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„Peace Wall“ als „Kluft zwischen Arm und Reich“. Die Leute verstanden es nicht, reagierten feindselig.
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„Peace Wall“ als „Kluft zwischen Arm und Reich“. Die Leute verstanden es nicht, reagierten feindselig.

Internationale Kunstschau

Berlin Biennale - Politisch ja, nur wie?

  • VonIngeborg Ruthe
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Sonntag ist nicht bloß Fußball-EM-Finale. Auch die 7. Berlin Biennale geht zu Ende. Ein Resümee.

Sonntag ist nicht bloß Fußball-EM-Finale. Auch die 7. Berlin Biennale geht zu Ende. In der Kunst gibt es keine Pokale – Resümees, Analysen, Konsequenzen sehr wohl.

So richtig warm geworden sind die über Kunst Schreibenden landesweit nicht mit dieser internationalen Kunstschau, für die kein Besucher, das ist nicht genug zu loben, Eintritt zahlen musste. Zu viel politische Aktion, zu wenig Kunst, das war der ziemlich einhellige Ton der Kritik. Die polnischen Kuratoren Artur Zmijewski und Joanna Warsza und der Veranstalter, die Kunst-Werke, erklären nun, diese Biennale sei mit ihrer Aktionskunst bei einem „neuen“ Publikum gut angekommen. Nur „für die gängige Kritik“ sei sie „wenig geeignet“ gewesen.

Mit dem „neuen“ Publikum sind gewiss vor allem die Anhänger der Occupy-Bewegung gemeint, die diese Biennale mit antikapitalistischen Aktionen maßgeblich mitbestimmten, zuletzt sogar – als Aktion – die Hausmacht in den Kunst-Werken übernahmen. Die vielen Dokumentationen, Kriegsvideos, Installationen, die Podien und Performances im Stadtraum machten ja auch deutlich, worum es ging: Die politische Wahrheit sollte enthüllt, die Welt verändert werden. „Vergiss die Angst“, so das Motto.

Bildhaft-Sinnliches bleibt kaum haften

Das war mutig und sympathisch. So wandte sich eine Aktion gegen einen Rüstungskonzern, der Panzer nach Saudi-Arabien liefert. Eine andere hielt einen „Kongress zur Rückkehr von Juden nach Polen“ ab, sprach damit offen Antisemitismus im Lande an. Im Deutschlandhaus wurde an Künstler erinnert, die, wie der ostpreußische Maler Otto Schliwinski, unter Flucht und Vertreibung litten und zu Unrecht vergessen sind. Und gewisse „Provokationen“ – schön, dass sie noch funktionieren – haben ihre Wirkung nicht verfehlt, etwa ein „Peace Wall“ als „Kluft zwischen Arm und Reich“ in einem Kreuzberger Wohngebiet. Doch die Leute verstanden es nicht, reagierten feindselig: „Mauer weg!“

Bildhaft-Sinnliches indes bleibt kaum haften von dieser Biennale, von den zarten Birkensetzlingen aus dem KZ Birkenau mal abgesehen. Wer von Kunst auch Ästhetisches erwartet, ist also ein „gängiger“ Kritiker. Wieso aber loben die dann die Documenta in Kassel, die genauso politisch sein will, das Prozesshafte der Kunst und fatale Zusammenhänge in der Welt der Krise zeigt, die geldwerte Hervorhebung von Stars ebenso ablehnt?

Die polnischen Biennale-Macher bevorzugten die demonstrative Aktion, um einer aus ihrer Sicht entpolitisierten, saturierten Welt (Berlin, Deutschland, der Westen) ihre Verkommenheit vorzuhalten. Damit erreichten sie eine Menge Leute, schlossen aber all jene aus, die mit der Kunst der Empathie zu erreichen gewesen wären.

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