Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Der neue Chef ganz lässig im Treppenhaus des Städel-Museums.
+
Der neue Chef ganz lässig im Treppenhaus des Städel-Museums.

Städel, Liebieghaus und Schirn

Der coole Geschichtenerzähler

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
    schließen

Philipp Demandt tritt sein Amt als Direktor von Städel, Liebieghaus und Schirn an. Die Skulptur liegt ihm am Herzen.

Nein, er hat nicht wirklich lange gebraucht, um sich für Frankfurt zu entscheiden. Philipp Demandt erzählt das mit der ihm eigenen Lässigkeit. 28. April, 14.58 Uhr: E-Mail von der Administration des Städel-Museums. Man suche einen neuen Direktor für das Kunstmuseum und die Skulpturensammlung Liebieghaus. Um 14.59 Uhr durchzuckt den Adressaten der Gedanke: „Wenn, dann Frankfurt.“

Und nun sitzt der 45-jährige Kunsthistoriker also vor der Medienmeute im Metzlersaal des Museums. Und versucht zu erläutern, wie er die Trias aus Städel, Liebieghaus und Kunsthalle Schirn in den nächsten Jahren zu führen gedenkt. Und tatsächlich wirkt der gebürtige Konstanzer dabei ziemlich abgeklärt und cool. Man muss nicht so weit gehen wie der Journalisten-Kollege, der den früheren Direktor der Alten Nationalgalerie in Berlin mit Steve McQueen verglich. Aber ein wenig kann man sich vorstellen, wie Demandt im taubenblauen Anzug krachend die Gänge seines Mustang Fastback GT heraufschaltet, den Ford beschleunigt und dabei ganz gelassen bleibt.

In den nur vier Jahren als Chef der Alten Nationalgalerie jedenfalls hat er das traditionsreiche Haus inhaltlich ziemlich entstaubt. Hat mit einer großen Ausstellung von Rembrandt Bugatti die klassischen Tierplastiken wieder ins Bewusstsein gerückt. Ließ die Gemälde-Ikonen „Mönch am Meer“ und „Abtei im Eichwald“ von Caspar David Friedrich restaurieren, so dass ein staunendes Publikum die vermeintlich vertrauten Bilder ganz neu entdecken konnte.

Bei der Premiere in Frankfurt gibt sich der neue Dreifach-Direktor dennoch betont bescheiden. Er will „erst mal hinhören“, um ein Gefühl zu bekommen „für die sinnliche Tradition“ der drei Häuser. Mehr als 250 Mitarbeiter führt er von Oktober an. „Mein Konzept heißt Kontinuität“, so das Versprechen.

Aber klar wird, dass die Skulpturen, die der Kunsthistoriker „mein eigentliches Gebiet“ nennt, künftig eine größere Rolle spielen werden. „Die Skulptur muss kein Dasein im Schatten der Malerei führen“, sagt er dezidiert.

Das Profil der Kunsthalle Schirn sieht Demandt darin, die „gesellschaftliche Verankerung der Kunst“ zu demonstrieren. Was für ihn bedeutet, dass der gerade abgebauten Ausstellung über die Frühzeit des Comics auch eine Erweiterung ins Zeitgenössische dieses Genres folgen kann.

Beim Gang mit dem neuen Direktor durch die Sammlung der klassischen Moderne im Städel bekennt er sich dazu, dass die Präsentation auch künftig „atmen“, sich also verändern wird: „Ich finde das sehr, sehr klug, nicht statisch zu sein.“ Mit seinen Ausstellungen wolle er „in Bildern und Geschichten denken“, es gebe „überall Geschichten, die sich zu erzählen lohnen.“ Und er möchte sich immer wieder „die Frage stellen: „Für welche Flecken der Kunstgeschichte sind wir gerade blind?“

Als Dezernent bei der Kulturstiftung der Länder ab 2004 konnte der junge Kurator viele Kunstmuseen in Deutschland und ihre Konzepte kennenlernen. Und er weiß natürlich, dass die Ausstellungsplanung der drei Häuser, die er übernimmt, für die nächsten zweieinhalb Jahre abgeschlossen ist. Dafür hat sein Vorgänger Max Hollein, der im Frühsommer an die Fine Arts Museums in San Francisco wechselte, schon gesorgt.

„Allzuviel Programmatisches“ sei von ihm nicht zu erwarten an diesem Tag, so Demandt. Er bekennt sich aber dazu, das Engagement des Städel Museums für die zeitgenössische Kunst fortzusetzen. Hollein hatte etwa die Photographie-Sammlung des Hauses kräftig ausgebaut – und sich dabei um das Gegrummel etwa im konkurrierenden Museum für Moderne Kunst nicht geschert. Demandt sieht das ganz genauso. „Einer Stadt wie Frankfurt stehen zwei oder drei Museen für zeitgenössische Kunst gut zu Gesicht“, sagt er unverblümt.

Und natürlich wird er die digitale Erweiterung des Städels fortsetzen, die Hollein begonnen hatte. Seine „Idealvorstellung“: Dass am Ende „alle Bestände im Netz“ stehen.

So vergeht bei der Premiere im Metzlersaal die Zeit, ohne dass der neue Direktor, der am 1. Oktober sein Dreifachamt antritt, wirklich viel von sich und seinen Plänen preisgibt. Aber vielleicht ist das an so einem ersten Tag auch zuviel verlangt. Der Vergleich mit Steve McQueen übrigens habe ihn eher nervös gemacht, verrät Demandt noch, deshalb habe er vor der Pressekonferenz einige Gedanken doch aufs Papier gebracht, statt ganz frei zu sprechen.

Die Jury der Städel-Administration überzeugte der Kandidat aus Berlin. Er setzte sich in der Endrunde unter fünfzehn Bewerbungen durch, darunter „fünf Damen“, wie Nikolaus Schweickart verrät, der Vorsitzende der Administration. „Er ist sicher kein Klon von Max Hollein“, so charakterisiert er den neuen Direktor. Die Frankfurter Kommunalpolitiker freuen sich über die Abwerbung. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) nennt den Wechsel des Kurators aus der Bundeshauptstadt „sehr betrüblich für die Berliner, um so erfreulicher für die Frankfurter.“

Und dann besteigt Philipp Demandt seinen schwarzen Mustang Fastback GT und beschleunigt mit qualmenden Reifen den Schaumainkai hinunter. Die Wahrheit fällt ein wenig prosaischer aus: Am Nachmittag geht es mit dem ICE zurück nach Berlin. Dort steht schließlich noch die Abschiedsfeier in der Alten Nationalgalerie an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare