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Glaskunst

Kirchenfenster, die zu atmen scheinen

  • vonIngeborg Ruthe
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Blaues Symbol der Hoffnung: Ehrung für Christoph Brechs „Lungenflügel“.

Was atmet, das lebt. Vom ersten bis zum letzten Atemzug. Als der Münchner Maler Christoph Brech seine Kirchenfenster für die Heilig-Kreuz-Kirche im Stadtteil Giesing entwarf und in den Glaswerkstätten van Treck herstellen ließ, war die Covid-19-Pandemie mit ihrer oft schwerwiegenden Beeinträchtigung der Atemwege tatsächlich noch etwa so bedeutsam wie ein Sack Reis, der im fernen China umfällt.

Die Kirchenfenster in der Apsis bestehen aus lauter menschlichen Lungen, in der Fernsicht deutlich auszumachen wie Röntgenbilder, in der Nahsicht und hinterleuchtet vom Tageslicht und je nach Sonnenstand, entstehen fast abstrakte Ornamente, wie bei einem modernen Gobelin. Alles löst sich auf in einem einzigen großen Atmen, eine Überfülle an frischer Luft, Lebenselixier neben den weiteren „Wurzelelementen“ – „Erde“, „Wasser“, „Feuer“ – die wir irdischen Wesen, ob Mensch, Tier oder Pflanze, zum Leben brauchen.

Brech konnte nicht ahnen, dass seine lange geplante Kirchenfensterkunst nur Monate später eine derart symbolstarke Bedeutung erlangen würde, nicht damit rechnen, dass es nun derart einen Zeitnerv trifft. Es ist ein schönes, starkes, tröstliches Kunstwerk – diese Hunderte von blauen Lungenflügelpaaren aus mundgeblasenem Neuantikglas, die in ihrer gotischen Form mit den Engelsflügeln der gotischen Hochaltarfiguren der katholischen Kirche korrespondieren und eine nach oben schwebende, leichte, mal opake, mal transparente und so geradezu transzendente Wirkung erreichen.

Vorlage waren tatsächlich echte Röntgenbilder, erzählt der Künstler. Und keines gleicht dem anderen. „Durch die Aneinanderreihung hunderter Lungenflügel werden die Unterschiede der menschlichen Anatomie erfahrbar“, so Brech. „Jeder Thorax ist anders, jeder Mensch ist einzigartig, einzigartig vor Gott. Und alles Äußerliche, wie beispielsweise die Hautfarbe, ist nicht mehr erkennbar.“ Die Gemeindemitglieder sind diesen Gedanken des Malers gern gefolgt, haben ihm ihre Röntgen-Aufnahmen überlassen, auf diese Weise wurden sie, ganz nach alter Stiftertradition, Ermöglicher dieser Kirchenkunst und außerdem verewigt.

Brech, 56, gelernter Gärtner, Meisterschüler an der Münchner Kunstakademie und bekannt als einer der wichtigsten deutschen Videokünstler, der in seinen Filmen etwa Musik visualisiert, bekam für seine Kirchenfenster „Lungenflügel“ soeben den mit der angesichts des Aufwands eher symbolischen Summe von 3000 Euro dotierten Artheon Kunstpreis der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst.

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