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Mathias Kauage: Frau mit Vogel, 1969, Siebdruck auf Papier.
Mathias Kauage: Frau mit Vogel, 1969, Siebdruck auf Papier. © Stephan Beckers

„Lukim gen“, schau noch einmal hin: Sammlungseigene Kunst aus Papua-Neuguinea im Weltkulturen Museum Frankfurt. Die Ausstellung dient auch der Neuformierung des Museumskonzepts nach dem Rauswurf der Direktorin.

Unwahrscheinlich gebogene Menschen und knochenlose Tiere, raffiniert naiv, reich an Ornamenten, Überraschungen und Erzählungen – denn auch ein Hubschrauber kann in den Mustern auftauchen und dass die Badenden vielmehr Ertrinkende sind, erschließt sich nur dem, der genauer hinschaut: Eine in sich geschlossene Bilderwelt stellt das Frankfurter Weltkulturen Museum in seiner neuen kleinen Ausstellung mit hauseigenen Arbeiten, vor allem Drucken aus Papua-Neuguinea vor. „Lukim gen“ heißt sie, Look again auf Pidgin, „Schau noch einmal hin“.

Papua-Neuguineas Kunstszene, lernt man hier, erlebte in den siebziger Jahren einen starken Aufschwung, im Zuge der Unabhängigkeit des Landes von Australien 1975, aber vor allem befördert durch das Engagement der britischen Künstlerin Georgina Beier und ihres deutschen Mannes Ulli.

Das Paar gründete Ende der sechziger Jahre das Creative Art Centre in Port Moresby und ermunterte offenbar eine ganze Generation von interessierten Schülern – und sehr wenigen Schülerinnen –, sich mit teils (aus Sicht von Papua-Neuguinea) ungewöhnlichen Materialien auf eine teils (aus Sicht von Europäern) ungewöhnliche Kunst einzulassen.

Es muss eine intensive, wenn auch kurze Phase der Aufbruchstimmung gewesen sein, später gestört durch politische Instabilität, wirtschaftliche Not und die Anbindung des Art Centre an die Hochschule der Hauptstadt – wodurch Künstlern ohne höhere Schulbildung, in den Dörfern des Inselstaates schwer zu erreichen, den Zugang versperrt wurde. Mathias Kauage (1944-2003), führender Protagonist der damaligen Szene und in der Ausstellung mit eindrucksvollen Arbeiten vertreten, war Plantagen- und Hilfsarbeiter, bevor er auf Georgina Beier traf.

Verheißungsvoll die Drucke der einzigen Künstlerin, Marie Taiti Aihi, geboren circa 1954, die als Textil-Designerin arbeitete, aber schon in den Siebzigern in ihr Dorf zurückkehrte. Man weiß nicht, was aus ihr wurde.

Bereits in den neunziger Jahren, berichtet Kuratorin Eva Raabe, habe sie kaum noch Drucke im Land erwerben können. Die Werkstätten seien geschlossen gewesen. Künstler verkauften Wasserfarbenbilder vor den Hotels.

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