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Haben europäische Betrachter im Ausland  rosarote Brillen auf? Arbeit  von Dana Munro.
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Haben europäische Betrachter im Ausland rosarote Brillen auf? Arbeit von Dana Munro.

Museum der Weltkulturen

Blick durch die Lakritzschnecke

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
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Im Frankfurter Museum der Weltkulturen sucht eine Labor-Ausstellung nach der Ethnografie der Zukunft - samt Vogelfedern und Masken, Ton und Schatten.

Auf dem Klingelschild steht „Green Room“, dabei ist hier gar nichts grün – sieht man mal von dem Gras ab, das leicht lädiert auf einem liegenden Lautsprecher wächst. Es ist dänisches Gras, schließlich befinden wir uns im „Labor“ des Museums der Weltkulturen. Man könnte daher vermuten, dass aus der Box, einem Werk von Theresa Kampmeier, normalerweise Stammesgesänge dänischer Kulturvölker tönen, falls es so etwas gibt. Momentan allerdings sei die Batterie nicht aufgeladen, erklärt Shane Munro, Kurator der Schau mit dem Titel „Cladows“. Was die große Vogelfeder betreffe, die eher nach Folklorehut denn nach Indianerschmuck aussieht, da sei er sich nicht ganz sicher. Die habe bei der Ankunft des Kunstwerks an der Seite geklebt. Könnte auch ein Versehen gewesen sein, sicherheitshalber nimmt er sie weg.

Wie es sich denn mit dieser Diaprojektion verhalte, will man wissen, auf der ein abstraktes Strichelmuster zu erkennen ist und dessen Titel „Edited slide projection of a Samoan girl with nose piercing“ einige Fragen aufwirft. Da dürfe man sich nicht wundern, so Munro, da sei bei der Beschriftung ein Fehler passiert – es müsse statt „Samoan“ „Papua New Guinean“ heißen. Ach so. Man wagt nun nicht mehr, sich nach den von den Wänden heruntergerissenen Papierarbeiten zu erkundigen, die entweder platt getreten auf dem Boden liegen oder zusammengerollt in der Ecke stehen. Die zwei an der Wand verbliebenen Werke bilden je zwei wie Augen angeordnete Lakritzschnecken ab, darunter befindet sich ein Schlitz als Mund, so dass die Papiere aussehen wie Masken. Ob hier der brutale Übergriff des Kolonialismus’ auf indigene Kulturen symbolisiert werden soll?

Bei der Ausstellung handele es sich um „eine Untersuchung zur Ethnographie der Zukunft“ heißt es in einem ausliegenden Text. Die Künstler hätten sich von javanischen und balinesischen Schattenspielfiguren aus der Sammlung des Museums anregen lassen. Das Ganze sei eine Art Casting für einen in einer anschließenden Ausstellung zu zeigenden Film.

Der Titel „Cladows“ ist ein Mischwort aus Clay und Shadow. Tatsächlich arbeiten einige Künstler mit den Materialien Ton und Schatten. Timothy Furey etwa, dessen Werk aus einem roten Kanister besteht, auf dem ein Brett mit platt gequetschtem Ton liegt, an die Wand hat er die Worte „Anti“ und „Climax“ geschmiert. Hinzu kommt eine Kinderstrickleiter, die ihren Schatten auf eine Leinwand wirft. Was das wohl zu bedeuten hat? Furey berichtet von einem Ort mit einem steilen, matschigen Abhang, den man mittels Strickleiter leichter hinabgelangt. Ganz einfach also, wenn man Bescheid weiß. Mit der Kunst fremder Völker geht es einem ja ständig so: Wer die Umstände nicht kennt, wird aus dem Werk nicht klug.

Nebenan zeigt Dana Munro sich hin und her bewegende Jeep-Scheibenwischer, die ihren Schatten über das Dia einer indischen Landschaft werfen. Vor dem Lichtstrahl liegt ein abendrotfarbener Filter. Unser Blick auf die Welt, so scheint diese Arbeit zu sagen, ist ein eurozentristisch gefärbter.

Weltkulturen Labor, Frankfurt: bis 7.8., www.weltkulturenmuseum.de

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