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Das Deutsche Romantikmuseum in Frankfurt ist von außen betrachtet in drei Häuser mit unterschiedlichen Fassaden unterteilt.
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Das Deutsche Romantikmuseum in Frankfurt ist von außen betrachtet in drei Häuser mit unterschiedlichen Fassaden unterteilt.

Romantik

Deutsches Romantikmuseum: In die Unendlichkeit

  • Florian Leclerc
    VonFlorian Leclerc
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Frankfurt galt bisher nicht als Zentrum der Romantik. Das Deutsche Romantikmuseum wird das ändern. Ein erster Gang durch das Gebäude.

Frankfurt - Das Deutsche Romantikmuseum, das Mitte September im Großen Hirschgraben in der Innenstadt in Frankfurt eröffnet wird, ist auf zweifache Weise interessant, durch die Architektur von Christoph Mäckler und die Museographie selbst. Mit dem Romantikmuseum will sich Frankfurt als ein Zentrum der Romantik verorten.

Das neue Haus steht neben dem Goethehaus und dem Freien Deutschen Hochstift, das seit mehr als 100 Jahren Handschriften, Gemälde, Alltagsgegenstände aus der Zeit der Romantik sammelt. Es ist dreigeteilt, hat drei Eingänge mit drei unterschiedlichen Fassaden. Der Haupteingang mit hellgelber Fassade und gekämmtem Putz führt in das Eingangsfoyer und den Kassenraum mit Blick auf den sogenannten Romantikgarten.

Durch das sattgelbe mittlere Haus mit gebürstetem Putz kommt man zu den Wechselausstellungen, die erst im kommenden Jahr eröffnen sollen. Das graugelbe Haus, wenn man davor steht, links, ist als Eingang für Gruppen gedacht. Am Hinterhof sind Wohnungen nach Plänen von Michael Landes Architekten, die Volksbühne mit dem Cantatesaal und ein Café.

Gemälde von Johann Heinrich Füssli und Caspar David Friedrich

Zurück ins Eingangsfoyer. Von dort führt eine Treppe, die sich nach oben hin verjüngt und von Christoph Mäckler „Himmelstreppe“ genannt“ wird, zu den drei Ausstellungsflächen. Einen Aufzug gibt es auch. Auf einem Stockwerk ist die sogenannte Goethe-Galerie. Hier sind vorwiegend Gemälde aus der Goethezeit zu sehen. Die Sammlung, die Goethes Vater erworben hatte, wurde ergänzt, unter anderem mit Karl Bennerts Kopie des berühmten, halb liegenden Porträts „Goethe in der Campagna“; das Original von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein hängt im Städel-Museum.

Johann Heinrich Füsslis „Nachtmahr“, die erotische Fantasie einer Frau in der Nacht, war ebenfalls schon im Städel zu sehen, gehört aber dem Freien Deutschen Hochstift und hängt mit einer Sammlung bedeutender Füssli-Gemälde in der Ausstellung.

Geht man die sich verjüngende Treppe, von einem Novalis-Zitat gesäumt, weiter hinauf, folgt eine Etage über die Anfänge der Romantik und eine weitere über die Romantik in ganz Europa. Sie entstand aus germanistischer Sicht in Wohngemeinschaften in Berlin (Friedrich Schlegel und Friedrich Schleiermacher), Jena (Caroline und August Wilhelm Schlegel, Friedrich Schlegel und Dorothea Veit, Novalis und Ludwig Tieck) und Heidelberg (Clemens Brentano und Achim von Arnim).

Im englischsprachigen Raum wird sie etwas früher angesetzt, etwa mit Horace Walpoles neogotischer Villa Strawberry Hill in London (1776) und zählt auch Johann Wolfgang von Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ (1774) und Friedrich Schillers „Die Räuber“ (1781) dazu – für die deutsche Literaturwissenschaft Sturm und Drang.

Die Sehnsucht nach dem „Unbedingten“

Das romantische Grundgefühl: Ein existenzieller Mangel, der Sehnsucht hervorruft, eine Suche nach Schönem, Exotischem, Unendlichem, dem Einsamen, Fernen. Novalis’ Fragment „Wir suchen überall das Unbedingte und finden immer nur Dinge“ kann als Motto gelten und ist in der Ausstellung zu lesen. Auch das Tocotronic-Zitat „Und noch viel weiter / In die Unendlichkeit / Einen Schritt weiter / In die Unendlichkeit“ hätte gepasst.

Novalis führt im Roman „Heinrich von Ofterdingen“ für diese Bewegung, Suche oder Sehnsucht das Motiv der blauen Blume ein. Auch Architekt Mäckler greift die Farbe Blau im Museum auf, etwa in dem Erker, der sich zum Großen Hirschgraben öffnet, und durch den alles verschwommen zu sehen ist. Verschwommen und verträumt will die Romantik in gewisser Weise auch sein, als Gegenbewegung zur vernunftorientierten Aufklärung. Sie idealisiert das Gefühl. „Romantisch“, das Wort, das damals entstand, verwenden wir noch heute.

In der Ausstellung hat der Sprachwissenschaftler Jochen A. Bär eine Wand mit assoziativen Substantiven gefüllt, von A bis Z, die wir heute noch mit Romantik verbinden. Die Grundlage war der Referenzkorpus des Mannheimer Instituts für Deutsche Sprache. Sie bietet Ausgangspunkte für ein ganzes Lexikon der romantischen Grundbegriffe.

Die Literatur, die Musik, die Kunst dieser Epoche waren experimentierfreudig, wie auch in der Ausstellung gezeigt wird. Clemens Brentano sammelte Volkslieder und gab sie unter dem Titel „Des Knaben Wunderhorn“ heraus. Die Brüder Grimm sammelten Volksmärchen. Joseph von Eichendorff ließ einen Müllersohn in „Aus dem Leben eines Taugenichts“ sein Glück suchen.

Romantik in ganz Europa

Die Autorin und Philosophin Mary Wollstonecraft, denn Romantik ist nicht weltfremd, verteidigte 1790 die Rechte der Frau. Mary Shelley schrieb den Schauerroman „Frankenstein“. William Wordsworth und Samuel Taylor Coleridge dichteten die „Lyrischen Balladen“, Franz Schubert und Robert Schumann schufen Liederzyklen, Frédéric Chopin erfand seine Klavier-Etüden.

Die Gemälde von William Turner und Caspar David Friedrich strotzen vor Atmosphäre. Caspar David Friedrichs „Der Abendstern“ und „Weidengebüsch bei tiefstehender Sonne“ aus der Sammlung des Freien Deutschen Hochstifts sind auch in der Ausstellung zu sehen. Die Sammlung umfasst mehr als 500 Gemälde.

Das Publikum bewegt sich auf 1200 Quadratmetern Ausstellungsfläche und weiteren 400 Quadratmetern für die Wechselausstellung. Man kommt an 35 Stationen vorbei, die einzelne Stücke aus der Sammlung in den Mittelpunkt rücken. Lichtgeschützt liegen Objekte, etwa ein Brief von Wilhelm Heinrich Wackenroder an Sophie Tieck (1794) über seine Harzreise, in einem Holzkasten, der erst beim Öffnen ausgeleuchtet wird.

Wirkung der Romantik

Atmosphärisch auch die Licht- und Klanginstallationen von Petra Eichler und Susanne Kessler (Sounds of Silence) mit dem Frankfurter Designstudio Meso Digital Interiors. Der Gang die Treppe hinauf wird etwa vom (romantisch höchst aufgeladenen) Gesang der Nachtigall begleitet. Stationen mit Kopfhörern, mit Video und für interaktive Beschäftigung schaffen Abwechslung in der durchaus labyrinthischen Informationsfülle.

Wenn sie den Ausgang gefunden haben, können Besucherinnen und Besucher selbst beschreiben, was sie heute unter Romantik verstehen oder wen sie von der Romantik beeinflusst sehen. Die Musik von Tocotronic und Bob Dylan, die Filmszene am Bug der „Titanic“ oder Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ zählen sicher dazu.

Romantik-Museum, Frankfurt: Am 14. September öffnet das Haus für Publi- kum. deutsches-romantik-museum.de

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