belege die „Weltoffenheit und kreative Vielfalt von Scheich Hamad“, so formulierte es sein Chefkonservator Amin Jaffer bei einer Presseführung.

Weitere Galerien zeigen zentralamerikanische Kunstschätze der Maya und der Olmeken sowie Preziosen der chinesischen Han-Dynastie oder indischer Fürsten. Aus dem osmanischen, islamischen und persischen Raum kommen Geschmeide, Edelsteine, Ringe, Schwerter, Ornamente, Kleider und ein Pergament des „blauen Korans“. Sie verstärken noch die Aura einer Schatztruhe – die vom heutigen Donnerstag an für das Publikum geöffnet ist.

Warum Scheich Hamad für seine erste permanente Ausstellung gerade Paris gewählt hat, erklärt Jaffer mit der „jahrelangen Verbundenheit“ der Familie, die in der Stadt zwei Residenzen, zahlreiche Firmenanteile und den Fußballverein Paris Saint-Germain besitzt.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass das Hôtel de la Marine schon einmal einen Schatz beherbergt hat: Mehr als 10 000 Wertgegenstände der französischen Könige lagerten dort bis in die Revolutionswirren. 1792 wurden sie unter nie ganz geklärten Umständen geraubt. Zwei Jahre tauchten sie wieder auf. Ein Teil ist seither im Louvre-Museum zu sehen. Nur das mit Abstand teuerste Stück, der Diamant „Bleu de France“, blieb noch lange verschollen. Dieser in Südindien gefundene, unschätzbare Edelstein von 67 Karat kam erst zwanzig Jahre später – nach Ablaufen der Verjährungsfrist – in London wieder ans Tageslicht. Auf 45 Karat umgeschliffen, wurde daraus der sagenumwobene Hope-Diamant.

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