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Ein Arbeiter befestigt den silberblauen Stoff am Arc de Triomphe in Paris.
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Ein Arbeiter befestigt den silberblauen Stoff am Arc de Triomphe in Paris.

Verhüllung Arc de Triomphe

Christo: Sechzehn Tage den Wind sehen

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
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Christos Vermächtnis: Am Samstag soll die Verhüllung des Arc de Triomphe in Paris fertig sein.

Die Bauarbeiten begannen schon am 15. Juli, gleich nach dem französischen Nationalfeiertag, an dem der Arc de Triomphe jeweils als Kulisse für die Militärparade des Quatorze Juillet dient. Mehrere Dutzend Industriekletterer machten sich daran, an dem 50 Meter hohen Bauwerk punktuelle Stahlgerüste anzubringen. Dann umwickelten sie das Denkmal für den Sieg Napoleons in der Drei-Kaiser-Schlacht von Austerlitz von 1805 mit roten Seilen. Seit Montag wird nun sichtbar, wozu: Sie halten die 25 000 Quadratmeter umfassende Hülle aus (recycelbarem) Polypropylen, die diese Woche über den ganzen Monumentalbau gespannt wird.

Am Samstag soll das Werk vollbracht und der Pariser Triumphbogen verhüllt sein: als postume Realisierung einer Arbeit von Christo Vladimiroff Javacheff, dem bulgarischen Verpackungskünstler Christo, der unter anderem den Reichstag in Berlin (1995) einkleidete. Für den Triumphbogen kehrt der im Mai 2020 verstorbene Künstler zumindest mit seinem Werk zu seiner ersten Liebe zurück – Paris. Als 23-Jähriger war er auf der Flucht vor dem kommunistischen Regime seines Landes an die Seine gekommen. In Paris errichtete er sein erstes größeres Kunstwerk, als er ohne Genehmigung eine Seitenstraße mit aufeinander geschichteten Ölfässern verstellte und das Ganze „eisernen Vorhang“ nannte.

Bald fand er zusammen mit seiner Frau, der Französin Jeanne-Claude Denat de Guillebon (1935-2009), zu seinem unverwechselbaren Stil. Sehr früh schon wälzte er zwei Projekte, die Verhüllung des Pont-Neuf und des Arc de Triomphe. Die Pariser Brücke deckte er in der Tat 1985 ab, nachdem der damalige Pariser Bürgermeister Jacques Chirac nach jahrelangem Zögern die Bewilligung erteilt hatte.

Plötzlich wurde es erlaubt

Tuch über dem hehren Triumphbogen – das kam für die Franzosen aber nicht in Frage. Christo nahm das Projekt erst vor vier Jahren wieder auf, und auch nur, weil es bei den Behörden plötzlich auf Zustimmung stieß. Der Vorsteher der Geschichtsbauten sowie der Leiter des Ausstellungshauses Centre Pompidou lancierten die Idee, und Staatschef Emmanuel Macron erteilte 2019 die Genehmigung.

Der damals 82-jährige Künstler widmete sich der technischen Ausführung wie üblich persönlich und regelte letzte Details wie etwa die Art der Seilknoten. Am wichtigsten war ihm aber das Tuch. Es sollte grobkörnig sein, zum Anfassen bestimmt. Die metallisch-silbrigblaue Farbe sollte zusammen mit den roten Stricken entfernt an die französische Nationalflagge denken lassen und vor allem die Farbe des Himmels und der Dächer über Paris wiedergeben. Das vielleicht auch, weil Christo bei seiner Ankunft in Paris zuerst in einer billigen Mansardenwohnung der Rue Quentin-Bauchart mit Blick auf den Triumphbogen gewohnt hatte.

Deshalb wusste Christo auch, dass es am Prunkgebäude, das auf einer Anhöhe zwischen Champs-Elysées und Avenue de la Grande-Armée steht, stark windet. Die Verhüllung wurde an einem 20 Meter hohen Modell in einer Art Luftkanal getestet. Christo begeisterte sich für die technische Herausforderung: „Das unglaubliche Vergnügen besteht doch darin, dass die Hülle die Existenz des Windes zeigen kann“, sagte er zwei Monate vor seinem Tod: „So kann man den Wind sehen!“

Abgesehen davon legte Christo in seine „lebenden Objekte“, darunter eben auch die Triumphbogenhülle, keine Botschaft. Seine ebenso temporären wie spektakulären Konstrukte sollten die Menschen einzig zur „Diskussion am Straßeneck“ verleiten, darüber, was Kunst sei. Dass der Triumphbogen vor drei Jahren in den Sozialprotesten der „Gelbwesten“ beschädigt worden war, spielte keine Rolle.

Um Geld ging es Christo und seiner Frau ebenso wenig. Die Kosten von 14 Millionen Euro für die Verhüllung des Triumphbogens brachte das Künstlerpaar mit dem Verkauf von Projektstudien auf; eine Subventionierung lehnte Christo ab. Sein Neffe Vladimir Yavachev, der die Einhaltung der letzten Pläne überwacht, setzte durch, dass die Verhüllung ohne Zusatztarif (neben dem üblichen Besuchspreis für den Arc de Triomphe) besucht werden kann.

Nach 16 Tagen, also am 3. Oktober, wird die Haut wieder abgebaut. Sie solle keine Spur hinterlassen, wie der Künstler noch hervorgehoben hatte.

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