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Auch der Berliner Salon ist wieder mit von der Partie. Nach einer Pause von zwei Jahren konnte er im Januar nur digital stattfinden, jetzt im September endlich wieder live. Judith Kohl
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Auch der Berliner Salon ist wieder mit von der Partie. Nach einer Pause von zwei Jahren konnte er im Januar nur digital stattfinden, jetzt im September endlich wieder live.

Mode

Berlin Fashion Week 2021: Endlich wieder Schauen

  • VonJudith Kohl
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Unsere Grafikerin Judith Kohl liebt Mode – und Berlin. Ehrensache, dass sie bei der Fashion Week dabei war. Und uns etwas mitgebracht hat

Sie ist wieder da – obwohl sie nie weg war: die Berlin Fashion Week. Der Umzug der großen Messen „Premium“, „Seek“ und „Neonyt“ nach Frankfurt im Sommer 2021 hat es möglich gemacht, den Schauen-Kalender im Juli zu entzerren. Durch den neuen Termin im September kollidierte die Berliner Modewoche somit erstmals nicht mehr mit den bislang immer parallel stattfindenden Couture-Präsentationen in Paris.

Das Kraftwerk, der schon etablierte Veranstaltungsort, war Mittelpunkt für die meisten Schauen, die erstmals seit Beginn der Pandemie wieder live stattfinden und auch auf verschiedenen Social-Media-Kanälen verfolgt werden konnten. Dass die meisten Designerinnen und Designer diesen Ort für ihre Schauen genutzt haben, war sicherlich nicht zuletzt den Planungsunsicherheiten durch die Corona-Situation geschuldet. Als einer der wenigen präsentierte William Fan in eigener Location – ein absolutes Highlight und eine Erinnerung daran, was die Fashion Week vor der Pandemie war und wie sie hoffentlich irgendwann wieder sein wird.

Austausch und Laufsteg statt Livestream: Berlin Fashion Week 2021

Gleichwohl war die Freude groß, nach anderthalb Jahren wieder auf alte und neue Bekannte zu treffen und sich direkt austauschen zu können. So gab es fast ebenso viele „Get–together“ wie Schauen, im Kraftwerk wie auch außerhalb. Aber trotz abgespeckter Berlin Fashion Week gab es viel zu sehen und Neues zu erleben. Etwas ganz Besonderes war für mich die „OffSITE“-Veranstaltung: ein neues Format, das Raum für ein Zusammenspiel von Kunst und Mode gab. In galerieartigen Räumen konnten Michael Sontag, William Fan, Richert Beil und Weberei die Präsentation ihrer Werke und Mode gestalten. Performances, Foto- und Wandarbeiten sowie Installationen eröffneten neue Perspektiven auf die jeweiligen Designer und deren Schaffen: Mode wurde zu Kunst, Kunst zu Mode. Eine Inspiration und ein Format, das hoffentlich beibehalten wird.

Was ist nun mein Fazit? Ein vorsichtiges Herantasten an Vor-Corona-Zeiten, verhaltener Optimismus und vor allem die Freude, dass endlich überhaupt wieder etwas stattfinden konnte. Es war auf jeden Fall schön und wichtig, wieder „analog“ zusammenzukommen und Kolleginnen, Freunde, Designerinnen, Modebegeisterte, kurz: Menschen zu treffen, die Mode nicht abtun einzig als unerheblich, frivol und irrelevant, sondern die sich dafür begeistern, darüber streiten, sie ernst nehmen und sich nicht zuletzt daran erfreuen.

William Fan, Berlin Fashion Week

William Fan

Er kann es einfach. Nicht nur sind seine Locations spektakulär, auch seine Mode überrascht immer wieder aufs Neue. Ausführung, Schnitte, Stoffe, Accessoires, Styling – Perfektion bis ins letzte Detail. Passend zum Thema dieser Kollektion, Neighbourhood, wurden die Models über soziale Medien offen gecastet und gaben der Schau eine wunderbare Authentizität. Männer in Röcken oder Tuniken, Frauen in Hosen (meiner Meinung nach sowieso die bessere Wahl ...) – genauso wie William Fans Mode genderübergreifend ist, verzichten seine Kollektionen auch auf die übliche saisonale Zuschreibung. Volumen und betonte Schultern, lange, gestreckte Silhouetten, Layering, gemusterte und unifarbene Stoffe – das alles ergab ein perfektes Zusammenspiel. Auch bei den Accessoires waren wieder einige Lieblingsstücke zu finden: klobige Statement-Ketten und die typische Fan-Bag in neuen Versionen als Tüpfelchen auf dem i.

Fassbender, Berlin Fashion Week

Fassbender

Das erste Mal zu sehen auf der Berlin Fashion Week und macht gleich Lust auf mehr: das Hamburger Designlabel Fassbender. Klassische Schnitte, klare Farben, fließende Stoffe – Mode, die Bewegung zulässt und auf Funktionalität ausgelegt, die tragbar ist – und das im besten Sinne des Wortes (das ich als Kategorie und in diesem Zusammenhang eigentlich grauslig finde...). Alltagstauglich, sportlich und elegant: nicht die schlechteste aller Kombinationen.

Neo: Fashion, Berlin Fashion Week

Neo:Fashion

Erstmals haben die besten Absolventinnen und Absolventen aus 13 Hochschulen, Bereich Modedesign, ihre Abschlusskollektion im Rahmen einer „Best Graduates Show“ auf der Berlin Fashion Week präsentiert, auf der auch die neu ausgelobten „Neo.Fashion.Awards“ vergeben wurden. Patchwork, offene Schnüre und Nähte, Verformungen ... Oft wäre weniger mehr gewesen. Mode, überladen mit „Inhalten“, die das Design überfrachten. Für mich muss Mode auch ohne Erklärung funktionieren. Trotzdem bekam man einen guten Einblick in die Ideen und Kreativität der Nachwuchstalente. Die drei Gewinner:innen am Ende waren: Flora Taubner (Best Design), Paul Kadjo (Best Sustainable Concept) und Aylin Tomta (Best Craftsmanship), deren Kollektion im Bild oben zu sehen ist.

Kilian Kerner, Berlin Fashion Week

Kilian Kerner

Strenge Formen und klare Farben, ein Wechsel zwischen steif voluminöser und transparent rüschiger Silhouette – mir hat gefallen, was Kilian Kerner gezeigt hat. Mode, die für Männer und Frauen gleichermaßen attraktiv ist. Two-Tone-Mäntel, die einen optischen Layering-Effekt erzeugen, Hosenanzüge, körpernahe Jumpsuits und und Kleider mit tiefen Ausschnitten und Cut-outs – besonders die Hosen mit Bündchen und geschlitztem Beinabschluss haben es mir angetan. Eine gelungene Mischung aus klassischen Schnitten und überraschenden Details.

Isabel Vollrath, Berlin Fashion Week

Isabel Vollrath

Eine Überraschung war die Schau von Isabel Vollrath. Anstatt der sonst ausschließlich schwarzen, kunstvoll drapierten Mode zeigte sie weichere, fließende Modelle, oftmals mit Gürtel akzentuiert. Das theatralische Moment wurde zurückgenommen zugunsten weniger strenger Silhouetten und Schnitte. Ihre Kunstfertigkeit und Detailversessenheit hat Isabel Vollrath beibehalten, aber in einer „Light“-Version. Erstmals arbeitete sie auch mit bedruckten Stoffen, die in Zusammenarbeit mit der Textildesignerin Almut Warttinger entstanden sind. Die so kreierten Muster entführen in einen erträumten, utopischen Tropenwald. Man ist gespannt, wohin die Reise nun weitergeht

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