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Carl Blechen, „Märkische Winterlandschaft mit Kieferngruppe“, um 1823.
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Carl Blechen, „Märkische Winterlandschaft mit Kieferngruppe“, um 1823.

Carl Blechen in Berlin

Carl Blechen: Zur Lichtmalerei auserwählt

  • VonIngeborg Ruthe
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Max Liebermann gehörte zu seinen großen Bewunderern: Am Wannsee wird das Werk des romantischen Lichtmalers Carl Blechen ausgebreitet.

Das Einfachste ist und daher Schwerste“ sei dem Maler-Kollegen gelungen, sagte der Berliner Max Liebermann über die Kunst, vor allem die Italien-Bilder des Cottbusers Carl Blechen (1798-1840). Man möchte meinen, Brecht, habe das gelesen und aufgesogen wie so Vieles für sein episches Theater und sogar einen Song darauf gemacht.

Das Einfachste und daher Schwerste geht natürlich zurück auf die alten antiken Philosophen und deren Geist fand Blechen unschwer ausgedrückt in der Landschaft im Licht. Licht, das einen so preußischen Impressionisten wie Liebermann faszinierte und für den naturgetreu-sachlichen Realisten Blechen daher ein Vor- Impressionist war, neben Caspar David Friedrich der bedeutendste deutsche Landschaftsmaler des frühen 19. Jahrhunderts. Blechen – das sind, wie es jetzt in der Berliner Liebermann-Villa faszinierend deutlich wird, mit atmosphärische Motive, Lichtinszenierungen und leuchtende Farben. Kein Maler jener Zeit hat sich nach einem Italien-Trip die Unmittelbarkeit des Natureindrucks derart frisch bewahrt – ebenso die des Vorfrühlings auf einem sanften Lausitz-Hügel nahe Blechens Heimatstadt Cottbus. Seine unkonventionelle Farbwahl, die breite Pinselführung, die frühe Freilichtmalerei indes fand seinerzeit wenig Anklang bei der akademisch bornierten Kunstkritik.

Liebermann, 1920 zum Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste berufen, zeigte Blechens Bilder im Jahr darauf in seiner ersten Ausstellungen im Amt. Da war Carl Blechen schon 80 Jahre tot, gestorben in Schwermut in einer „in alle ihren Zusammenhängen zerbrechenden Welt“. Blechen, der glühende Verehrer der „Entdeckung der Natur“, litt unter dem entfremdeten Verhältnis von Mensch und Natur wegen der wachsenden Städte in der frühen Industrialisierung.

Liebermann schwärmte von Blechens Pionier-Fähigkeit, „seine subjektive Wahrnehmung in ein naturalistisches Bild ‚hineinzumalen‘“. Vor allem schrieb er diese Vorreiter-Rolle den Italien-Studien zu, nannte Blechen. „einen der wenigen Auserwählten ...“, der nicht nur zu den Besten seiner Zeit gehörte – sondern der auch auf die Besten seiner Zeit einen entscheidenden Einfluss ausgeübt habe. Darauf hebt jetzt in der Liebermann-Villa die Auswahl von Blechen-Werken aus der Cottbuser Sammlung der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz ab. Blechs Heimatstadt besitzt – neben der Berliner Nationalgalerie – die größte Sammlung von Blechens Gemälden, Studien und Zeichnungen weltweit.

Schon in den 1840er Jahren erwarb die Akademie der Künste zahlreiche Werke aus dem Nachlass des Künstlers. 1891 gelangte eine große Blechen-Sammlung in die Nationalgalerie. Zu dieser Zeit war Blechen auch auf den wichtigsten Ausstellungen der Zeit prominent vertreten, wie etwa der Sonderausstellung der Nationalgalerie 1881 oder der „Jahrhundertausstellung“ von 1906. Fünf Jahre darauf erschien die erste Monographie zu Carl Blechen; 1913 begann Cottbus mit dem Aufbau einer Blechen-Sammlung. Die von Liebermann organisierte Akademieausstellung 1921 stieß nicht nur in Berlin auf großes Interesse; Kunstkritiker der Zeit zeigten sich bereit, Liebermanns Thesen zu Blechen als Vorläufer der Moderne anzunehmen.

Im Nationalsozialismus, das wirft Schatten auf die Rezeptionsgeschichte, fand Blechens Kunst weiter prominente Bewunderung, wofür der schon bald 100 Jahre zuvor verstorbene Künstler so gar nichts konnte.

Seine „deutschen“ Motive wurden nicht nur für das Führermuseum in Linz ausgesucht, sie befanden sich auch in den Privatsammlungen Görings und Hitlers. Aber auch der von den Nazis gehasste, als „entartet“ stigmatisierte Jude Max Liebermann war eben ein großer Blechen-Verehrer, sah sich sogar als dessen künstlerischer Nachfolger und hatte mindestens fünf Blechen-Landschaften in seiner Privatsammlung. Eins davon war „Höhenzug mit blauen Wolken“. Das Bild war Liebermanns Witwe Martha, nach dem Tod ihres Mannes 1935 abhandengekommen. Sie hatte auch keine Kraft mehr, es aufzuspüren, denn die Nazis bedrängten sie, nahmen ihr die Villa am Wannsee weg und sie nahm sich im März 1943, am Tag vor der drohenden Deportation ins Konzentrationslager Theresienstadt das Leben. Bereits 1941 war das Werk ohne ihr Wissen auf dem Kunstmarkt aufgetaucht, wo NS-Kunstagenten es für das Führermuseum in Linz kauften.

Nach dem Krieg wurde es im Salzbergwerk Altaussee entdeckt; es gelangte über den Central Collecting Point in den Besitz der Bundesrepublik. Vor elf Jahren wurde es an die Liebermann-Erbinnen und Erben restituiert. Nun ist es in der Ausstellung zu sehen.

Liebermann-Villa am Wannsee, Berlin: bis 24. Januar. liebermann-villa.de/carlblechen

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