Das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude präsentiert 2006 in der Rostocker Kunsthalle erstmals aktuelle Entwürfe zu „Over the River“.
+
Das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude präsentiert 2006 in der Rostocker Kunsthalle erstmals aktuelle Entwürfe zu „Over the River“.

Christo

Christos „Nein“

  • vonIngeborg Ruthe
    schließen

Der Künstler will über dem Arkansas River kein Silberdach zum Nutzen Donald Trumps aufspannen.

Wer unsere Träume stiehlt, gibt uns den Tod.“ So hart ging der weise Konfuzius ins Gericht mit denen, die Visionen und Taten für das Gute und Schöne zerstören. Nun geht der weltberühmte Verhüllungskünstler Christo keineswegs so weit, den neuen US-Präsidenten Donald Trump als seinen Todbringer zu bezeichnen. Das wäre zu viel der Ehre. Christo, der im Juni 82 wird, cancelt aber wegen dieses Desasters von einem Staatsmann konsequent sein lange geplantes, gigantischstes, ein ebenfalls nervenzehrendes, weil immer wieder verhindertes oder aufgeschobenes Kunstprojekt „Over The River“ in Colorado.

Der gebürtige Bulgare, der 1957 dem Sozialistischen Realismus Richtung Westen entfloh und mit spektakulären Verhüllungen (Pont Neuf, Paris, Inseln vor Florida, dem Berliner Reichstag, vor einem Jahr mit „The Floating Piers“ auf dem Iseosee in Norditalien) Ruhm erlangte, handelt nun nach dem Wahlspruch, dass der Klügere aufgibt, wenn der Dümmere die Mühe nicht lohnt. Sechzig Kilometer weit sollte Silberstoff, der Reichstagshülle ähnlich, über dem Arkansas River schimmern. Am Ufer verankerte Stahlseile sollten das schimmernde „Dach“ tragen.

Fünfzehn Millionen Dollar hat Christo, noch zusammen mit seiner 2009 verstorbenen Frau Jeanne- Claude, privat in die Projektvorbereitung seit 1992 investiert. So, wie bei all seinen vergänglichen Aktionen, die er, ohne Steuergeld und Sponsoren, konsequent selbst finanzierte. Bislang schaffte er das immer wieder, durch Kredite, den Verkauf von Bildern, Fotos, Souvenirs.

Offener Widerstand

Nun aber „beerdigt“ Christo sein von Präsident Bush Junior verhindertes, von Präsident Obama genehmigtes Vorhaben. Ein Teil des 2 300 Kilometer langen Flusses gehört dem Staat, der Ruhm einer spektakulären Kunstaktion dürfe aber keinesfalls dem Grundherrn – also Trump – zugutekommen, so Christo. Die „New York Times“ meint, damit habe ein bedeutender Künstler den Krieg der Kulturwelt gegen Trump zugespitzt.

In der Tat: Christos Entschluss ist eine wirkmächtige Geste des Protestes, wie er von anderen US-Künstlern – dem Bildhauer Richard Serra, der Fotografin Cindy Sherman, Sängerinnen wie Madonna und der Schauspielerin Meryl Streep – entfacht wurde. So gehört also auch der Verhüllungs-Meister zum Widerstands-Camp der Zivilcouragierten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare