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Der Teppich von Bayeux  erzählt von der Überfahrt der  Normannen  nach England.
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Der Teppich von Bayeux erzählt von der Überfahrt der Normannen nach England.

"Die letzten Wikinger" in Frankfurt

Ein Comic von 1100

  • Arno Widmann
    VonArno Widmann
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"Die letzten Wikinger" im Archäologischen Museum Frankfurt: Man braucht Zeit. Es sei denn, man hat den ein oder anderen Bildband über den Wandteppich von Bayeux schon gelesen, findet Arno Widmann

Man braucht Zeit. Es sei denn, man hat den ein oder anderen prächtigen Bildband über den Wandteppich von Bayeux gelesen und aufmerksam betrachtet. Der Teppich ist siebzig Meter lang und einen halben Meter breit und erzählt in 58 Szenen die Eroberung Englands durch die Normannen, kulminierend in der detaillierten Darstellung der Schlacht von Hastings im Jahre 1066.

Eines der zentralen Prachtstücke der abendländischen Geschichte. Keine Angst, es wurde nicht nach Frankfurt ins Archäologische Museum gebracht. Dort macht jetzt vielmehr eine Wanderausstellung Station, die den Teppich in einer Folge von erleuchteten Dias zeigt. Er ist freilich nur noch halb so groß.

Neben den Dias liegen Leihgaben aus einem Dutzend Museen. Man kann darin dreidimensional betrachten, was auf dem Teppich abgebildet ist. Das reicht von einer freilich auch verkleinerten Fassung eines Wikingerschiffes, über Münzen, Schwerter und Helme bis zu einem Wurfholz.

Es empfiehlt sich, genau hinzusehen. Man stolpert sonst leicht etwas gelangweilt an all dem etwas schäbigen Hausrat vorbei. Gleich in der ersten Vitrine zum Beispiel stehen ausgestopfte Vögel. Hier geht es um die Jagd. Man könnte leicht den Bumerang übersehen, der daneben liegt. Mit ihm jagte man kleine Tiere und Vögel. Er stammt aus Thüringen.

Mit einem Schlag wird einem klar, dass der Bumerang kein australischer Ureinwohner ist, sondern eine globale Waffe war, die einzig in Australien überlebte. Auf dem Wandteppich soll auch einer zu sehen sein. Es gibt auch Skelette von Jagdhunden. Sie waren Prestigeobjekte. Teuerste Grabbeigaben.

An den Helmen war ich vorbeigegangen. Dumm, sehr dumm. Wikingerzeitliche Helme sind eine Rarität. In Deutschland gibt es gerade mal drei. In Dänemark nicht einen einzigen. Die Helme sind aus einem Stück. Sie schützen - das ist ihr Charakteristikum - auch die Nase.

Auf dem Wandteppich sieht man sie allenthalben. An einem ist auf dem die Nase schützenden Abschnitt ein Haken angebracht. An ihm - so erklärte die Chefin der Ausstellung, Lise Bertelsen aus Kopenhagen - konnte man das kostbare Stück aufhängen. Wahrscheinlich nicht nur in der Waffenkammer oder am Pferd, sondern auch an der Kleidung. Diese Helme sind keine Wikinger-Spezialität. Sie wurden damals in ganz Europa getragen.

1066 war die letzte große Eroberungsfahrt der Wikinger. Darum heißt die Ausstellung in Frankfurt "Die letzten Wikinger". Hier kann man erfahren, dass die England erobernden Normannen erst einmal Dänen waren, die nicht einmal einhundert Jahre zuvor die Normandie eingenommen hatten. Als sie nach England kamen, brachten sie nur noch wenig von ihrer dänischen Wikingerkultur mit. Vor allem importierten sie das lateinische Mittelalter, die französische Verwaltung und Kultur nach England.

Eine interessante Vorstellung, dass es die zweite und dritte Einwanderergeneration war, die aus der französischen Lebensart einen Exportschlager machten. Der Teppich von Bayeux erzählt detailliert die Geschichte einer Eroberung, einer Unterwerfung. Man sieht Reiter stürzen und Pferde fallen. Dazu heißt es: "Hier fielen sowohl Engländer wie Franken in der Schlacht". Keine Szene, die unbetextet blieb. Der Wandteppich ist ein riesiger Comic. Drastisch wie seine Nachfolger. Die Großaufnahme - das ist ein gewaltiger Unterschied - war noch nicht erfunden. Aber die Ähnlichkeit des "erhabenen" Genres Wandteppich mit dem "vulgären" des Comic ist schlagend.

Er mischt ebenso die Stile, ist ebenso international, liebt die Details und die überraschenden Schwenks einer Geschichte.

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