Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wert erhalten zu bleiben: Diese Fotografie von 1892 zeigt das Mainufer in Frankfurt (mit Blick auf den Dom). Nur im Original kann man sehen, wie fein die Graustufen nuanciert sind. Die Abbildung  wirkt fast dreidimensional.
+
Wert erhalten zu bleiben: Diese Fotografie von 1892 zeigt das Mainufer in Frankfurt (mit Blick auf den Dom). Nur im Original kann man sehen, wie fein die Graustufen nuanciert sind. Die Abbildung wirkt fast dreidimensional.

Erklärung zum Erhalt analoger Fotos

Die Biographie des Materials

Ein Foto ist mehr als nur das, was wir auf ihr sehen. Ihr Material erzählt eine eigene Geschichte, deshalb müssen wir analoge Fotos erhalten, auch wenn digitale Bilder längst auf dem Vormarsch sind.

Von Natalie Soondrum

Dass es so schnell ginge, hätte Tobias Picard nicht gedacht. Der Fotoarchivar des Instituts für Stadtgeschichte in Frankfurt hat noch im Jahr 2000 daran gezweifelt, dass die digitale Fotografie der analogen den Rang ablaufen könnte. Heute ist es für ihn ein Fakt: "Die analoge Fotografie wird es bald nicht mehr geben", stellt er nüchtern fest. Dieser Umstand bringt für die Wahrung fotografischer Bestände so weitreichende Implikationen mit sich, dass er das Kunsthistorische Institut in Florenz, seit 2002 ein Max-Planck-Institut, kürzlich dazu bewegt hat, die so genannte "Florence Declaration" zum Erhalt analoger Fotoarchive vorzustellen. Bisher haben weltweit 271 Archive, Forschungsinstitute und Wissenschaftler die Erklärung unterzeichnet. Wir wollen kurz darlegen, worum es dabei geht.

Wenn eine Technik, ein Medium vom Markt verschwindet, weil sie von einer neueren Entwicklung verdrängt wird, entsteht sofort die Tendenz, die Daten des einen Mediums in das andere zu übertragen. Wir alle scannen alte Fotos, brennen sie auf CD und verschicken sie per Email. Warum sollen Fotoarchive das nicht auch so machen? Im Alltagsbewusstsein sind wir geneigt, ein Bild - vor allem das technische, also das Foto - mit seinem Motiv gleichzusetzen. Aber sobald die Ästhetik des Bildes ins Spiel kommt - wenn man nur zwei Minuten über sich und das Bild nachdenkt, beginnt man zu unterscheiden: Sehe ich das Bild als an die Wand geworfenes, farbiges Licht, halte ich es in der Hand, oder muss ich einen Computer anmachen, um es betrachten zu können? Ob Dia, Papierabzug oder digitales JPEG, jedes Medium unterscheidet sich fundamental von den übrigen. "The medium is the message", sagte der Medientheoretiker Marshall McLuhan zu Recht: Demnach ist das Material eines Bildes mindestens so aussagekräftig wie das, was es abbildet. In der "Declaration" heißt es: "Kennzeichnend für das fotografische Objekt sind insbesondere taktile Merkmale, die für die Rekonstruktion wichtiger Aspekte seiner Biographie unverzichtbar sind, wie Technik, Herstellungszeitraum oder die Geschichte seiner Benutzung (Beispielsweise durch den Erhaltungszustand)."

Für den Fotoarchivar Picard steht die Erhaltung seiner über eine Million Bilder zählenden Sammlung analoger Fotografien nicht zur Debatte. Die Digitalisierung des Bestandes komme nur langsam voran und sei kein Ersatz für die Papierabzüge. Digitale Dateien aufzubewahren, sei viel aufwändiger, als Fotos zu lagern. Es müssten ständig Sicherheitskopien gemacht werden, und die Haltbarkeit der Datenträger sei auch sehr ungewiss.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare